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Alzchem steht vor grossem Kapazitätsausbau

Wie ein Spezialchemiekonzern zum Profiteur der Aufrüstung wird

NTG24 - Alzchem steht vor grossem Kapazitätsausbau

 

Die Trostberger Alzchem Group verdoppelt ihre Nitroguanidin-Kapazitäten – finanziert von Rüstungskunden und interessierten Regierungen. In diesem Jahr werden die entscheidenden Weichen in Deutschland und den USA gestellt.

Nitroguanidin klingt unscheinbar, ist aber ein strategischer Engpass-Rohstoff. Der energetische Stoff dient als Hauptbestandteil der Treibladung für die 155-mm-Artilleriemunition grosser Reichweite, die in der Ukraine wie in den Beständen der NATO-Armeen derzeit in nie dagewesenem Tempo verbraucht wird. Alzchem (DE000A2YNT30) stellt nicht nur das Endprodukt her, sondern – vertikal integriert – auch sämtliche Vorstufen bis hin zum Guanidinnitrat an den deutschen Standorten. Diese geschlossene, europäische Lieferkette ist im Zuge der Bemühungen um eine nationale Munitionsversorgung zum eigentlichen Wettbewerbsvorteil geworden. Hinzu kommt die Vielseitigkeit der Produktfamilie: Guanidinnitrat dient zugleich als Treibmittel in den Gasgeneratoren von Airbags, was die Nachfragebasis verbreitert und die Auslastung der Anlagen absichert. Die Nachfrage aus dem Verteidigungssektor steigt entsprechend strukturell, getrieben von höheren Verteidigungsbudgets und dem politischen Willen, kritische Vorprodukte nicht länger aus Asien zu beziehen.

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Der Konzern reagiert mit der grössten Investition seiner Geschichte. Nachdem im Frühjahr 2024 zunächst 76 Mio. Euro in den Ausbau der Vorstufe geflossen waren, kündigte Alzchem im Oktober 2024 zusätzlich eine komplett neue Nitroguanidin-Anlage an, womit sich die Gesamtinvestitionssumme nahezu verdoppelt. Bemerkenswert ist vor allem die Finanzierungsstruktur: Mehrere Kunden aus dem Verteidigungssektor haben langfristige Lieferverträge unterzeichnet und leisten erhebliche Anzahlungen, hinzu kommt ein Förderbeitrag der Europäischen Union. Der Eigenanteil – und damit das Risiko – bleibt für Alzchem gering; das Vorhaben wird nach eigenen Angaben ohne zusätzliches Eigenkapital gestemmt. Wie verlässlich dieser Zahlungsstrom fliesst, zeigte sich bereits 2025, als erste Kundenanzahlungen den operativen Cashflow im ersten Quartal auf 49,5 Mio. Euro hochschnellen liessen. Die Baugenehmigungen liegen vor, die Arbeiten in Trostberg verlaufen im Zeit- und Kostenrahmen. Die Inbetriebnahme ist unverändert für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen. Ab 2027 sollen die neuen Kapazitäten einen über die Zeit steigenden Umsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich beisteuern.

 

Brückenkopf USA – die zweite Ausbaustufe

 

Parallel baut Alzchem ein zweites Standbein jenseits des Atlantiks auf. Mit dem US-Verteidigungsministerium besteht ein über zwei Jahre laufender Vorvertrag: Findet sich in diesem Zeitraum ein geeigneter Standort, hat das Pentagon bereits 150 Mio. US-Dollar für den Bau einer eigenen Nitroguanidin-Produktion bis Ende 2029 zugesagt. Nachdem 2025 schon mehrere Standorte besichtigt und bewertet wurden, soll die Standortentscheidung im Laufe des Jahres 2026 fallen. Damit würde Alzchem zum Lieferanten kritischer energetischer Materialien auf beiden Seiten des Atlantiks – ein seltener Fall eines deutschen Mittelständlers, der von den Beschaffungsbudgets gleich zweier Verteidigungsräume profitiert, ohne das Kapital dafür selbst aufbringen zu müssen.

 

Alzchem Group AG

 

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Das operative Fundament trägt diese Wachstumsfantasie. 2025 erzielte Alzchem mit 562,1 Mio. Euro Konzernumsatz ein weiteres Rekordjahr. Bereits in den ersten neun Monaten war das EBITDA überproportional um 12 % auf 86,2 Mio. Euro gewachsen, die Marge stieg auf 20,3 %, der Konzerngewinn kletterte um 20 % auf 46,8 Mio. Euro, und der Free Cashflow blieb trotz der hohen Investitionen mit gut 40 Mio. Euro klar positiv. Getragen wird das Wachstum vom margenstarken Segment Spezialchemie, das um rund 9 % auf 281,6 Mio. Euro zulegte und neben dem Verteidigungsgeschäft auch das boomende Kreatin-Geschäft umfasst. Für Anleger bleibt zu beachten, dass der eigentliche Ergebnisschub aus den Rüstungsinvestitionen erst ab 2027 einsetzt und die US-Expansion von der noch ausstehenden Standortentscheidung abhängt.

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02.06.2026 - Mikey Fritz

Unterschrift - Mikey Fritz

 

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