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Äthiopien will Investitionen im Rohstoffsektor fördern

Investitionsförderung für Bergbau in Äthiopien

 

Äthiopien löst bei globalen Investoren bislang gemischte Gefühle aus. Zwar ist das historische Abessinien mit 112 Mio. Einwohnern als bevölkerungsreichster Binnenstaat der Welt potenziell ein interessantes Investitionsziel. Allerdings macht es die große Diskrepanz zwischen der Hauptstadt und afrikanischen Metropole Addis Abeba sowie dem vollkommen unterentwickelten Rest des Landes schwer für kalkulierbare Investitionen. Es mangelt an elementarer Infrastruktur, was die Kosten in die Höhe treibt.

Nun hat die äthiopische Regierung eine neue Initiative gestartet, um die Investitionen in seiner Breite und seinem Umfang zu erhöhen. Schwerpunkt ist der Rohstoffsektor. Dazu führten gestern Beryihun Temesgan als Vertreter der äthiopischen Minengesellschaften, Dr.  Samuel Urkato, Minister für Öl und Gas, sowie Geremew Negassa, Direktor für Planung im Ministerium für Minen, Petroleum und Erdgas, ein Webinar durch, bei dem die aktuellen Optionen für Investitionen in den äthiopischen Rohstoffsektor herausgestellt wurden.

 

Addis Abeba

Bildnachweis: © Deutsche Lufthansa AG

 

Dabei zeigte sich, dass Äthiopien über eine Vielzahl an natürlichen Ressourcen verfügt, die derzeit kaum abgebaut werden und das Land damit über enormes Wachstumspotenzial verfügt. Damit könnte die Exportwirtschaft gestärkt werden. Hinzu kommt, dass die Produktionskosten in Äthiopien relativ niedrig sind, betonte Geremew Negassa.

Diese Analyse fügt sich dabei in eine Vielzahl von Reformen der Regierung ein, deren Ziel es ist, verstärkt langfristige Investitionen anzuziehen und die Bedingungen für ihre erfolgreiche Umsetzung zu schaffen. Dadurch sollen die geplanten hohen Wachstumsraten der Volkswirtschaft erreicht werden.

Beryihun Temesgan und Samuel Urkato betonten in dem Webinar, dass Äthiopien beabsichtigt, die Barrieren für Investitionen zu verringern und damit neue Investitionen in alle Bereiche seiner Volkswirtschaft anregen will.

 

Äthiopiens ,,Homegrown Economic Reform Agenda''

 

Die Bergbauindustrie wird dabei als essenziell betrachtet, inklusives Wachstum auszulösen. Dazu wurde im vergangenen Jahr eine ,,Homegrown Economic Reform Agenda‘‘ beschlossen, in der das ,,transformative Potenzial” des Bergbausektors reflektiert wird.

Innerhalb des Wachstums- und Transformationsplans Äthiopiens ist eine Roadmap enthalten, die eine Realisierung des Wachstumspotenzials in Richtung des Status ,,Land mit mittlerem Einkommensniveau‘‘ bis 2025 sicherstellen soll. In der Roadmap sind eine Anzahl von Infrastrukturinvestitionen enthalten, von denen der Minensektor direkt profitiert.

Die ,,Homegrown Economic Reform Agenda‘‘ identifiziert 5 Kernsektoren für die Erreichung seiner ambitionierten Ziele, die ökonomische Produktivität zu steigern und Arbeitsplätze zu schaffen: Bergbau, Landwirtschaft, verarbeitende Produktion, Kreativwirtschaft und Tourismus.

Im Webinar vom 17.06.2020, welches von der ,,Australia-Africa Minerals and Energy Group‘‘ durchgeführt wurde, betonte Geremew Negassa, das zum Jahresbeginn 2020 116 Minenlizenzen vergeben wurden. Dies zeige das internationale Interesse an der Entwicklung des äthiopischen Bergbausektors.

Zu den attraktiven Rohstoffen im Land, deren Abbau weiter gefördert werden soll, gehört neben Potasche insbesondere Tantalum. Hierbei strebt die Regierung die Errichtung einer Raffinerie für Tantalum an.

Bei Potasche will das Land die jährliche Produktion auf mehr als 5,3 Mio. Tonnen jährlich steigern. Damit würde Äthiopien in naher Zukunft zu einem weltweit führenden Produzenten aufsteigen.

Des Weiteren will die Regierung den Abbau von Lagerstätten von Gold, Platin, Eisen, Nickel, Edelsteinen, Lithium, Graphit, Ölschiefer, Kohle und Glaszement fördern.

 

Fazit

 

Äthiopien hat einen entschiedenen Schritt zur Erhöhung seiner Attraktivität als Investitionsziel getan. Dies ist auch nötig, denn die Konkurrenz um Kapital gerade in den Schwellenländern dürfte aktuell durch die Corona-Pandemie eher stärker werden. Die junge und große Bevölkerung ist für die großen Wachstumspläne sowohl Input-Variable wie Erfolgsbedingung. Für das angestrebte inklusive Wachstum dürfte deshalb eine umfassende Bildungsinitiative genauso wichtig sein wie die notwendigen großen Investitionen in öffentliche (Transport) Infrastruktur.

 

18.06.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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