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Türkei will mit höherer Goldförderung außenwirtschaftliche Verwundbarkeit reduzieren

Stark steigende Goldproduktion in der Türkei geplant

 

Die Türkei plant, ihre heimische Goldproduktion in den nächsten fünf Jahren auf 100 Tonnen pro Jahr oder mehr zu steigern. Dies sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters der türkische Energieminister Fatih Dönmez gestern in einem Interview mit Bloomberg HT.

Im Jahr 2020 hatte die Türkei insgesamt 42 Tonnen Gold und damit bereits einen neuen Rekord erzielt. Diesen will das Land am Bosporus in diesem Jahr aber übertreffen. Die Gold-Importe des Landes beliefen sich offiziellen Zahlen zufolge 2020 auf Gold im Wert von 26,6 Mrd. USD. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Goldimporte damit ungefähr verdoppelt.

Besonders seit dem starken Verfall der Lira im vergangenen Herbst flüchten die Menschen in der Türkei in harte Währungen und Gold, so Reuters.

Ein Blick auf die relative Entwicklung des Goldpreises in US-Dollar und in türkischer Lira zeigt, woher der strukturelle Stress kommt. Denn zu der relativen Schwäche der türkischen Lira gegenüber dem US-Dollar, welche sich in einem deutlich schneller steigenden Goldpreis in türkischer Lira ausdrückt, kommt noch die fundamentale Schwäche des US-Dollars gegen Gold, welche im vergangenen Jahr zu einem neuen Allzeithoch des Goldpreises in US-Dollar führte.

 

 

Ein steigender Goldpreis würde damit anhaltenden Abwertungsdruck des hohen Leistungsbilanzdefizites auf die türkische Lira gegen den US-Dollar bewirken. Eine schwächere Lira wiederum führt über höhere Importpreise zu anhaltend hoher Inflation und damit einer Entwertung von Buchgeld, welches in türkischer Lira gehalten wird. Die Aussage von Minister Dönmez über eine Flucht inländischer Gelder in Gold ist deshalb nur folgerichtig.

,,Unsere Goldimporte sind wirklich hoch. Es wird nicht nur im Schmucksektor verwendet, sondern auch als Wertanlage‘‘, erklärt Dönmez. ,,Um die Importe zu verringern, müssen wir diesen Anstieg (der Goldförderung) sicherstellen, damit wir nicht negativ zum aktuellen Leistungsbilanzdefizit beitragen.‘‘

 

Fazit

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDie Türkei versucht mit einer steigenden inländischen Goldproduktion ihre außenwirtschaftliche Verwundbarkeit zu verringern. Damit erhöht sie im Inland das Angebot alternativer realer Vermögensgegenstände als Sparform. Und schließlich ermöglicht dies eine Umgehung von Sanktionen, welche durch eine Beschränkung von US-Dollar-Transaktionen potenziell möglich sind. Und auch am anderen Ende der eurasischen Landmasse dürfte man sich über den Aufbau türkischer Goldreserven freuen. Denn historisch war die Nachfrage Chinas im Altertum nach Importwaren auf wenige Produkte beschränkt. Silber gehörte ebenso dazu wie Gewürze. Und wie die letzten Jahrzehnte zeigen, auch Gold. Sollte das weltweite Vertrauen in Fiatwährungen deutlich sinken, wird sich die Frage nach Gold als Geld dann in ganz neuem Licht stellen. Aus dieser Perspektive wäre eine höhere türkische Goldförderung der erste Schritt hin zu der Option einer Geldmengenerhöhung mit ,,ehrlichem Geld‘‘.

 

27.01.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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