Micron investiert munter weiter, auch bei Meta sitzt das Geld locker, Hugo Boss spricht sich gegen Übernahmeavancen aus und die Commerzbank gerät in die Defensive
Nicht jede Investition führt an der Börse zu Begeisterung
Allen Unkenrufen zum Trotz grunden sich die Rekordjagden der jüngeren Vergangenheit an den Börsen nicht (nur) auf blumigen Zukunftsfantasien. Verbunden ist die immer wieder gute Stimmung auch damit, dass kräftig investiert wird und auf diesem Wege neues Wachstum in Aussicht gestellt wird. Daran hat sich wenig geändert, doch wird längst nicht jede Investition auch überall begrüßt.
Etwas größer sind zuletzt beispielsweise die Zweifel daran geworden, ob die Speicherchiphersteller mit ihren gewaltigen Ausgaben nicht vielleicht etwas über das Ziel hinausschießen könnten. Es steht die Befürchtung im Raum, dass durch immer neue Fabriken die Nachfrage im Laufe der nächsten beiden Jahre doch noch gestillt wird, was dann Preise und Margen schwer belasten könnte. Von solchen Sorgen lässt sich Micron (US5951121038) aber nicht weiter beeindrucken.
Der US-Konzern verkündete am Donnerstag, seine Ausgaben noch einmal erhöhen zu wollen. Bis zum. Jahr 2035 sollen 250 Milliarden US-Dollar in den Ausbau von Produktionskapazitäten gesteckt werden. Vir einem Monat war noch von lediglich 200 Milliarden Dollar die Rede. Es wird also noch größer geträumt. Die Aktie wurde gestern von einem allgemeinen Aufatmen um 4,5 Prozent in die Höhe befördert, blieb mit einem Schlusskurs von 991,64 Dollar aber unterhalb der magischen Linie von 1.000 Dollar. Leichte Bedenken scheinen also noch immer vorhanden zu sein.
Meta lässt nicht locker
Das dürfte auch bei Meta (US30303M1027) der Fall sein, wo etliche Milliarden in KI-Infrstruktur gesteckt werden, ohne dass die Gewinne auch nur annähernd im gleichen Tempo zugelegt hätten. Dennoch weitet die Facebook-Mutter ihre Bemühungen noch einmal aus und kündigte an, neun Milliarden Dollar in ein Rechenzentrum in Kanada zu stecken. Es soll sich um das 33. Rechenzentrum des Konzerns handeln, welche so viel Strom wie 800.000 Haushalte verbrauchen soll.
Um diesen gigantischen Bedarf auch bewerkstelligen zu können, will Meta Stromerzeugung und Infrastruktur vollständig selbst finanzieren. Zwar kann das Unternehmen sich solche Scherze dank enormer Gewinne im Werbegeschäft grundsätzlich erlauben. Dennoch hat die Aktie sich von ihren Bestmarken deutlich entfernt, woran auch eine Erholung am Donnerstag nichts zu ändern vermochte.
Hugo Boss winkt ab
Die Frasers Group würde nur zu gerne Geld in die Hand nehmen, um den Modekonzern Hugo Boss (DE000A1PHFF7) zu übernehmen. 38 Euro je Aktie werden dafür geboten und der Kurs hat sich diesem Niveau bereits angepasst. Das Management ist von der Offerte jedoch nicht überzeugt. Wie die „FAZ“ berichtet, empfiehlt Hugo Boss den Anlegern, dass Übernahmeangebot nicht anzunehmen. Der Angebotspreis spiegele nicht den Wert des Unternehmens sowie das zukünftige Wertschöpfungspotenzial wider.
Hugo Boss bevorzugt eine eigenständige Zukunft und sieht sich mit einem neuen strategischen Konzept sowie einer zuletzt ordentlichen Bilanz gut aufgestellt. Allein deshalb dürfte Frasers von seinem Vorhaben aber wohl eher nicht abweichen. Wie viele Anteile die Briten bereits eingesammelt haben mögen, ist derzeit nicht bekannt. Früheren Angaben ist zu entnehmen, dass einst eine direkte Beteiligung in Höhe von 26 Prozent bestand.
Die Commerzbank beißt auf Granit
Unicredit ist mit seinen Übernahmeplänen hinsichtlich der Commerzbank (DE000CBK1001) schon ein gutes Stück weiter und meldete zuletzt, schon fast 50 Prozent der Anteile in Händen zu halten. Damit geht es schneller voran, als viele Beobachter erwartet hätten. Der Commerzbank ging es sogar etwas zu schnell. Vermutet wurde eine mögliche Marktmanipulation, da beim jüngsten Angebot die Zustimmung verdächtig schnell geschah und noch dazu bei einem Angebotspreis unter den damaligen Aktienkursen.
Die Commerzbank zog vor Gericht, wobei ihr aber der Wind aus den Segeln genommen wurde. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt konnte keine Anhaltspunkte für eine Straftat feststellen und will daher auch kein Ermittlungsverfahren aufnehmen. Entschieden ist bei der Übernahme dadurch noch immer nichts. Doch der Druck auf die Commerzbank wächst und Gesprächen wird man sich wohl kaum noch entziehen können. Die Anleger sind weiterhin die größten Gewinner. Die Commerzbank-Aktie macht es sich derzeit auf einem recht ansehnlichen Niveau bequem.
Es bleibt spannend
Dass auch weiterhin munter Geld verschoben wird, davon können Anleger fest ausgehen. Die große Preisfrage lautet dabei stets, wann und wo dies der Fall sein wird und wer davon am meisten profitiert. Wer bei solchen Dingen das richtige Näschen beweist, kann davon auch selbst profitieren. Sei es mit der Annahme eines lukrativen Übernahmeangebots oder mit dem frühzeitigen Setzen auf Wachstumstrends. Es besteht aber auch immer das Risiko, letztlich doch auf der Verliererseite zu landen.
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10.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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