Broadcom sorgt für Ernüchterung, kalte Dusche für Micron, SK Hynix kühlt ab und Samsung verliert ebenfalls an Rückenwind
Im Halbleitersegment werden Gewinne mitgenommen
Es dürfte den meisten klar gewesen sein, dass das zuletzt enorme Tempo im Halbleitersegment nicht ewig anhalten kann. Das gilt sowohl mit Blick auf Fundamentaldaten als auch die Börsenkurse. Trotz KI-Boom sind dem Wachstum letztlich physische Grenzen gesetzt. Daran scheinen die Börsianer sich am Donnerstag besonders gut erinnert zu haben und der Sektor geriet sichtlich unter Druck.
Für die größte Enttäuschung sorgte Broadcom (US11135F1012), und das mit eigentlich hervorragenden Quartalszahlen. Die Umsätze gingen durch die Decke und erreichten satte 22,19 Milliarden US-Dollar. Das Ebitda kletterte gar um 69 Prozent auf 15,2 Milliarden Dollar. Die Erwartungen der Analysten konnten damit sehr bequem übertroffen werden.
Doch das allein reicht schon lange nicht mehr. Zum Teil konnten die Konsensschätzungen nur knapp überboten werden, wohingegen die Märkte sich auf ähnlich brachial gute Ergebnisse wie zuvor bei Dell und HPE einstellten. Die Erwartungen der Anleger wurden wohl ein wenig zu weit in die Höhe getrieben. So kam es letztlich zu einer enttäuschten Reaktion. Die Broadcom-Aktie stürzte um 12,6 Prozent auf 418,91 Dollar hinab und verlor nachbörslich noch weiter an Halt.
Micron im freien Fall?
Auf die Aktien der Speicherhersteller wirkte das Geschehen bei Broadcom inspirierend, dies allerdings leider nicht im positiven Sinne. Losgetreten wurde eine Welle von Gewinnmitnahmen, welche bei Micron (US5951121038) für Kursverluste von 7,7 Prozent sorgte. Nachbörslich ging es dann um weitere 2,6 Prozent in die Tiefe. Damit hat der Titel die Marke von 1.000 Dollar schon wieder knapp unterschritten, obschon es keine schlechten Neuigkeiten zu vermelden gab.
Wie gehabt wird beim Unternehmen selbst sowie seitens der Analysten mit weiteren Wachstumsimpulsen gerechnet und großzügige Investitionen sollen dabei helfen, in Zukunft noch mehr Chips mit üppigen Margen loszuwerden. Die Anleger müssen sich aber freilich die Frage stellen, wie viel zukünftiges Wachstum jetzt schon eingepreist ist. Da niemand den Höhepunkt verpassen möchte, steigt der eine oder andere lieber früher als später aus.
SK Hynix: Reich es langsam?
Recht ähnlich gestaltet sich die Lage bei SK Hynix (KR7000660001), wo der Kurs am Freitag bis zum Nachmittag um weitere 7,7 Prozent auf 2,12 Millionen Won fiel. Dort dürfte der Titel nach Ansicht der Analysten auch recht gut aufgehoben sein. Das durchschnittliche Kursziel liegt mi 2,08 Millionen Won sogar noch ein Stückchen tiefer, und das obschon die allermeisten Experten eine klare Kaufempfehlung vergeben. Laut „MarketScreener“ stehen 36 positiven Einschätzungen nur zwei neutrale Haltungen und keine einzige Verkaufsempfehlung gegenüber.
Das ist Ausdruck davon, dass die Analysten mit der letzten Rallye überhaupt nicht mehr Schritt halten konnten. Die Aktie von SK Hynix übertraf schneller Rekorde, als die Börsenprofis ihre Kursziele hätten nachziehen können. Eine kleine Abkühlung scheint da überfällig gewesen zu sein. Spannend wird nun zu sehen sein, ob dadurch eine Lawine ausgelöst wird oder der Kurs sich schnell wieder fangen kann.
Samsung wieder tiefer
Mit der gleichen Problematik müssen die Anleger von Samsung (US7960508882) sich beschäftigen, wo die Euphorie ebenfalls dezent verflogen ist und der Kurs am Mittwoch zeitweise um rund zehn Prozent absackte. Zu Handelsschluss standen hierzulande noch 3.055 Euro auf dem Ticker. Der Abstand zum Rekordhoch bei 3.330 Euro ist nicht zu übersehen. Dabei herrschte vor wenigen Tagen noch blanke Euphorie und die Anteilseigner träumten schon vom nächsten großen Erfolg.
Auslöser dafür war Nvidia-Chef Jensen Huang, welcher bestätigte, dass Samsung mit zu den Lieferanten für die nächste Generation an HBM4-Speicherchips für die Vera-Rubin-Plattform gehört. Im Highend-Segment hinkte Samsung viel zu lange dem Konkurrenten SK Hynix hinterher und kämpfte zuweilen mit massiven Fertigungsproblemen. Dies scheint man nun endlich in den Griff bekommen zu haben. Gehofft wird derzeit noch, dass Huang während seines Besuchs in Südkorea den einen oder anderen weiteren Lichtblick hinterlassen mag.
Das war zu erwarten
Die Korrektur in der Chipbranche kommt nicht vollkommen unerwartet. Nachdem es nun eine Weile lang im Galopp in die Höhe ging, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein reinigendes Gewitter aufkommen wird. Nun stehen Anleger vor der spannenden Frage, ob sich daraus ein größeres Warnzeichen oder eine Einstiegschance ergeben mag. Aus rein fundamentaler Sicht ist der Wachstumstrend noch voll intakt und sämtliche Speicherchip-Hersteller sagen weiteres Wachstum voraus. Mit Sicherheit vorhersagen lässt sich dennoch nicht, ob der Höhepunkt bereits durchschritten sein mag.
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05.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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