Die Bajaj Mobility-Tochter KTM uss sich mit Vorwürfen herumschlagen, bei Geländemotorrädern zu tricksen und Kunden zu Umrüstungen regelrecht zu animieren
Bajaj Mobility und KTM weisen die Angelegenheit klar zurück
Gerade erst schien es, als würde sich KTM nach der Insolvenz aus dem vergangenen Jahr wieder einigermaßen auf dem Weg der Erholung befinden. Die Lagerbestände konnten allem Anschein nach wieder abgebaut werden und auch die Produktion ist wohl wieder erfolgreich angelaufen. Das brachte auch der Aktie des Mutterkonzerns Bajaj Mobility (ehemals Pierer Mobility) zeitweise eine sichtliche Erholung ein.
Doch nun muss sich Bajaj Mobility (AT0000KTMI02) schon mit dem nächsten potenziellen Skandal herumschlagen. Intensive Recherchen von „Le Monde“, „El País“, „Der Spiegel“ und anderen Medien zeigen, dass Händler Gelände-Maschinen der Marke Enduro wohl in gedrosselter Form auf den Markt bringen, bei denen die Drossel aber wohl häufig und gerne von Werkstätten wieder entfernt wird. Die „FAZ“ fasste das Ganze in einem Artikel zusammen.
Formell sollen die fraglichen KTM-Motorräder schon straßenzulassungsfähig sein. Faktisch entsprächen sie aber nicht dem beabsichtigten Einsatz, so die Vorwürfe. Dadurch bedingt erfolge häufig ein Umbau, mit dem dann Vorgaben bei Abgasen und Geräuschpegel deutlich übertroffen werden. Peter Mock vom Umweltverband ICCT vergleich die CO2-Emissionen in solchen Fällen mit jenen einer alten Diesellok. Ein vom „ORF“ zitierter Verkäufer sprach davon, dass die gedrosselte Version der fraglichen Motorräder praktisch nicht sinnvoll zu fahren.
Bajaj Mobility weist jede Verantwortung von sich
Im ersten Moment scheint es, als würde Bajaj Mobility selbst sich an jegliche Vorgaben halten. Die Tochter KTM widerspricht entschieden der Darstellung, illegale Motorräder in Verkehr zu bringen. Ausgeliefert würden ausschließlich Maschinen, welche den Gesetzen und Vorgaben entsprechen würden. Enduro-Modelle seien dabei primär Sportgeräte, die in einem straßenzulassungsfähigen Zustand ausgeliefert werden. Umbauten für Wettbewerbs- und Geländeeinsatz seien auf Wunsch des Kunden möglich.
Käufer würden dann auch darauf hingewiesen, dass in solchen Fällen die Straßenzulassung erlischt, so zumindest KTM. Dabei handele es sich auch nicht um eine herstellerspezifische Praxis. Die Medienrecherchen lassen aber zumindest vermuten, dass das Ganze bei Enduro-Motorrädern besonders beliebt ist und Händler die Kunden längst nicht immer über den Wegfall der Straßenzulassung aufklären. Strafen könnten im Zweifel sowohl für Händler als auch Fahrer drohen.
In Deutschland hat nun das Kraftfahrt-Bundesamt Ermittlungen in die Wege geleitet. Nachgegangen werden soll, ob beteiligte Wirtschafsakteure sich durch illegale Nutzungsvorteile Wettbewerbsvorteile verschaffen könnten. Nachziehen könnte dies im für Bajaj ungünstigsten Fall Strafzahlungen bis hin zu Verkaufsverboten und Rückrufen. Ein Urteil ist aber freilich noch lange nicht gefällt und im Zweifel ist bekanntlich für den Angeklagten zu entscheiden. Vorwürfen einer illegalen Manipulation tritt KTM mit allem Nachdruck entgegen.
Verunsicherung an der Börse
Auch wenn es sich zunächst nur um Vorwürfe handelt, die nicht zwingend auch bestätigt werden müssen, so reagierten die Anleger doch sichtlich verunsichert auf die Angelegenheit. Am vergangenen Mittwoch rutschte die Bajaj Mobility-Aktie zeitweise um mehr als sieben Prozent in die Tiefe, ehe sie sich bis zum Wochenende wieder etwas erholen konnte. Am Montagmorgen ging es mit grünen Vorzeichen in die neue Woche und der Kurs schwang sich auf noch recht ansehnliche 19,96 Euro. Der generelle Aufwärtstrend scheint zu halten.
Zu tun bekommen Anleger es nun allerdings mit gewissen Unwägbarkeiten, die sich kaum einfach ignorieren lassen. Ohne an dieser Stelle selbst ein Urteil fällen zu wollen, scheint ein Verbleib auf der Seitenlinie recht einladend zu wirken. Schließlich ist bisher auch noch unklar, wie nachhaltig die Erholung an sich sein mag. Eine bislang erfolgreiche Sanierung brachte KTM zwar grundsätzlich wieder auf Kurs. In Zeiten von mauer Konsumlaune und einer wieder höheren Inflation bleibt allerdings fraglich, wie die Dinge sich auf der Nachfrageseite entwickeln mögen. Auch unabhängig von den aktuellen Vorwürfen ist die Bajaj Mobility-Aktie daher alles andere als eine sichere Bank.
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01.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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