UniCredit macht beim Übernahmepoker um die Commerzbank große Fortschritte, ist jedoch noch nicht ganz am Ziel
Dank eines hohen Anteils an der Commerzbank kann UniCredit den Druck erhöhen
Mit aller Kraft wehrte die Commerzbank sich bisher gegen eine Übernahme der italienischen UniCredit. Das Vorgehen des Konkurrenten wird längst als feindlich eingestuft. Dennoch gibt es immer neue Fortschritte und mittlerweile nähert sich UniCredit schnellen Fußes der Marke von 50 Prozent bei den Stimmanteilen.
Nicht eben wenige Aktionäre der Commerzbank (DE000CBK1001) ließen sich offenbar vom jüngsten Angebot der UniCredit überzeugen. Im Mai wurden 0,485 eigene Aktien für je eine Aktie der Commerzbank geboten. Ursprünglich war das eine wenig reizvolle Offerte. Nachdem der Kurs von UniCredit sich deutlich verbessern konnte, wurde das Ganze jedoch attraktiver. Vor wenigen Tagen endete nun die Frist für das Übernahmeangebot. Laut Angaben der UniCredit wurde es für 17,6 Prozent der Commerzbank-Anteile angenommen.
Damit erhöht sich der Anteil laut Unternehmensangaben auf über 44 Prozent. Dazu kommen Kaufoptionen, was den Anteil auf 47,59 Prozent steigern soll, was wiederum 49,65 Prozent der Stimmrechte entspreche. Für eine Mehrheit fehlt da offenbar nicht mehr viel und da bei Hauptversammlung selten bis nie alle Aktionäre zugegen sind, dürfte UniCredit bei solchen Gelegenheiten bereits weitgehen bestimmen können.
Die Commerzbank sieht sich bestätigt
Die Commerzbank lieferte ihrerseits ein Update zum Ende der Übergangsfrist, kommt aber zu einem etwas anderen Schluss. Dort heißt es, dass die Summe der von institutionellen und privaten Anlegern angedienten Aktien bei weniger als zwei Prozent liegen würden. In der Hauptsache habe UniCredit Aktien von mit ihr verbundenen Banken und Parteien einsammeln können. Eben das kritisierte das Management der Commerzbank schon zuvor und schaltete diesbezüglich auch die Finanzaufsicht ein.
UniCredit will ihr Vorhaben weiter voranbringen. CEO Andrea Orcel rechnet sich große Chancen und mögliche Synergieeffekte aus. Letztere werden wohl auch zu einem breitangelegten Stellenabbau führen, wovor Gewerkschaften sowie das Commerzbank-Management ausdrücklich warnen. Trotz allem scheint die Fusion schon greifbar zu sein. Ganz über die Bühne ist die Angelegenheit aber noch nicht. Selbst wenn UniCredit noch weitere Anteilsscheine einsammeln und ihren Anteil auf über 50 Prozent steigern können sollte, bräuchte es noch die Zustimmung diverser Aufsichtsbehörden. Dazu zählt neben der EZB die EU-Kommission. Für den Moment ist eine Übernahme erst einmal nur wahrscheinlicher geworden.
Es scheint aber schon mal ein etwas anderer Ton zu herrschen. Die Commerzbank sprach sich in der Vergangenheit wiederholt recht klar gegen eine Fusion aus und betonte die Vorteile der Eigenständigkeit, was auch mehr Wachstumsmöglichkeiten beinhalten sollte. Mittlerweile ist häufiger die Rede davon, an konstruktiven Gesprächen interessiert zu sein. Die Bundesregierung hingegen, welche weiterhin nicht unbedeutende Anteile hält, kritisiert zwar weiterhin das „aggressive und feindliche Vorgehen“. Ansonsten ist aber nur etwas vage die Rede davon, im Sinne der Beschäftigten, des deutschen Mittelstands und des Finanzstandorts Frankfurt handeln zu wollen.
Auf hohem Niveau
Die Anteilseigner der Commerzbank sind für den Moment noch immer die größten Gewinner des Übernahmekampfes. Zwar gab der Kurs gestern in einem schwachen Umfeld um 2,3 Prozent auf 37,41 Euro nach, blieb damit aber auf einem mehr als ansehnlichen Niveau und knapp dreimal so hoch wie im September 2024, als UniCredit im großen Stil eingestiegen war.
Vorhanden bleibt nun die Hoffnung, dass UniCredit beim Einsammeln weiterer Anteile etwas tiefer in die Tasche greifen und damit den Aktienkurs weiter ankurbeln wird. Konkrete Ankündigungen in diese Richtung gibt es bisher allerdings nicht. Das Management der Commerzbank wird hingegen darum bemüht sein, verbliebene Anteilseigner bei der Schlange zu halten. Das gelingt am besten mit höheren Kursen und weiterhin großzügigen Auszahlen. Wie immer lässt sich nichts garantieren. Es ist aber momentan im Sinne aller Beteiligten außer UniCredit, den Kurs so weit wie möglich ansteigen zu lassen. Das ist für bestehende Anleger nicht die schlechteste Ausgangslage.
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09.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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