ASML im roten Bereich, Konkurrenzsorgen bei Infineon, Nvidia weiterhin ohne Kurssprünge und Siemens Energy muss Federn lassen
Die Anleger blicken zunehmend besorgt auf das KI-Segment
Rund um den Krieg im Nahen Osten gab es am Donnerstag widersprüchliche Signale. US-Präsident Donald Trump verschreckte die Märkte mit seiner Rede zur Lage der Nation, bei der konkrete Ziele weiterhin vermisst wurden und dafür umso mehr strenge Drohungen ausgesprochen wurden. Etwas später sorgten Berichte über Verhandlungen des Iran mit dem Oman über eine mögliche Mautregelung für die Straße von Hormus wieder für etwas Erleichterung.
Die anhaltenden Wirrungen in dieser Beziehung waren nicht der einzige Belastungsfaktor. Zunehmen Unruhe kommt auch ins Halbleitersegment. Denn die brachialen Pläne der Tech-Giganten scheinen nicht aufgehen zu wollen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ werden wohl fast die Hälfte der für dieses Jahr geplanten KI-Rechenzentren nicht fertiggestellt werden können. Das setzt diversen Unternehmen zu, darunter der Anlagenbauer ASML (NL0010273215).
Hauptsächlich haben wir es laut einer Analyse des Thinktanks Sightline Climate mit einer Situation zu tun, in der Unternehmen die gigantische Nachfrage schlicht nicht bedienen können. Das klingt nach einem Luxusproblem. Sollte die Lage aber tatsächlich derart dramatisch sein, könnten Bestellungen bei ASML sich nach hinten verschieben, was derzeitige Prognosen ein wenig in Zweifel zieht. Die Anteilseigner reagierten verunsichert und ließen den Kurs um 2,3 Prozent fallen.
Infineon: Greift Japan an?
Auch für Infineon (DE0006231004) wäre ein solches Szenario nur wenig erfreulich. Zusätzlich dazu sieht die „FAZ“ die Möglichkeit, dass japanische Unternehmen wieder verstärkt auf Angriffskurs gehen und dabei das Kernsegment von Infineon ins Auge fassen könnten. Schließlich hat die noch recht frische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi das ehrgeizige Ziel ausgelobt, bis zum Jahr 2040 den Umsatz der in Japan produzierten Halbleiter auf 40 Billionen Yen zu erhöhen. Aktuell bringt der Sektor es auf bescheidene fünf Billionen Yen.
Offen bleibt freilich, ob die Ausbaupläne von Erfolg gekrönt sein werden. Fehlt es an Rohstoffen und Komponenten, könnte dies dem Vorhaben ein wenig im Wege stehen. Dennoch lässt sich erahnen, dass es für Infineon in Zukunft ungemütlicher werden könnte. Da helfen auch gutgelaunte Analysten erstmal nicht und die Aktie gab gestern um 2,7 Prozent bis auf 38,93 Euro nach.
Platzt die Blase für Nvidia doch noch?
Ein ins Stocken kommender Ausbau von Rechenzentren wäre wohl auch für den Chiphersteller Nvidia (US67066G1040) eine eher unangenehme Angelegenheit. Bisher gibt es dort keinen Grund zur Beschwerde. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt und der Konzern kann dank der gigantischen Nachfrage schier unverschämte Margen verlangen. Doch so mancher Großkunde könnte Bestellungen in Zukunft zurückfahren, sollten nicht einmal aktuelle Projekte wie geplant umgesetzt werden können.
Schon jetzt liegen wohl einige Nvidia-Chips ungenutzt in Lagern herum, da die notwendige Infrastruktur für den Betrieb fehlt. Momentan mögen viele dieses Spielchen noch mitspielen, da sich um die KI-Beschleuniger regelrecht gerissen wird. Ob es dabei bis in alle Ewigkeit bleibt, ist aber nochmal eine andere Frage. Die Nvidia-Aktie erlebte bisher zwar keinen Absturz. Sie konnte aber auch schon seit Monaten keine größeren Kurssprünge mehr hinlegen. Am Donnerstag ging es 0,9 Prozent höher mit 177,39 US-Dollar in die Ostertage.
Siemens Energy fällt wieder zurück
Bei KI-Rechenzentren spielt auch Siemens Energy (DE000ENER6Y0) eine wichtige Rolle. Gesetzt wird an den Märkten darauf, dass das Unternehmen durch seine Expertise in der Netztechnik schwer vom massiven Ausbau in der Branche profitieren könnten. Doch auch hier gilt, dass die Aussichten eher trüber werden, sollten Projekte nicht wie geplant oder vielleicht sogar gar nicht umgesetzt werden können.
Manch einer stellt sich da die Frage, ob die enormen Kursaufschläge der letzten Monate noch zu rechtfertigen sind. Am gestrigen Donnerstag ließen die Anleger Vorsicht walten. Mit dem Kurs ging es um 1,6 Prozent auf 149,70 Euro in die Tiefe. Neben KI bedeutet für Siemens Energy auch der Ausbau der Erneuerbaren große Chancen. Den Börsianern scheint es aber nicht länger zu gelingen, deshalb Risiken auszublenden.
Wiederauferstehung voraus?
Die maue Stimmung an den Märkten passt zum heutigen Karfreitag, an dem die christliche Welt dem Leid und Sterben Jesu Christi gedenkt. Vielleicht wird sich dann in den kommenden Tagen die Hoffnung auf eine Wiederauferstehung breitmachen. Der Legende nach kam Jesus nach drei Tagen aus seinem Grab herausspaziert. Die Börsen werden sich feiertagsbedingt mindestens einen Tag länger gedulden müssen. Vorhersehen lässt sich aber wenig. Gerade bei der aktuell chaotischen geopolitischen Lage können vier Tage ein sehr langer Zeitraum mit viel Spielraum für weitere Wendungen sein. Daher bleibt für den Moment nur, allen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest zu wünschen!
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03.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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