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BP verdient wieder kräftig – aber der Umbau entscheidet

Der Gewinnsprung im zweiten Quartal verschafft BP Luft: Hohe Energiepreise, starkes Trading und bessere Raffineriemargen treiben den Cashflow, während Meg O’Neill das Portfolio radikaler auf Rendite trimmt

NTG24 - BP verdient wieder kräftig – aber der Umbau entscheidet

 

Für BP kam der Ölpreisschub zur richtigen Zeit. Nach Jahren strategischer Richtungswechsel liefert der britische Energiekonzern plötzlich wieder Zahlen, die den Umbau aus eigener Kraft beschleunigen können. Doch gerade das starke zweite Quartal darf nicht darüber hinwegtäuschen, worum es für Anleger inzwischen wirklich geht: BP muss aus höheren Rohstoffgewinnen dauerhaft bessere Kapitalrenditen und eine robustere Bilanz machen.

BP (GB0007980591) erzielte im zweiten Quartal 2026 einen bereinigten Gewinn auf Replacement-Cost-Basis von 5,73 Mrd. US-Dollar. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 2,35 Mrd. US-Dollar gewesen, im ersten Quartal 2026 rund 3,20 Mrd. US-Dollar. Hohe Öl- und Gaspreise, deutlich stärkere Raffineriemargen und ein gutes Handelsgeschäft sorgten damit für ein Quartal, das operativ wesentlich komfortabler ausfiel als noch vor wenigen Monaten.

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Das Problem ist nur: Ein erheblicher Teil dieser Verbesserung kommt aus einem Umfeld, das BP nicht kontrollieren kann. Der Konzern profitierte von den Preissprüngen am Energiemarkt infolge der geopolitischen Spannungen rund um Iran. Für die Bewertung ist deshalb weniger entscheidend, wie hoch der Gewinn in diesem außergewöhnlichen Quartal ausfiel, sondern was BP mit dem zusätzlichen Cash macht.

 

Der wichtigste Wert steht in der Bilanz

 

Hier liefert BP tatsächlich Fortschritte. Der operative Cashflow erreichte im zweiten Quartal 10,86 Mrd. US-Dollar, obwohl darin ein Working-Capital-Aufbau von rund 1 Mrd. US-Dollar enthalten war. Gleichzeitig sank die Nettoverschuldung von 25,31 Mrd. US-Dollar Ende März auf 22,25 Mrd. US-Dollar Ende Juni.

Der vollständige Q2-Bericht von BP zeigt damit einen Punkt, der für die Aktie langfristig wichtiger sein könnte als der reine Gewinnsprung: Der Konzern besitzt wieder mehr finanzielle Bewegungsfreiheit. BP selbst betont zugleich, dass der Schuldenabbau noch nicht weit genug gegangen sei.

Das ist eine bemerkenswert andere Tonlage als in früheren Jahren. Die Priorität liegt nicht mehr darauf, möglichst viele neue Wachstumsfelder gleichzeitig aufzubauen. Bilanzstärke, Kapitaldisziplin und Rendite werden zum Filter für das gesamte Portfolio.

Unter der seit April amtierenden Vorstandschefin Meg O’Neill wird diese Linie noch deutlicher. BP verkauft die Raffinerie in Gelsenkirchen, trennt sich vom österreichischen Tankstellen- und Convenience-Geschäft und will auch das britische Nordseeportfolio sowie das US-Biogasgeschäft Archaea veräußern. Reuters beschreibt die Strategie entsprechend als Beschleunigung der Vereinfachung und Konzentration auf finanzielle Leistungsfähigkeit.

 

Ausgerechnet Archaea zeigt den Strategiewechsel

 

Besonders aufschlussreich ist der geplante Verkauf von Archaea Energy. BP hatte den US-Biogasanbieter erst 2022 übernommen, als erneuerbare Energien und sogenannte Transition Growth Engines noch einen wesentlich größeren Platz in der Konzernstrategie einnahmen.

