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Edelmetalle - Wochenrückblick vom 01.08.2020

Die Edelmetallwoche vom 27.07.2020 - 31.07.2020

 

Gold

Auch diese Handelswoche war bei den Edelmetallen wieder von mehreren wichtigen Ereignissen geprägt. Auffällig war aber diesmal die Divergenz von Gold und Silber gegenüber Platin und Palladium. Während Erstere noch einmal einen regelrechten Schub erlebten, ging es mit Letzteren erst einmal wieder in eine Korrekturphase.

Einer der Gründe, dass es Platin und Palladium in dieser Woche wieder schwerer hatten, lag wohl daran, dass sich die Möglichkeit einer zweiten Corona-Infektionswelle verdichtete, was die auf die Erwartung der industriellen Nachfrage drückte.

Andererseits verharrten die Aktienmärkte auf der Stelle oder waren schwächer, was wiederum dem Risk-off-Sentiment und damit Gold und Silber zugutekam. Der Trend der geopolitischen Eskalation hielt auch in der Berichtswoche sowohl in Ostasien wie auch dem Nahen Osten weiter an.

Ein erneut schwächerer US-Dollar, der gegenüber der Vorwoche 1 % gegen den Euro verlor, brachte weiteren Rückenwind für den Edelmetallsektor.

Mit dem gestrigen Monatsschlusskurs von 1975,96 Dollar hat Gold nun einen charttechnisch ungetrübten Blick aufwärts. Denn bei guten Umsätzen stieg der Goldpreis über seine Signifikanzschwelle und weist damit auf deutlich höhere Kurse in der Zukunft hin.

Der Goldpreis legte gegenüber der Vorwoche um 74,32 Dollar bzw. 3,91 % zu.

Die COT-Daten vom 28.07.2020 zeigen für Gold einen deutlichen Rückgang der Short-Position der Commercials. Diese fiel um 8 % auf 278.377 Kontrakte. Das Open Interest fiel parallel um 1 % auf 598.629 Kontrakte zu.

Der Goldpreis hat damit in mehrfacher Hinsicht Signale für die weitere Entwicklung risikoarmer wie risikoreicher Vermögenswerte gegeben. Dies deutet vor allem für Silber auf deutlich höhere Kursniveaus hin, während diese Entwicklung für weite Bereiche des Anleihemarktes eher Besorgnis auslösen dürfte.

 

Gold

 

Silber

Auch in dieser Woche erwies sich Silber als ,,Optionsschein‘‘ auf den Goldpreis. Diesmal allerdings mit einem Hebel 1,84.

Damit wurde nicht nur die Performancelücke zu Gold weiter geschlossen. Der Monatsschlusskurs deutlich über dem zentralen statischen und Fibonacci-Widerstand bei 21,13 Dollar macht Hoffnung auf noch deutlich höhere Kurse, da dadurch auch das mittel- bis langfristige Trendumkehrsignal bestätigt wurde.

Im Wochenvergleich gewann der Silberpreis 1,64 Dollar bzw. 7,2 % und war auch in dieser Woche wieder die Nr. 1 unter den Edelmetallen.

Auch am Terminmarkt zeigte sich eine starke Dynamik. Die Short-Position der Commercials fiel per 28.07.2020 sehr stark, und zwar um 23 % auf noch 47.484 Kontrakte, während das Open Interest wie auch bei Gold um 1 % auf 184.020 sank.

Insgesamt zeigt Silber damit eine beeindruckende Stärke, die man als spiegelbildliche Aufwärtsbewegung gegenüber den überproportionalen Verlusten in der langen Ausverkaufsphase mindestens zwischen 2011 bis Ende 2015 bewerten kann.

Durch das signifikante Überwinden des zentralen Widerstandes von 21,13 Dollar auf Monatsschlusskurs-Basis ist nun unsere mittelfristige und langfristige Zuversicht für Silber deutlich gestiegen. Dies ruft auch die Erinnerung daran wach, dass Silber gegenüber Gold überproportional auf Änderungen der Inflationserwartungen reagiert. Dass dies bei sich abwertenden Fiat-Währungen wie dem Euro, dem Yen und dem US-Dollar eine Frage der monetären Saldenmechanik in einem Szenario abnehmenden Vertrauens ist, stellt dabei mehr als eine Fußnote eines volkswirtschaftlichen Lehrbuches dar!

 

Silber

 

Platin

Platin stieß nach den Gewinnen in der Vorwoche diesmal wieder auf charttechnischen Widerstand. Im Wochenvergleich gab das Edelmetall 1,96 % auf 905,15 Dollar ab, fiel damit nicht einmal halb so stark wie Palladium.

Gleichwohl war die Divergenz von Gold und Silber einerseits gegenüber Platin und Palladium andererseits deutlich. Die Vermutung ist plausibel, dass Gold als ,,ehrliches Geld‘‘ und klassischer sicherer Hafen den Silberpreis mit seinem monetären Charakter inspirierte, während bei Platin und Palladium die realwirtschaftlichen Sorgen überwogen.

Trotz relativ hoher Umsätze fiel die absolute Änderung gegenüber der Vorwoche verhältnismäßig gering aus. Dies deutet an, dass Platin an innerer Stärke gewinnt.

Die Short-Position der Commercials legte zum 28.07.2020 wieder deutlich um 10 % auf 27.314 Kontrakte zu, während das Open Interest um 5 % auf 54.525 Kontrakte anstieg.

Vor dem Hintergrund der verbesserten charttechnischen Lage ist eine Konsolidierung der letzten Gewinne keine Überraschung. Bei den höheren Abgaben im Zuge fallender Kursen sollte berücksichtigt werden, dass sich Platin immer mehr seiner langfristigen Abwärtstrendlinie nähert, die bei rund 980 Dollar verläuft und an der er zuletzt noch abgeprallt war. Insgesamt ist die aktuelle Entwicklung eher als Kräftesammeln vor dem Ausbruch aus dem langfristigen Abwärtstrend zu beschreiben anstatt als Erholung im Abwärtstrend. Hier ist einstweilen weiter Geduld gefördert.

 

Platin

 

Palladium

Auch Palladium bauten in dieser Woche weiter an seiner Umkehrformation und legte erst einmal eine Verschnaufpause auf dem Weg nach oben ein.

Der zuletzt in der Vorwoche beschriebene doppelte Doppelboden nahm aber im Berichtszeitraum weiter Gestalt an (s. Chart).

Im Wochenverlauf gab Palladium 6,86 % auf 2096,09 Dollar ab und testete dabei sein charttechnisches Ausbruchsniveau um 2090 Dollar, wobei die Umsätze auf Wochenbasis aber kleiner waren als jene des vorausgegangenen Anstieges. Dies erleichtert uns die Interpretation als eine Konsolidierung in einer sehr dynamischen Phase der Strukturbildung.

Die COT-Daten vom 28.07.2020 zeigen erneut einen deutlichen Anstieg der Short-Position der Commercials, diesmal um 14 % auf 4.010 Kontrakte, während das Open Interest um 11 % auf 10.325 Kontrakte zulegte.

Insgesamt ist die relativ hohe Symmetrie im Chart von Palladium ein Grund dafür, die aktuellen Abgaben nicht über zu bewerten. Schließlich sitzt Palladium gegenüber den anderen drei Edelmetallen immer noch auf einer immensen ,,Outperformance‘‘!

 

Palladium

 

01.08.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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