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UBS wird zur politischen Machtfrage für die Schweiz

Starke Gewinne und Milliarden an Neugeldern treffen auf einen Kapitalstreit, der weit über klassische Bankenregulierung hinausgeht

NTG24 - UBS wird zur politischen Machtfrage für die Schweiz

 

UBS hat ein ungewöhnliches Problem: Das Geschäft läuft stark, doch über einen wesentlichen Teil des künftigen Wertpotenzials entscheidet inzwischen die Politik. Seit der Übernahme der Credit Suisse ist aus dem Schweizer Bankenriesen nicht nur ein noch größerer globaler Vermögensverwalter geworden. UBS ist zugleich zu einer strategischen Frage für die Schweiz geworden. Wie viel Risiko darf ein einzelner Konzern für den Finanzplatz tragen – und wie weit darf Bern bei der Absicherung gehen, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Bank zu beschädigen?

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UBS Group (CH0244767585) steht damit in einem Konflikt, der sich kaum noch mit normalen Bankenkennzahlen erfassen lässt. Die Schweiz will nach dem Untergang der Credit Suisse verhindern, dass ein global vernetzter Bankkonzern erneut den Staat vor eine Notentscheidung stellt. UBS wiederum konkurriert bei Vermögensverwaltung und Investmentbanking mit US-Häusern, die unter anderen regulatorischen Bedingungen arbeiten.

Dieser Gegensatz ist im August besonders sichtbar geworden. Ein zuständiger Ausschuss des Schweizer Ständerats konnte sich am 11. August noch nicht auf einen gemeinsamen Kurs bei den neuen Kapitalregeln einigen. Die Beratung soll Ende August fortgesetzt werden. Damit bleibt für Anleger offen, wie teuer die politische Absicherung des Schweizer Finanzplatzes für UBS tatsächlich wird.

 

20 Milliarden Dollar machen Regulierung zur Standortpolitik

 

Im Zentrum steht die Forderung, Beteiligungen des Schweizer Stammhauses an ausländischen Tochtergesellschaften künftig vollständig mit hartem Kernkapital zu unterlegen. Nach Berechnungen der Schweizer Behörden würde das Gesamtpaket auf Basis der Strukturen Ende 2025 die CET1-Anforderungen um rund 20 Mrd. US-Dollar erhöhen. Der Bundesrat begründet den Umbau der Too-big-to-fail-Regeln mit der Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems und den Lehren aus der Credit-Suisse-Krise.

Für UBS geht es dagegen um mehr als eine höhere Sicherheitsreserve. Zusätzlich gebundenes Eigenkapital kann die Rendite auf das eingesetzte Kapital drücken, Übernahmen erschweren und den Spielraum für Aktienrückkäufe reduzieren. Genau deshalb ist aus Bankenaufsicht Standortpolitik geworden. Die Frage lautet nicht nur, wie sicher UBS sein soll, sondern unter welchen Bedingungen eine Schweizer Großbank gegen Morgan Stanley, Goldman Sachs oder andere internationale Häuser antreten kann.

Die politische Uneinigkeit zeigt, wie schwierig die Balance geworden ist. Teile des Parlaments diskutieren weniger harte Varianten, während die Schweizerische Nationalbank auf eine robuste Kapitalisierung drängt. Für die Börse ist deshalb schon der Regulierungsweg selbst relevant. Je größer der Kompromiss, desto mehr Kapital könnte UBS für Wachstum und Ausschüttungen behalten. Je näher die Politik am ursprünglichen Modell bleibt, desto stärker wird Kapital zum strategischen Engpass.

 

Ausgerechnet Amerika wird wichtiger

 

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Werbebanner EMH PM TradeDie geopolitische Dimension wird noch deutlicher, wenn man auf die USA blickt. CEO Sergio Ermotti hat bereits klargemacht, dass UBS ihr amerikanisches Geschäft verbreitern will. Eine nationale US-Banklizenz eröffnet dafür zusätzlichen Spielraum. Das ist strategisch plausibel: Nordamerika beherbergt einen enormen privaten Vermögenspool und ist für eine globale Wealth-Management-Bank zu bedeutend, um dort defensiv zu agieren.

