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Zinserhöhung beim südkoreanischen Won verpufft

Südkoreanischer Won zwischen Chartmuster und Zinserhöhung

NTG24 - Zinserhöhung beim südkoreanischen Won verpufft

 

In dieser Woche hat die Zentralbank Südkoreas als erstes asiatisches Land seit dem Beginn der Corona-Pandemie die Leitzinsen angehoben. Die Reaktion der Märkte war jedoch schwach, was auch an dem eher zurückhaltenden Ausblick der Notenbank lag. Die Verknüpfung der südkoreanischen Geldpolitik mit dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und der Politik anderer großer Zentralbanken lässt eher den Eindruck zu, dass Südkorea eine zu schnelle Schwächung des Won bremsen will. Ein Blick auf die langfristige Situation des Won gegen den US-Dollar spricht eher für einen neuen Abwertungstrend des Wons gegen den US-Dollar.

Die Kommunikation des südkoreanischen Notenbankchefs Lee Ju-yeol im Zuge der jüngsten Zinserhöhung, der ersten in Asien, war bestenfalls ,,süßsauer‘‘. Denn die Kapitalmärkte zeigten sich einigermaßen unbeeindruckt von der Entscheidung.

Zuvor hatte die Zentralbank Südkoreas am Donnerstag dieser Woche den Leitzins erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie um 0,25 % von 0,5 % auf 0,75 % angehoben.

Das südkoreanische Wirtschaftswachstum und ein solider Arbeitsmarkt erleichterten der Notenbank die Zinserhöhung, zumal die Konsumentenpreise relativ hoch blieben. Für 2021 wird ein Wirtschaftswachstum von 4 % erwartet.

Die in der Entscheidung genannte und für diese auch relevante Geldpolitik bezieht sich insbesondere auf die US-Notenbank FED. Sollte diese ihre extrem expansive Geldpolitik perspektivisch straffen, dürfte unabhängig von konjunkturellen Erwägungen im Inland der Druck auf die südkoreanische Notenbank zunehmen, den Won nicht zu stark abwerten zu lassen.

Wirft man nun aber einen Blick auf die Entwicklung des südkoreanischen Won gegen den US-Dollar, so wird deutlich, dass Letzterer seit Jahresbeginn 2021 zur Stärke neigt, wie Chart 1 zeigt.

 

 

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Werbebanner DenkworkDer Won hatte im Zuge der Finanzkrise 2008/2009 nach einer längeren Aufwertungsphase gegen den US-Dollar deutlich und schnell abgewertet. In der darauffolgenden Erholungsphase seit 2009 bildete sich ein verschachtelter Boden in Form einer umgekehrten S-K-S-Formation (rote Untertassen). Auf kleinerer Skale besitzen die beiden Schultern noch eine Doppelboden-Struktur (grüne Untertassen).

Damit zeigt der Won aus Sicht längerfristiger Chartmuster das Potenzial einer Trendumkehr, bei der der US-Dollar in einen neuen Aufwertungstrend gegen den Won eintreten könnte.

Ein Blick auf das Währungspaar seit der Asienkrise 1997, in der der Won drastisch abwertete (links in Chart 2) zeigt, wie verletzlich Südkoreas Währung in Turbulenzen am Kapitalmarkt sein kann.

Und auch wenn die Wirtschaft Südkoreas heute widerstandsfähiger gegen Schocks ist, so zeigt doch die Entwicklung in der Finanzkrise, dass auch 10 Jahre nach der Asienkrise Südkoreas Währung in ähnlichem Ausmaß und Zeitraum stark abwerten kann.

 

 

Chart 2 zeigt aber auch noch etwas anderes: Das S-K-S-Bodenmuster steht nicht nur seit 2009 praktisch vor dem Abschluss. Es ist zudem auch Teil einer S-K-S-Umkehrformation auf noch größerer Skale, die ihren Beginn in der Asienkrise hat (blaue Untertassen).

 

Und was ist das Fazit?

 

Die jüngste Zinserhöhung der südkoreanischen Notenbank hat den Won nur kurz gestützt. Die Zinserhöhung ist vor dem Hintergrund des soliden Wachstums plausibel, gleichwohl aber an Bedingungen geknüpft, welche sich schnell ändern können, denn die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei.

Die langfristigen Chartmuster der Entwicklung des Won gegen den US-Dollar deuten vielmehr auf eine Trendumkehr und eine neue längerfristige Abwertungsphase des Won gegen den US-Dollar hin. Sollte die US-Notenbank in den nächsten Wochen mit einer sukzessiven Abschwächung der extrem lockeren Geldpolitik beginnen, könnte sich der Abwertungsdruck auf den südkoreanischen Won weiter verstärken.

 

27.08.2021 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 






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