Brasilianische Staatsanwälte wollen ein Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat erwirken, was für Hersteller Bayer unschöne Konsequenzen hätte
Bayer scheint das leidige Thema Glyphosat nicht loszuwerden
In den USA hofft Bayer noch immer darauf, dass der Supreme Court im Juni mit einem Grundsatzurteil den etlichen Klagen rund um das Thema Glyphosat die Grundlage entziehen wird. Allerdings scheinen die Richter sich bislang noch nicht ganz einig zu sein. Ausgemachte Sache ist es daher nicht, dass der Pharma- und Agrarriese sich den milliardenschweren Risiken entledigen können wird. Nun droht aus Brasilien neues Ungemach.
Dort klagen laut einem Artikel des „Handelsblatt“ Staatsanwälte gegen die Regierung in Rio de Janeiro sowie die Gesundheitsbehörde Anvisa. Bayer (DE000BAY0017) ist also technisch gesehen nicht im Visier der Kläger. Doch treffen könnte es das Unternehmen dennoch. Denn gefordert wird nicht weniger als ein Verbot von Glyphosat in Brasilien. Da es sich bei dem Land um die größte Volkswirtschaft Südamerikas handelt, würden Bayer vermutlich Milliarden entgehen, sollte die Klage Erfolg haben.
Nicht auszuschließen wäre zudem, dass ein solches Verbot auch auf umliegende Staaten Auswirkungen hätte. Es geht also um viel für Bayer. Die Kläger hingegen berufen sich auf gesundheitliche Risiken sowie den Arbeitsschutz. Sowohl Produktion als auch Export, Import, Verkauf und Verwendung sollen nach dem Willen der Staatsanwälte untersagt werden. Auch solle die Zulassung für glyphosathaltige Produkte widerrufen werden. Halbe Sachen werden also nicht gemacht und mit allem unter einem totalen Verbot wollen die klagenden Staatsanwälte sich offenbar nicht abspeisen lassen.
Bayer hält sich bedeckt
Bereits im Jahre 2018 gab es eine ähnliche Klage, welche aber wenig später schon kassiert wurde. Den neuen Vorstoß begründen die Initiatoren damit, dass eine Studie zurückgezogen wurde, welche jahrzehntelang als Beleg für die Unbedenklichkeit von Glyphosat zitiert wurde. Dies wiederum begründete das Fachmagazin „Regulatory Toxicology and Phamracology“ mit möglichen Interessenkonflikten der Autoren. Die klagenden Staatsanwälte verwiesen zusätzlich auf Studien, welche Rückstände von Glyphosat im Trinkwasser nachweisen konnten.
Es sei nun eine Frage der öffentlichen Gesundheit und die zuständigen Behörden müssten Maßnahmen ergreifen, um Risiken neu zu bewerten, sobald Warnungen von internationalen Gesundheitsorganisationen ausgesprochen wurden. Bayer scheint sich zu alledem eher bedeckt zu halten; ein Kommentar zur Klage liegt nicht vor. Bei Klagen gegen den Hersteller selbst argumentierte man stets damit, dass das Pflanzenschutzmittel unbedenklich sei und berief sich sowohl auf entsprechende Studien als auch Zulassungen in der EU und in den USA. Es darf davon ausgegangen werden, dass man die Angelegenheit in Leverkusen anders einschätzt als die Kläger.
Genau beziffern lässt sich nicht, welche Risiken auf Bayer in Brasilien lauern könnten. Doch die Bedeutung von Glyphosat für den Konzern ist bestens dokumentiert und auch die hohen Schadenersatzforderungen haben sich bereits herumgesprochen. Vorgeworfen wird dem Unternehmen bzw. der übernommenen Tochter Monsanto, vor Risiken wie dem Non-Hodgkin-Lymphom nicht ausreichend gewarnt zu haben. Per Ende 2025 beliefen sich Rückstellungen und Verbindlichkeiten auf 11,3 Milliarden US-Dollar.
In der Warteschleife
An der Börse hinterließ der Vorstoß in Brasilien keinen allzu großen Eindruck. Gerechnet wird von einigen Beobachtern damit, dass die Klage letztlich erfolgslos bleiben wird. Die Blicke richten sich weiterhin vor allem auf die USA, wo es zuletzt keine Neuigkeiten zu berichten gab. So sich am bisherigen Zeitplan nichts ändert, dürfte das Urteil des Supreme Court im Juni die Richtung vorgeben.
Urteilen die Richter im Sinne von Bayer, so könnte viel Unsicherheit von der Aktie genommen werden, was dem Kurs freilich Rückenwind verleihen würde. Bleibt ein solcher Erfolg jedoch aus, könnten manche Vorschusslorbeeren wieder ausgepreist werden. Investments in die Aktie von Bayer sind daher vor allem eine Wette. Andere Faktoren spielen zwar auch eine Rolle beim Kurs, sie treten jedoch eher in den Hintergrund, sobald es Neuigkeiten um Glyphosat gibt.
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26.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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