Doch genau hier entsteht das Paradox. Je stärker UBS außerhalb der Schweiz wächst, desto größer können jene ausländischen Beteiligungen werden, die Bern mit zusätzlichem hartem Kapital absichern will. Die internationale Expansion und die Schweizer Sicherheitsarchitektur laufen damit potenziell gegeneinander.

Für einen kleinen Staat ist diese Konstellation außergewöhnlich. Nach dem Verschwinden der Credit Suisse besitzt die Schweiz nur noch einen globalen Bankenriesen dieser Größenordnung. Sie kann UBS nicht behandeln wie irgendeinen Konzern. Gleichzeitig kann sie die Bank kaum dauerhaft so stark einengen, dass Wachstum und Talente in Richtung New York oder London abwandern. Genau diese Abhängigkeit macht UBS inzwischen auch geopolitisch interessant.

 

 

 

Operativ könnte der Zeitpunkt für den Streit kaum paradoxer sein

 

UBS verhandelt über ihre künftige Kapitalstruktur aus einer Position operativer Stärke. Im zweiten Quartal 2026 erreichte der Reingewinn 2,8 Mrd. US-Dollar, der Vorsteuergewinn lag bei 3,6 Mrd. US-Dollar. Global Wealth Management sammelte netto 36 Mrd. US-Dollar an neuen Vermögenswerten ein. Im ersten Halbjahr waren es bereits 73 Mrd. US-Dollar.

Die jüngsten UBS-Ergebnisse zeigen damit ein Institut, das aus der Credit-Suisse-Integration zunehmend operative Stärke zieht. Gleichzeitig kündigte UBS weitere Aktienrückkäufe an. Gerade deren Umfang bleibt jedoch ausdrücklich von mehr Klarheit über die Schweizer Kapitalregeln abhängig.

Damit ist der regulatorische Streit direkt im Aktionärswert angekommen. Ein Teil der künftigen Kapitalrückführung hängt nicht davon ab, ob UBS genügend verdient, sondern davon, wie viel dieses Gewinns die Politik im Konzern gebunden sehen will.

 

Globale Unsicherheit ist für UBS Risiko und Geschäftsmodell zugleich

 

Geopolitische Fragmentierung muss für UBS nicht ausschließlich negativ sein. Vermögende Kunden diversifizieren ihre Anlagen stärker über Regionen, Währungen und Anlageklassen hinweg. Für einen global aufgestellten Vermögensverwalter kann eine solche Neuordnung internationaler Kapitalströme zusätzliche Beratung und Umschichtungen erzeugen.

Damit unterscheidet sich UBS von vielen klassischen Banken. Politische Unsicherheit kann Handelsaktivität und Beratungsbedarf erhöhen, während die globale Kundenbasis Kapital zwischen den USA, Europa, der Schweiz und Asien verschiebt. Gleichzeitig machen genau diese internationalen Strukturen die Bank regulatorisch komplexer.

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Die Aktie handelt deshalb derzeit zwei gegensätzliche Kräfte. Auf der einen Seite stehen starke Gewinne, hohe Vermögenszuflüsse und die Chance, UBS nach der Credit-Suisse-Integration endgültig als führenden globalen Wealth Manager zu positionieren. Auf der anderen Seite steht ein Heimatstaat, der nach der Bankenkrise von 2023 möglichst wenig Restrisiko akzeptieren will.

Für Anleger dürfte in den kommenden Wochen deshalb nicht New York, sondern Bern entscheidender sein. UBS kann operativ weiter überzeugen – doch wie viel dieser Stärke am Ende bei den Aktionären ankommt, wird zunehmend zu einer politischen Entscheidung.

 

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21.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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