Die Nachfrage bei ASML lässt nicht nach, was dem Unternehmen enorme Sprünge bei den Geschäftszahlen ermöglicht und den Aktienkurs auf neue Höchststände treibt
ASML setzt weiterhin auf den KI-Boom
Rekordzahlen von TSMC und die Ankündigung über weitere Investitionen in schwindelerregender Höhe ließen kürzlich bereits erahnen, dass der Beleuchtungsspezialist ASML so schnell nicht in ein Nachfrageproblem laufen würde. Schließlich sind die Anlagen der Niederländer für modernste Fertigungsprozesse unverzichtbar, weshalb auf der Kundenliste alle großen Namen aus westlichen Gefilden stehen. Der positive Eindruck verstärkte sich nun durch die Vorlage der jüngsten Quartalszahlen.
Allein im vierten Quartal konnte ASML (NL0010273215) einen Auftragseingang von 13,2 Milliarden Euro erzielen und damit die Erwartungen der Analysten regelrecht pulverisieren. Vor der Zahlenvorlage wurde an den Märkten nur mit etwa der Hälfte gerechnet. Der Auftragsbestand schwillt auf 39 Milliarden Euro an und allein das Abarbeiten davon dürfte eine ganze Weile in Anspruch nehmen.
Auch bei den weiteren Kennzahlen leistete sich ASML keine Enttäuschungen. Der Umsatz im zurückliegenden Gesamtjahr schnellte von 28,3 Milliarden Euro aus dem Vorjahr auf nun 32,7 Milliarden Euro in die Höhe. Der Nettogewinn legte von bereits beeindruckenden 7,6 Milliarden Euro aus dem Jahr 2024 auf 9,6 Milliarden Euro zu. Noch wichtiger für die Aktionäre ist aber, dass auch die weiteren Aussichten stimmen.
ASML will nicht nachlassen
Das Jahr 2026 soll laut ASML ein weiteres Wachstumsjahr werden, wofür in erster Linie die heißbegehrten EUV-Maschinen verantwortlich sein dürften. Die Umsätze sollen weiter ansteigen und bei 34 bis 39 Milliarden Euro landen. Zuvor stellte ASML lediglich eine Stagnation in Aussicht. Nun würde der Umsatz aus 2025 selbst im ungünstigen Szenario der Prognose deutlich übertroffen werden. Nicht gerüttelt wird an der Mittelfristprognose, welche für das Jahr 2030 Umsätze zwischen 44 und 60 Milliarden Euro vorsieht.
Um den wachsenden Bedarf auch bedienen zu können, arbeitet ASML derzeit fleißig an der Expansion. Neue Produktionsstätten sollen dafür sorgen, in Zukunft noch mehr Aufträge abarbeiten zu können. Hält der KI-Boom an, werden auch die Margen zu gefallen wissen. Gegenwind erfährt ASML zwar in China, da dorthin nicht mehr die neuesten und leistungsfähigsten Gerätschaften exportiert werden dürfen. Die vorgelegten Zahlen lassen jedoch vermuten, dass sich dies letztlich durch Erfolge an anderer Stelle amortisieren lässt.
Die Anleger zeigten sich am Mittwoch im frühen Handel hocherfreut und genehmigten der ASML-Aktie nach Zugewinnen von gut sechs Prozent ein neues Allzeit-Hoch bei 1.302 Euro. Damit gelang es den Niederländern auch wieder, an LVMH vorbeizuziehen und zum wertvollsten europäischen Börsenkonzern zu mutieren. Im weiteren Verlauf wurden allerdings munter Gewinne eingestrichen und zu Handelsschluss standen mit 1.195 Euro zwei Prozent weniger als tags zuvor auf dem Ticker. Der Aufwärtstrend an sich gerät dadurch aber noch nicht unter Druck.
ASML wird schlanker
Weiter verwöhnt wurden die Anleger mit der Ankündigung weiterer Aktienrückkäufe, was sich in aller Regel als kurssteigernd erweist. Trotz der sprudelnden Gewinne und Auftragsbüchern, die aus allen Nähten platzen, kündigte ASML gestern auch ein neues Programm zum Stellenabbau an. 1.700 Arbeitsplätze sollen wegfallen, insbesondere im Bereich der Führungskräfte. Das Unternehmen begründet diesen Schritt mit Rückmeldungen von Lieferanten und Kunden, laut denen ASML weniger agil geworden sei. Das soll sich durch neuerliche Anpassungen nun wieder ändern.
Für die Anteilseigner hätte es gestern wohl kaum bessere Nachrichten geben könnten. Die Geschäfte von ASML laufen blendend und bei der Nachfrage zeichnet sich nicht einmal ansatzweise eine Schwäche ab. Zudem bemüht sich ASML weiter um die Einsparung von Kosten und den Rückkauf eigener Aktie. Beides könnte den Gewinn je Aktie weiter antreiben. Als Risiko bleibt die Frage, wie lange ASML sein Monopol bei den modernsten EUV-Anlagen noch verteidigen können wird. Zudem sollte die schwache Nachfrage im Consumer-Bereich vielleicht nicht vollständig ignoriert werden.
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29.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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