Bayer liefert bessere Zahlen, doch die Aktie kommt nicht richtig los
Ein starkes Agrargeschäft stützt den Konzern, während Roundup, hohe Schulden und Patentabläufe weiter auf der Stimmung lasten
Bei Bayer prallen derzeit zwei sehr unterschiedliche Geschichten aufeinander. Operativ konnte der Konzern zum Jahresauftakt durchaus überzeugen und vor allem im Agrargeschäft deutlich besser abschneiden als befürchtet. An der Börse reicht das aber weiterhin nicht für echte Euphorie. Zu schwer wiegen die Altlasten aus der Monsanto-Übernahme, die hohe Verschuldung und der Druck im Pharmageschäft.
Bayer (DE000BAY0017) bewegte sich am Freitag im Xetra-Handel im Bereich von rund 38 Euro und zeigte sich damit vergleichsweise stabil. Von einer großen Befreiungsrallye kann aber keine Rede sein. Die Aktie hat sich zwar deutlich von ihren Tiefs entfernt, bleibt aber weit entfernt von früheren Glanzzeiten. Anleger honorieren die besseren Quartalszahlen, halten sich wegen der ungelösten Rechtsrisiken aber weiterhin sichtbar zurück.
Dabei konnte Bayer für das erste Quartal durchaus starke Argumente liefern. Der Konzernumsatz stieg laut Unternehmensangaben währungs- und portfoliobereinigt um 4,1 Prozent auf 13,405 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um 9,0 Prozent auf 4,453 Milliarden Euro zu. Der Nettogewinn verbesserte sich auf 2,763 Milliarden Euro, und das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte um 12,9 Prozent auf 2,71 Euro.
Crop Science liefert die positive Überraschung
Der wichtigste Lichtblick kam ausgerechnet aus dem Agrargeschäft. Crop Science steigerte den Umsatz währungs- und portfoliobereinigt um 6,8 Prozent auf 7,558 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelte sich das Geschäft mit Sojabohnensaatgut und Eigenschaften. Hier half die zuvor erzielte Lösung eines Lizenzstreits in Nordamerika, die nach Unternehmensangaben 448 Millionen Euro zum Umsatz beitrug. Das EBITDA vor Sondereinflüssen der Sparte stieg um 17,9 Prozent auf 3,014 Milliarden Euro.
Damit bekam Bayer genau dort Rückenwind, wo viele Anleger zuletzt eher skeptisch waren. Die Agrarsparte bleibt für den Konzern enorm wichtig, weil sie einen großen Teil der Ergebniskraft liefert. Gleichzeitig zeigt der Blick in die Details aber, dass nicht alles rund läuft. Im Herbizidgeschäft gingen die Erlöse währungs- und portfoliobereinigt um 10,2 Prozent zurück, bei glyphosatbasierten Produkten sogar um 15,1 Prozent.
Genau darin liegt die Doppelbödigkeit der Bayer-Geschichte. Das Agrargeschäft kann kurzfristig überraschen, bleibt aber gleichzeitig eng mit den juristischen und reputativen Altlasten rund um Glyphosat verbunden. Jeder operative Fortschritt wird deshalb von Anlegern sofort gegen die Frage abgewogen, wie teuer die endgültige Bereinigung der Roundup-Verfahren am Ende wird.
Roundup bleibt der große Schatten
Die Rechtsrisiken sind weiterhin der zentrale Bewertungsabschlag bei Bayer. Reuters berichtete zuletzt über den vorgeschlagenen Vergleich im Volumen von 7,25 Milliarden US-Dollar, mit dem ein großer Teil der aktuellen und künftigen Roundup-Klagen beigelegt werden soll. Gleichzeitig beantragten die beteiligten Klägerkanzleien Anwaltsgebühren von 675 Millionen US-Dollar. Eine endgültige gerichtliche Entscheidung steht noch aus.
Nach Reuters-Angaben sieht sich Bayer weiterhin rund 65.000 Ansprüchen im Zusammenhang mit Roundup gegenüber. Bayer bestreitet weiterhin, dass der Wirkstoff Glyphosat Krebs verursacht, und verweist auf wissenschaftliche Bewertungen und Zulassungsbehörden. Für die Börse ist aber weniger die wissenschaftliche Debatte entscheidend, sondern die Frage, ob und wann der Konzern zu finanzieller Planbarkeit zurückfindet.
