als .pdf Datei herunterladen

Bitcoin, Bargeld und die Freiheit

Bargeld als Freiheit – und was ist mit Bitcoin?

 

Am 09.03.2021 veröffentlichte die Deutsche Bundesbank auf ihrer Webseite ein Zeitungsinterview eines ihrer Vorstandsmitglieder. Darin legt Burkhard Balz, im Bundesbankvorstand zuständig für die Bereiche ,,Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme, Ökonomische Bildung, Hochschule und Internationalen Zentralbankdialog‘‘, dar, weshalb die Notenbank Deutschlands Kryptowährungen nicht als Ersatz für das Bargeld sieht.

Auf die Frage, ob Bitcoin eine Währung sei, führte Balz aus, dass es sich hierbei um ,,hochspekulative Krypto-Assets‘‘ handele, die konstitutiven Geldfunktionen Bitcoin aber ,,nicht einmal ansatzweise‘‘ erfülle.

Auf die Nachfrage, ob diese Geldfunktionen nicht veraltet sind, erläuterte Balz, dass es im Kern darum gehe, ,,dass die Menschen einer Währung vertrauen können.‘‘

Interessant ist hierbei die Betonung des Zusammenhangs zwischen Vertrauen in die Währung mit stabilen Preisen. Man stelle sich einmal einen Bitcoin-Preis von 500.000 Euro je Bitcoin vor und vor diesem Hintergrund die eigene Disposition in Bezug auf die Preisentwicklung. Selbst wenn man Bitcoin als Währung ansehen würde, so hielte man Bitcoin vor dieser Preisprognose eher als Investment denn als Währung. Dass die Bundesbank betont, dass es sich bei Kryptowährungen wie Bitcoin mit Verweis auf seine extreme Volatilität eben nicht um eine Währung handelt, zeigt auch, dass die Motivlage bei einer optimalen Währung eben gerade nicht der Motivlage derjenigen entspricht, die aktuell den Bitcoin-Preis in die Höhe treiben. Denn die aktuellen Bitcoin-Käufer kaufen ganz überwiegend nicht mit der Erwartung, dass Bitcoin ,,wertstabil‘‘ bleibt, sondern es nach wertvoller wird.

In diese Argumentation fügt sich auch die Antwort des Bundesbank-Vorstandes auf die Frage ein, inwieweit Bitcoin ein Goldersatz bzw. ,,digitales Gold‘‘ sei. Schließlich sei die Bitcoin-Menge ebenso wie jene von Gold begrenzt. Balz argumentiert, dass Gold seinen ,,inneren Wert‘‘ seit Jahrhunderten nachgewiesen hat, und Gold deshalb seine hohe Liquidität und Sicherheit ableite. Dies sei aber bei Bitcoin ganz offensichtlich nicht der Fall.

Anzeige:

Werbebanner Krypto TradingDies ist jedoch nicht nur ein theoretisches Argument, denn die Deutsche Bundesbank besitzt die zweitgrößten Goldreserven der Welt und muss sich damit auch die Frage stellen, inwieweit die eigenen Reserven optimal verwaltet werden. Zu den zumindest theoretischen Alternativen gehören auch Kryptowährungen. Balz bezweifelt allerdings, dass die Zentralbank dies jemals tun werde, und zwar mit dem Hinweis auf Liquidität und Sicherheit. Dies bedeutet aber implizit auch eine Prognose über die zukünftige Sicherheit und Liquidität von Bitcoin, die sich auch aus dem Szenario ergibt, dass der Werterhalt und die Liquidität an die Verfügbarkeit von elektrischer Energie gekoppelt ist.

Der Bogen wird nach der Thematisierung digitalen Zentralbankgeldes wieder zum Bargeld geschlagen und damit zur Frage, ob Bargeld ,,ausstirbt‘‘. Balz verweist auf die beiden Motive der Bargeldhaltung, bei der Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel an

Bedeutung in der Corona-Krise gewonnen hat, während seine Bedeutung als Zahlungsmittel durch den steigenden Kartengebrauch zurückging.

Aber auch hier muss sich erst noch zeigen, wie dauerhaft diese höhere Präferenz vor dem Hintergrund datenschutzrechtlicher und freiheitsrechtlicher Risiken ist. Dass Balz auf die Forderung der Erhaltung des Datenschutzes hinweist, ist dabei mehr als eine Fußnote wert. Er betont, dass Bargeld immer ein Stück Freiheit sei.

 

Fazit

 

Dieses Interview zeigt, dass man sich in der Führung der Deutschen Bundesbank der Chancen und Risiken von Kryptowährungen bewusst ist, und gleichzeitig vor dem Hintergrund der eigenen Geldgeschichte Deutschlands auch das Verantwortungsbewusstsein dafür hat, das hart erarbeitete Vertrauen der Bürger in die Geldwertstabilität der Deutschen Mark, die sich im Euro spiegelt, zu bewahren.

 

15.03.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



Bewertungen, Kommentare und Fragen an den Redakteur

 

 

Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)