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Dass nun auch dieses Geschäft zur Disposition steht, zeigt, wie weit sich BP von der alten Transformationslogik entfernt hat. Niedrigere CO2-Emissionen bleiben Teil der langfristigen Ausrichtung, doch Kapital wird deutlich härter nach Rendite und Cashflow priorisiert. Reuters verweist zudem darauf, dass BP inzwischen Abschreibungen von mehr als 4 Mrd. US-Dollar im Zusammenhang mit kohlenstoffärmeren Aktivitäten vorgenommen hat. Der Bericht zu den aktuellen BP-Zahlen unterstreicht damit, wie konsequent das Management alte Investitionsentscheidungen neu bewertet.

Für Aktionäre ist dieser Kurs zunächst plausibel. BP lag bei Rendite, Bilanzqualität und Börsenbewertung lange hinter mehreren großen Wettbewerbern. Weniger Kapitalbindung in schwächeren Geschäftsbereichen kann helfen, diese Lücke zu verkleinern. Gleichzeitig darf aus Portfoliovereinfachung kein bloßer Verkauf von Vermögenswerten werden. Entscheidend ist, was mit dem frei werdenden Kapital geschieht.

 

 

 

Die Aktie handelt inzwischen mehr Disziplin als Energiewende

 

Diese Veränderung ist an der Börse längst angekommen. Die Londoner BP-Aktie hat sich in den vergangenen Monaten deutlich erholt und lag zuletzt im Bereich von rund 5,50 Pfund. Damit wird ein Teil der operativen Verbesserung bereits bezahlt. Der Titel bleibt aber stärker von Rohstoffpreisen abhängig als die großen Transformationspläne vergangener Jahre zeitweise suggerierten.

Das zweite Quartal zeigt diese Hebelwirkung eindrucksvoll. Steigende Ölpreise, Raffineriemargen und ein starkes Trading können den Gewinn sehr schnell nach oben treiben. In einem schwächeren Preisumfeld funktioniert derselbe Mechanismus jedoch in die andere Richtung. Deshalb ist der Schuldenabbau so wichtig: Er macht BP weniger abhängig davon, dass jedes Quartal günstige Energiepreise liefert.

Auch beim Investitionsbudget wird die Disziplin sichtbar. BP erwartet für 2026 inzwischen Kapitalausgaben von 13,5 bis 14,0 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig soll das Verkaufsprogramm weitergehen. Das Ziel ist nicht möglichst schnelles Wachstum, sondern ein Konzern, der mit weniger Kapital verlässlich mehr freien Cashflow erwirtschaftet.

 

Der Gewinnsprung löst das BP-Problem noch nicht

 

Für Anleger ist BP dadurch interessanter geworden. 5,7 Mrd. US-Dollar bereinigter Quartalsgewinn, fast 10,9 Mrd. US-Dollar operativer Cashflow und ein Rückgang der Nettoverschuldung um gut 3 Mrd. US-Dollar innerhalb eines Quartals sind starke Argumente. Auch die Quartalsdividende wurde um 4 % auf 8,66 US-Cent je Aktie erhöht.

Doch die eigentliche Neubewertung hängt nicht an einem außergewöhnlich profitablen Ölquartal. Sie hängt daran, ob Meg O’Neill den Konzern dauerhaft einfacher, kapitalleichter und renditestärker machen kann. Verkauft BP schwächere Assets zu vernünftigen Preisen, reduziert die Verschuldung weiter und hält gleichzeitig das Upstream-Geschäft produktiv, gewinnt die Aktie strukturell an Qualität.

Damit ist BP derzeit weniger eine Wette auf eine neue Energievision als auf konsequente Unternehmensführung. Das starke zweite Quartal hat dafür Zeit und finanziellen Spielraum gekauft. Jetzt muss der Konzern zeigen, dass er beides besser nutzt als in den vergangenen Jahren.

 

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21.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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