Der freie Cashflow zeigt die Belastung
Wie stark die Altlasten bereits heute wirken, zeigt der Free Cashflow. Im ersten Quartal lag dieser bei minus 2,320 Milliarden Euro. Bayer führte das vor allem auf Zahlungen zur Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zurück, insbesondere im Zusammenhang mit PCB- und Glyphosat-Verfahren. Insgesamt ergab sich daraus ein Nettoabfluss von 2,002 Milliarden Euro.
Auch die Verschuldung bleibt ein Thema. Die Nettoverschuldung lag Ende März bei 32,518 Milliarden Euro und damit 9,0 Prozent höher als zum Jahresende 2025. Gegenüber dem Vorjahresstichtag ging sie zwar um 5,1 Prozent zurück. Dennoch bleibt die Bilanz eine Baustelle. Bayer muss operative Fortschritte erzielen, Rechtszahlungen stemmen und gleichzeitig in neue Wachstumsträger investieren.
Pharma verliert alte Stützen
Im Pharmageschäft ist die Lage ebenfalls gemischt. Die Sparte erzielte im ersten Quartal 4,249 Milliarden Euro Umsatz und lag währungs- und portfoliobereinigt nahezu auf Vorjahresniveau. Positiv entwickelten sich vor allem Nubeqa und Kerendia. Nubeqa legte um 57,1 Prozent zu, Kerendia sogar um 84,2 Prozent. Das zeigt, dass Bayer durchaus neue Wachstumsträger im Portfolio hat.
Gleichzeitig brechen aber alte Ertragssäulen weg. Xarelto verlor wegen Patentabläufen währungs- und portfoliobereinigt 40,4 Prozent, Eylea gab durch Generika-Wettbewerb um 20,5 Prozent nach. Das EBITDA vor Sondereinflüssen der Pharmasparte sank um 7,5 Prozent auf 1,242 Milliarden Euro. Für Bayer bedeutet das: Die neuen Produkte wachsen stark, müssen aber erst einmal groß genug werden, um die Verluste bei den alten Blockbustern wirklich auszugleichen.
Der Ausblick bleibt stehen
Immerhin bestätigte Bayer die währungsbereinigte Jahresprognose. Auf Basis der Wechselkurse vom 31. März erwartet der Konzern inzwischen einen Umsatz von 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen soll bei 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro liegen, das bereinigte Ergebnis je Aktie bei 4,10 bis 4,60 Euro. Die Anpassungen gegenüber der vorherigen Spanne gehen nach Unternehmensangaben allein auf Währungseffekte zurück.
Das ist solide, aber eben kein Befreiungsschlag. Bayer liefert operativ besser als befürchtet, ohne die großen strategischen Fragen bereits gelöst zu haben. Die Aufspaltungsfantasie ist unter CEO Bill Anderson vorerst in den Hintergrund getreten. Stattdessen setzt der Konzern auf operative Verbesserung, schlankere Strukturen und den schrittweisen Abbau der Altlasten.
Ein Titel für Geduldige
Für Anleger bleibt Bayer damit eine widersprüchliche Aktie. Auf der einen Seite stehen bessere Quartalszahlen, ein starkes Agrargeschäft, wachsende neue Medikamente und eine weiterhin bestätigte Prognose. Auf der anderen Seite stehen hohe Schulden, negativer Free Cashflow, Patentabläufe und ein Rechtskomplex, der den Konzern seit Jahren belastet.
Wer bereits investiert ist, kann die operative Stabilisierung weiter beobachten. Die Aktie wirkt nicht mehr so hoffnungslos wie in ihren schwächsten Phasen, doch der große Befreiungsschlag steht weiterhin aus. Für Neueinsteiger drängt sich ein aggressiver Einstieg nicht zwingend auf. Bayer bietet Turnaround-Fantasie, aber die Aktie bleibt eng an die Frage geknüpft, ob Roundup endlich zu einem kalkulierbaren Problem wird.
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13.05.2026 - Clara Meier-Walker

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