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BÖRSE TO GO - Lufthansa, Wirecard und Apple

Positiver Wochenauftakt

 

Die Börse wischt die Sorgen vor einer 2. Corona-Welle beiseite. Während des asiatischen Handels steigen der DAX-Future und die wichtigsten US-Futures ins Plus. Der DAX-Future liegt mehr als 0,2 % im Plus über 12.200 Punkten. Unter den US-Futures sticht insbesondere der Nasdaq-Future mit einem Gewinn von mehr als 0,5 % auf mehr als 9.970 Punkte hervor. Der Russell 2000 Future, der den amerikanischen Mittelstand abbildet, liegt sogar mehr als 0,70 % im Plus über 1.410 Punkten. 

China ist durch die Bank im grünen Bereich. Trotz des erneuten Corona-Ausbruchs in Peking steigt der China A50 Index heute im asiatischen Handel um zeitweise mehr als 1 % an. Der Hang Seng Index kann um 0,50 % ansteigen. Auch im restlichen Asien zeigen sich die Investoren bullish. Der japanische Nikkei 225 Index steigt um mehr als 0,7 % und der MSCI Singapore klettert um mehr als 1,5 %.

Der asiatische Handel vollzieht damit eine Kehrtwende zum Freitagsschluss in den USA. Freitagabend schlossen alle US-Benchmarks, bis auf die Nasdaq, im Minus. Der Dow Jones Industrial Average Index führte die Wall Street mit einem Minus von -0,80 % auf 25.871,46 Punkte nach unten. Der DAX hatte noch mit einem deutlichen Plus von 0,40 % bei 12.330,76 Punkten geschlossen.

 

Lufthansa-Gipfel in Berlin

 

Unruhe vor der außerordentlichen Hauptversammlung der Lufthansa. Am 25. Juni werden die Aktionäre über die Annahme des staatlichen Rettungspaketes entscheiden. Gleich vier Regierungen unterstützen die Lufthansa mit finanziellen Mitteln. Und die Lufthansa ist dringend auf Liquidität angewiesen, um den Flugbetrieb schnell wieder auf Touren zu bringen. Doch der Großaktionär Heinz Thiele grätschte vergangene Woche dazwischen. Mit seiner Beteiligung von mehr als 15 % an der Lufthansa kann Thiele auf der Hauptversammlung alle wichtigen Entscheidungen blockieren, da weniger als 38 % des Kapitals anwesend sein wird. 

Bundesfinanzminister Scholz lud Heinz Thiele und Carsten Spohr nach Berlin ein. Auf dem Gipfel soll heute früh geklärt werden, wie die Interessen aller Beteiligten zusammengeführt werden können. Scholz und Spohr sind sich einig, aber Thiele fordert, dass die Bundesregierung ihren zukünftigen Einfluss auf die Lufthansa reduziert. Das Rettungspaket sieht vor, dass Berlin ein Aktienpaket von 20 % und zwei Sitze im Aufsichtsrat erhält.

 

Wirecard: Versagen der Wirtschaftsprüfer 

 

Wirecard gab am Wochenende bekannt, dass die fehlenden 1,9 Mrd. Euro mit hoher Wahrscheinlichkeit nie existiert haben. Beide philippinischen Bank, die BDO Unibank und die Bank of the Philippine Islands, hatten mitgeteilt, dass Wirecard kein Kunde bei ihnen sei, obwohl das DAX-Unternehmen in ihrer Bilanz Guthaben in entsprechender Höhe bei ihnen ausgewiesen hat. Was die Frage aufwirft, wieso der Wirtschaftsprüfer E&Y sich keine Bestätigung der Banken hat geben lassen. Das Guthaben entspricht rund einem Viertel der Bilanzsumme und muss bei jeder Prüfung auf Werthaltigkeit überprüft werden. 

