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Bijou Brigitte gerät immer tiefer in die Krise

Bijou Brigitte muss im Online-Handel Gas geben

 

Die Aktie des Modeschmuckhändlers Bijou Brigitte modische Accessoires AG (ISIN: DE000522950; WKN: 522950) befindet sich schon seit dem Jahr 2006 in einem Abwärtstrend. So kämpft das Unternehmen, das in Europa ein Filialnetz mit rund 1.040 Standorten betreibt, schon längere Zeit gegen die immer stärker werdende Konkurrenz aus dem Internet. Zwar blieben viele Kundinnen dem Hamburger Unternehmen aufgrund des gut sortierten Angebots von rund 10.000 Artikeln einigermaßen treu, so dass sich die Umsätze in den Jahren zwischen 2014 und 2019 auf einem Niveau von rund 330 Millionen Euro stabilisieren konnten. Allerdings entdecken mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie nun immer mehr Klienten die Möglichkeiten, die das Online-Shopping auch in dieser Nische bietet.

Entsprechend mussten heute die Hanseaten einen neuen Ausblick für das Geschäftsjahr 2020 veröffentlichen. Demnach rechnet das Management dieses Jahr nur noch mit einem Umsatz von 200 Mio. Euro bis 210 Mio. Euro. Zudem wird ein Vorsteuerverlust erwartet, der mit 30 Mio. Euro bis 40 Mio. Euro schon ein dramatisches Ausmaß annimmt. Damit würde sich das negative Vorsteuerergebnis von 30 Mio. Euro im ersten Halbjahr trotz des eigentlich gewinnträchtigen Vorweihnachtsgeschäfts wahrscheinlich noch einmal etwas ausweiten.

 

Bilanzielle Lage noch in Ordnung

 

Zum 30.06.2020 verfügte der Bijou-Brigitte-Konzern immerhin noch über ein Eigenkapital von 202,6 Mio. Euro bei einem gleichzeitigen Kassenbestand von 99,2 Mio. Euro. Dennoch sollte es den Aktionären größere Sorgen bereiten, dass sich die liquiden Mittel innerhalb eines halben Jahres um über 45 Mio. Euro reduzierten.

Nach dem Ende der Corona-Pandemie ist kurzfristig eine Erholung des operativen Geschäfts mit einem verringerten Zahlungsmittelabfluss das wahrscheinlichste Szenario. Dennoch ist das Unternehmen trotz eines eigenen Online-Shops zu schwach bei digitalen Vertriebskanälen aufgestellt. Zudem ist das Filialnetz, das sich zu knapp 60 % außerhalb von Deutschland befindet, geografisch sehr weit verteilt und umfasst neben zahlreichen europäischen Staaten unter anderem Länder wie Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien. Grundsätzlich ist aber im Einzelhandel ein Filialnetz in einem Land nur dann attraktiv, wenn es eine Mindestzahl an Geschäften umfasst, was zu der notwendigen Markenbekanntheit bei den Verbrauchern führt.

 

 

Ausblick für die Aktie sehr trübe

 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeAufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hat der Anteilschein von Bijou Brigitte in diesem Jahr prozentual besonders stark an Wert verloren und somit den seit gut 14 Jahren anhalten Abwärtstrend bei der Kursentwicklung beschleunigt. Damit ist der Titel in der Summe gegenüber dem Höchstkurs um rund 90 % gefallen.

Optisch gesehen ist die Aktie mit einem Börsenwert von 180 Mio. Euro auf den ersten Blick sehr günstig bewertet. Zusätzlich könnte sich das Geschäft nach dem Corona-Ende kurzfristig wieder leicht erholen. Langfristig ist Bijou Brigitte aber im zukunftsträchtigen Online-Versandhandel zu schwach aufgestellt. Deshalb könnte auf Sicht von ein paar Jahren für Aktionäre hier zu einem Totalverlust, ähnlich wie beim ehemaligen Essener Arcandor-Konzern kommen, sofern das Management jetzt nicht schleunigst das Geschäftsmodell modernisiert.

Kurzfristig ist eine deutliche Gegenbewegung bei dem Papier möglich, was die Bijou Brigitte-Aktie nur für Zocker attraktiv macht. Langfristig ist aber kein Ende des Abwärtstrends bei dem Titel nachhaltig erkennbar.

 

27.11.2020 - Tim Rademacher - tr@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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