Beim dritten Versuch erfolgt ein Testflug von SpaceX weitgehend reibungslos, was der Aktie allerdings auch noch nicht auf die Sprünge hilft
Aus technischer Sicht wird es düster bei SpaceX
Den 13. Testflug von „Starship“ musste SpaceX zweimal verschieben. Beim ersten Versuch erfolgte der Abbruch kurz nach dem Start, da einige Triebwerke nicht zünden wollte. Der zweite Ansatz wurde wetterbedingt nach hinten verschoben. Beim dritten Versuch ging nun vor dem Wochenende alles weitgehend nach Plan. Der sichtlich angeschlagenen Aktie half das jedoch nicht weiter.
Wie unter anderem die „FAZ“ berichtete, konnte SpaceX (US84615Q1031) erfolgreich seine gigantische Rakete ins All manövrieren. 20 funktionierende Starlink-Satelliten wurden dabei ausgesetzt, die dann planungsgemäß wenig später in der Atmosphäre verglühten. Die obere Raketenstufe stürzte kontrolliert in den Indischen Ozean; die untere Stufe stürzte bereits kurz nach dem Start ins Meer. Beides entsprach den Plänen des Unternehmens.
Ganz perfekt verlief das Ganze jedoch nicht. Bei der Rückkehr zündeten fünf Triebwerke des Boosters „Super Heavy“ nicht erneut, sodass jener mit überhöhter Geschwindigkeit die Oberfläche erreichte. Das dürfte für Anleger gerade nach den jüngsten Erfolgen der chinesischen Raumfahrt ein Rückschlag sein. Immerhin scheint SpaceX aber in der Lage zu sein, Mängel schnell abzustellen. Das lässt darauf hoffen, dass die NASA mit dem Starship eines Tages tatsächlich wieder Menschen auf den Mond befördern kann. SpaceX will perspektivisch sogar Menschen auf den Mars bringen.
SpaceX kann nicht punkten
Auch wenn SpaceX sich einen weiteren Rückschlag verkneifen konnte, so fehlt es beim Aktienkurs dennoch weiter an Rückenwind. Vor dem Wochenende ging es um weitere 2,7 Prozent auf 115,07 US-Dollar abwärts. Nachbörslich saßen die Bären weiter am längeren Hebel. Zur Erinnerung: An den Start gegangen war SpaceX mit einem Ausgabepreis von 135 Dollar, der in Windeseile überboten wurde. Verglichen mit den Höchstkursen hat der Wert des Papiers sich nun in etwa halbiert.
Erfolge mit Raketen treten an der Börse derzeit in den Hintergrund. Eine weitaus größere Rolle spielen hohe Leerverkaufsquoten und die Sorge, dass auslaufende Haltefristen weitere Anteile in den Free Float spülen könnten. Mit einem steigenden Verkaufsdruck würde der Kurs wohl noch mehr unter Druck geraten. Allerdings lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit vorhersagen, wer tatsächlich auch verkaufen wird. Abseits davon wird die SpaceX-Aktie aber auch von einer generell skeptischeren Haltung der Märkte gegenüber KI-Aktien belastet.
Zu einem nicht unerheblichen Teil entstand der kurze Hype um SpaceX auch durch das Versprechen, gigantische KI-Rechenzentren im All zu betreiben. Nun fragen sich die Anleger allerdings immer mehr, ob sich das überhaupt rechnen kann. Fehlgeschlagene Starts erhöhen auch nicht unbedingt das Selbstbewusstsein der Börsianer darüber, dass SpaceX technologisch in der Lage ist, dieses Ziel zu erreichen. Als wäre all das nicht genug, warnen Analysten auch jetzt noch vor einer möglicherweise drastisch überhöhten Bewertung.
Katerstimmung
Die rosarote Brille scheint zu fallen und SpaceX wird wohl mehr an dem gemessen, was tatsächlich vorgewiesen werden kann. Aus fundamentaler Sicht ist das erstaunlich wenig. Bis auf Starlink bringen dem Konzern sämtliche Sparten nur rote Zahlen ein. Eine klare Aussicht darauf, wann sich daran etwas ändern mag, fehlt bisher vollständig. Zusammen mit einer bereits erfolgten, massiven Korrektur sinkt dadurch die Hemmschwelle für Gewinnmitnahmen beträchtlich, so denn solche überhaupt noch möglich sind.
SpaceX steht immer stärker unter dem Druck, den Aktionären mehr als nur eher vage Zukunftsversprechen zu liefern. Die Aktie war von Anfang an eine spekulative und damit riskante Angelegenheit. Ausmaß und Tempo der Korrekturen dürften aber selbst die Pessimisten überrascht haben. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob bei den Geschäftszahlen Anfang August zumindest eine positive Tendenz zu erkennen ist. Sollte das jedoch nicht der Fall sein, so dürfte der Tiefpunkt noch immer nicht erreicht sein.
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27.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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