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Argentinien kann IWF-Kredit nicht zurückzahlen

Tauziehen zwischen Argentinien und dem IWF

 

Eigentlich sagt ein Blick auf die langfristige Entwicklung des argentinischen Pesos gegen den US-Dollar schon alles. Denn der Peso kennt seit über 20 Jahren nur eine Richtung, und zwar nach oben, womit ein US-Dollar also immer mehr Peso kostet.

Die realwirtschaftliche Basis dieser Entwicklung könnte trister nicht sein, denn sie beruht auf einer falschen Wirtschaftspolitik und einer Blockade zentraler argentinischer Vetoakteure. Die scheinbare Stabilität des Pesos gegen den Dollar in den 2000er Jahren ist einem Rohstoffboom geschuldet, der aus einem Faktorenmix gespeist wurde, in dessen Zentrum der Doppelstern eines extrem stark wachsenden neuen China und einer Extremphase sinkender Zinsen steht, in der die Zinsen auf den tiefsten Stand seit 5000 Jahren gefallen sind.

Vor diesem Hintergrund handelt es sich im Bezug auf die Wirtschaft Argentiniens um eine ,,Scheinblüte‘‘ von Stabilität, denn die Verbesserung der Terms of Trade haben ihre Basis nicht in höherer Arbeitsproduktivität oder positiven externen Effekten von Agglomerationszentren wie Buenos Aires es darstellt, sondern entpuppen sich im Rückspiegel der Wirtschaftsgeschichte eher als ,,Ressourcenfluch‘‘, in dem man die mögliche Finanzierbarkeit von nachhaltigem endogenen Wachstum ungenutzt verstreichen ließ.

Stattdessen dominierten Regulierung, Dirigismus und in der Folge ein anhaltender Vertrauensverlust in den Staat, der die Kapitalflucht aus dem Peso schubweise beschleunigt. Das Ergebnis ist in untenstehendem Chart abgebildet.

 

 

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Werbebanner Krypto TradingDie Finanzierung von Devisenmarktinterventionen durch die argentinische Notenbank mit Mitteln des IWF unter der Regierung Macri ist aus dieser Perspektive rausgeschmissenes Geld. Die derzeitige neoperonistische Regierung Fernandez mit seiner Vizepräsidentin Fernandez de Kirchner ist damit zum Insolvenzverwalter Argentiniens geworden, da nicht nur der 2018 vom IWF gewährte Kredit über aktuell 45 Mrd. US-Dollar nicht mehr zurückgezahlt werden kann, sondern auch die anderen Staatsschulden in harter Währung.

Die Verhandlungen über eine Modifizierung der Kreditbedingungen laufen derzeit unter Hochdruck.

Vizepräsidentin Fernandez de Kirchner, die mit ihrer Politik als Präsidentin von 2007 bis 2015 wesentlich zu der heutigen verfahrenen Wirtschaftslage beigetragen hat, sagte nach den ersten Gesprächen des argentinischen Wirtschaftsministers Guzman mit IWF-Chefin Georgieva, dass man nicht zahlen könne, da man kein Geld zum Bezahlen habe und dass die Kreditbedingungen inakzeptabel seien.

Parallel dazu geht die Regierung Fernández gegen den 2018 geschlossene Kreditvertrag über 44 Mrd. US-Dollar zwischen der Vorgängerregierung Macri und dem IWF vor. Präsident Fernandez sagte in der vergangenen Woche im argentinischen Parlament, dass die Kreditvergabe politisch motiviert gewesen sei, um dem damaligen Präsidenten Macri die Wiederwahl zu sichern.

 

Fazit

 

Sollte sich die harte Haltung der derzeitigen argentinischen Regierung nicht ändern oder der IWF nicht von seiner derzeitigen Position abweichen, dürften Argentinien neue Turbulenzen bevorstehen. Denn ohne Einigung mit dem IWF sind die Aussichten für eine aktive Nutzung des globalen Kapitalmarktes zur Finanzierung für das Land trübe. Der argentinische Peso könnte deshalb in diesem Falle vor einer neuen Welle der Kapitalflucht stehen. Sollte die Notenbank keine Devisenreserven aufwenden (können), um diese zu bremsen, wäre es mit der ,,geordneten Abwertung‘‘, in der die Halter von argentinischen Pesos in den vergangenen 12 Monaten in US-Dollar gerechnet 50 % ihres Vermögens verloren haben, ebenfalls vorbei.

 

26.03.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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