Gerüchten zufolge hat Markus Braun seine Aktienposition beliehen. Unbestätigten Angaben zufolge hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende, der gleichzeitig auch größter Einzelaktionär von Wirecard ist, sich von Banken Beleihungen auf seine Aktien geben lassen. Das könnte ein wichtiger Grund und Interessenkonflikt sein, warum der Vorstand lange Zeit kein echtes Interesse daran gezeigt hat, die seit Jahren bestehenden Bilanzfälschungsvorwürfe aufzuklären. 

 

Wirecard AG

 

Der Fall erinnert an den WorldCom-Betrugsfall von 2002. Auf dem Tiefpunkt des Bärenmarktes kollabierte der Telekomkonzern, nachdem bekannt wurde, dass 3,9 Mrd. Dollar in der Bilanz fehlen. Das Ausmaß der Bilanzfälschung stieg schlussendlich auf rund 11 Mrd. Dollar. CEO Bernie Ebbers hatte ein großes Aktienpaket an dem Unternehmen, das beliehen war. Mit dem fallenden Aktienkurs sank auch der Beleihungswert und die Banken drohten mit der Übernahme des Pfands. Um das zu verhindern, hielt der CEO negative Nachrichten lange zurück. Ein Interessenkonflikt, der letztlich zum Zusammenbruch des Unternehmens führte und Ebbers eine lebenslange Haft einbrachte. 

 

Kündigt Apple den Intel-Liefervertrag auf? 

 

Seit Jahren schon sind die Intel-Chips Apple ein Dorn im Auge. Die Chips, die noch in den iMacs und MacBooks verbaut werden, sind nicht für die Apple-Hardware optimiert. Die Performance lässt zu wünschen übrig, die Grafik-Leistung ist zu schwach und die Chips verbrauchen zu viel Energie. Apple will sich daher schon lange von Intel trennen und sie durch ihre eigenen Chips ersetzen, die auf der Technologie von ARM basieren. 

Gerüchten zufolge wird Apple den Wechsel auf der heutigen Keynote der WWDC ankündigen. Die jährliche Entwicklerkonferenz von Apple findet dieses Jahr rein virtuell statt, was die Bedeutung der Keynote nicht schmälert. Im Gegenteil. Das Auditorium wird heute voraussichtlich so groß wie noch nie zuvor sein. Wenn Tim Cook den Wechsel in diesem Jahr noch ankündigen will, dann wird es heute Abend so weit sein. Was für die Apple-Aktie ein Plus wäre, wäre für Intel ein herber Verlust. 

 

PBoC belässt Yuan-Leitzins unverändert

 

Die People’s Bank of China hat heute früh den Yuan-Leitzins unverändert bei 3,85 % belassen. Die sogenannte Lohn Prime Rate (LPR) wird einmal im Monat berechnet und richtet sich im Kern nach den Ausleihesätzen der 18 wichtigsten chinesischen Banken. Die LPR gibt es für 1- und 5-jährige Laufzeiten.

Aus Europa bekommen wir heute nur eine wichtige Zahl. Um 16:00 Uhr wird der Index des Verbrauchervertrauens für die Euro-Zone veröffentlicht. Es handelt sich um die vorläufigen Zahlen für Juni und die Prognose geht von einer Verbesserung des Index von zuvor -18,8 auf nun -15,0 Punkte aus. 

In den USA wird vorbörslich um 14:30 Uhr der nationale Aktivitätsindex der FED Chicago bekannt gegeben. Der Index misst die Geschäftsaktivitäten im Nordwesten der USA und war im April auf -16,74 Punkte gefallen. Der Index wird seit 1970 berechnet und hat nie zuvor unter -5,01 Punkten (Januar 1975) notiert.

Nach Börseneröffnung in New York erwarten wir um 16:00 Uhr den Index der Hausverkäufe in den USA für den Monat Mai. Nach 4,33 Mio. verkauften Häusern im April wird für Mai mit 4,10 Mio. Verkäufen gerechnet. 

 

22.06.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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