AMD spuckt große Töne, Nvidia spricht über die nächste Generation KI-Chips, Mercedes-Benz geht auf Angriffskurs und Tesla schmiert ab
Künstliche Intelligenz dominiert weiterhin den Tech-Sektor und die Börsen
Eigentlich sollte bei der CES in Las Vegas der Verbraucher im Mittelpunkt stehen, für den die Tech-Messe im Jahre 1967 als Ableger der Chicago Music Show einst ersonnen wurde. Doch seither ist viel Zeit vergangen. Zwar gab es zum ersten Messetag zahlreiche Neuigkeiten aus dem Consumer-Bereich zu sehen. Im Mittelpunkt standen aber Produkte, welche für normale Verbraucher weitgehend bedeutungslos sind.
Vor allem an der Börse richteten die Blicke sich vor allem auf KI-Chips und alles, was damit auch nur entfernt im Zusammenhang stehen könnte. Einen verbalen Angriff auf die Konkurrenz wagte AMD (US0079031078). CEO Lisa Su sprach munter über die nächsten Generationen an KI-Chips, welche im Jahr 2027 die derzeitige Leistung um ein Vielfaches übertreffen sollen. Bei dieser Gelegenheit kam die AMD-Chefin auch auf Spekulationen um eine mögliche KI-Blase zu sprechen.
Eine solche fürchtet AMD derzeit nicht. Mit OpenAI-Mitgründer Greg Brockman auf der Bühne sollte viel mehr unterlegt werden, wie gigantisch die Nachfrage noch immer ausfällt. Der ChatGPT-Entwickler ließ wissen, in Zukunft verstärkt mit AMD zusammenarbeiten zu wollen und schwärmte von einer Zukunft, in der so ziemlich alles mit einem KI-Chip ausgestattet sein wird. Die zukünftige Nachfrage könnte den aktuellen Hype nicht nur rechtfertigen. Vielleicht wird das Potenzial sogar noch unterschätzt. Allerdings muss OpenAI auch solche Worte von sich geben, denn ohne begeisterte Investoren könnte das Unternehmen sich gar keine teuren neuen Chips in Massen leisten. Träumereien von dem Eroberungszug der KI in immer mehr Bereichen sind, genau wie die Chip-Versprechen von AMD, noch Zukunftsmusik. Das half der AMD-Aktie nicht weiter, welche gestern um drei Prozent auf 214,35 US-Dollar zurückfiel.
Nvidia begibt sich in Stellung
Nvidia (US67066G1040) ist in Sachen KI-Chips schon zwei Schritte weiter. Umsätze und Gewinne bringen Anleger noch immer ins Schwitzen, was vor allem der extremen Dominanz bei den Marktanteilen zu verdanken ist. Um diese halten zu können, braucht es freilich ständigen Fortschritt. Dafür sorgen soll die neue Generation, welche unter dem Codenamen „Vera Rubin“ entwickelt wird. Zum Start der CES ließ CEO Jensen Huang wissen, dass die Produktion bereits angelaufen sei. Noch 2026 soll die neue Reihe erscheinen und aktuelle KI-Chips bei der Leistungsfähigkeit in den Schatten stellen.
Das klingt gut, doch haben die Märkte so ihre Zweifel daran, dass die Nachfrage ähnlich hoch wie in den letzten Jahren ausfallen wird. Schließlich haben bereits etliche Tech-Giganten unzählige Milliarden in Chips investiert, welche nach den meisten Planungen erst nach fünf bis sechs Jahren abgeschrieben werden sollen. Einfach nur mehr Leistung und eine höhere Effizienz rechtfertigen es wohl eher nicht, solche Pläne über den Haufen zu werfen und zusätzliche Milliarden locker zu machen. Die Nvidia-Aktie gab am Dienstag letztlich leicht um 0,5 Prozent auf 187,24 Dollar nach.
Mercedes-Benz auf autonomen Angriffskurs
Technologie von Nvidia spielt allerdings nicht nur bei gigantischen Rechenzentren eine immer größere Rolle. Den einen oder anderen Durchbruch soll es auch beim Thema Automotive geben, ganz besonders beim autonomen Fahren. Im Laufe der nächsten Jahre will der Konzern eine Plattform für Robotaxis aus dem Hut zaubern. Auf jene setzt unter anderem Mercedes-Benz (DE0007100000) und sprach diesbezüglich von einer strahlenden Zukunft.
Die eigenen Fahrzeuge solle in wenigen Jahren in der Lage sein, auch in der Stadt autonom und sicher unterwegs zu sein. Im kommenden Jahr soll auch ein Robotaxi-Service auf der Basis von Nvidia-Technologie an den Start gebracht werden. Für Mercedes-Benz-Fahrer soll es die Funktion als Abo für monatlich 99 Dollar oder als Einmalkauf für rund 8.000 Dollar geben. Mit solchen konkreten Zahlen hebt sich Mercedes-Benz von der Fülle an eher vagen Versprechen ab. Das belohnte die Börse mit Aufschlägen von 1,7 Prozent am gestrigen Dienstag.
Sieht Tesla nur noch die Rücklichter der Konkurrenz?
Was die Anleger von Mercedes-Benz in Vorfreude versetzt, sorgt bei Tesla (US88160R1014) eher für Unbehagen. Schließlich baute dort die letzte Kursrallye fast ausschließlich auf bunten Robotaxis-Fantasien auf. Dabei liegt man schon jetzt nicht an der Spitze, sondern ist noch auf Aufholjagd zu Konkurrenten wie Waymo. Dass nun auch ein Schwergewicht wie Nvidia seinen Hut in den Ring wirft, macht die Sache nicht einfacher.
Der Angriff kommt zudem nur wenige Tage, nachdem Tesla offiziell die weltweite Marktführerschaft bei E-Autos an den chinesischen Autobauer BYD abtreten musste. Damit verstärkt sich letztlich der Eindruck, dass der US-Konzern immer weiter zurückfällt. Die sonst so loyalen Anteilseigner scheinen dies auch nicht länger ignorieren zu können. Die Aktie fiel gestern um 4,1 Prozent auf 432,96 Dollar zurück und weitete damit die Verluste auf 5-Tages-Sicht auf 5,8 Prozent auf.
Schöne neue KI-Welt
Es bleibt Spannung in der Sache und abgesehen von Nvidia ist es noch immer weitgehend offen, wer in Sachen KI letzten Endes zu den größten Siegern gehören dürfte. Einmal mehr zeigt sich aber sehr klar, dass die Märkte im Segment noch immer weitere Chancen erkennen und die Angst vor einer Blase nicht groß genug ist, um den generellen Aufwärtstrend beenden zu können.
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07.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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