Uber erhöht seine Anteile an Delivery Hero massiv und scheint damit neue Hoffnungen unter den Aktionären zu schüren
Ringen jetzt die Großinvestoren um Delivery Hero?
Mit Prosus ist einer der größten Anteilseigner von Delivery Hero dazu gezwungen, seine anteile am Essenslieferanten deutlich zu reduzieren. Dies ist Teil von Auflagen, welche dem Unternehmen nach der Übernahme des Konkurrenten Just Eat Takeaway verpasst wurden. Von ursprünglich 26,3 Prozent muss es auf weniger als zehn Prozent hinabgehen. Einige Verkäufe wurden bereits über die Bühne gebracht.
Vor Kurzem griff der als aktivistisch geltende Investor Aspex zu und hielt damit zuletzt rund 15 Prozent der Anteile. Das sah schon fast nach einem Durchmarsch aus. Denn kurz nach eben jener Meldung wurde auch bekannt, dass CEO Niklas Östberg Delivery Hero (DE000A2E4K43) spätestens im kommenden März verlassen wird. Aspex fordert schon seit Längerem den Rücktritt des Gründers und erhofft sich von einem neuen Gesicht in der Chefetage eine höhere Ertragskraft.
Nun allerdings begrüßte Delivery Hero einen deutlichen Ausbau der Anteile des US-Konzerns Uber. Dessen Anteile belaufen sich nun auf 19,5 Prozent in Form von Aktien und Investments sowie weitere 5,6 Prozent in Form von Optionen. Die Beteiligung hat damit noch mehr Gewicht als jene von Aspex. An der Börse wird nun darauf gehofft, dass damit ein gewisses Gleichgewicht entstehen kann. Delivery Hero selbst ließ wissen, sich in seinem bisherigen Kurs bestätigt zu sehen.
Kurssprung bei Delivery Hero
Gut kommt das Ringen zweier Großinvestoren bei den restlichen Aktionären an. Jene beförderten die Delivery Hero-Aktie am Montag spontan um 5,6 Prozent bis auf 31,15 Euro in Richtung Norden. Das ist zwar noch weit entfernt von ehemaligen Kursrekorden. Es ist aber das erste Mal seit Lange, dass die Kurse deutlich über 30 Euro steigen und auf Schlusskursbasis konnte ein frisches 52-Wochen-Hoch etabliert werden.
Weiteren Rückenwind gab es von den Analysten der US-Bank JPMorgan. Die rätsteln zwar selbst darüber, was die Absicht von Uber hinter der deutlichen Aufstockung sein mag. Darin wird aber dennoch eine Bestätigung der „strategischen Attraktivität der Vermögenswerte“ erkannt. Die Empfehlung lautet weiterhin auf „Overweight“, wenngleich das Kursziel mit 28 Euro nun sogar schon unter den letzten Schlusskursen liegt. An den Märkten scheint sich derweil vor allem die Ansicht durchzusetzen, dass Aspex am bisherigen Kurs nicht allzu sehr rütteln wird.
Wünschen würde der Investor sich vor allem höhere Margen. Im vergangenen Jahr blickte Delivery Hero auf einen Plattformumsatz von 49,2 Milliarden Euro und erzielte daraus ein Ebitda in Höhe von 903 Millionen Euro. Die Marge fiel mit 1,8 Prozent recht überschaubar aus. Aspex fordert nun den Rückzug aus ganzen Regionen, damit sich Delivery Hero vor allem auf lukrative Märkte fokussiert. Dieser Ansatz wird allerdings längst nicht von allen anderen Aktionären als der richtige Weg eingeschätzt.
Wenn zwei sich streiten, freuen sich die Aktionäre
Hinter dem Kurssprung von Delivery Hero dürfte nicht zuletzt die Erwartung stecken, dass die beiden Großaktionäre sich weiter beharken könnten. Im Suchen nach mehr Einfluss wären da wohl auch weitere Zukäufe nicht undenkbar, was den Aktienkurs natürlich weiter aufblähen könnte. Kurz vor der Hauptversammlung im Juni ist das Umfeld für einen entsprechenden Schlagabtausch besonders aufgeladen. Im Falle einer offenen Auseinandersetzung wären die restlichen Anteilseigner damit die wohl größten Gewinner.
Investments mit solchen Hintergedanken sind jedoch eine recht riskante Wette. Nicht vergessen werden sollte, dass Delivery Hero auf fundamentaler Seite noch immer eher zu kämpfen hat und die großen Erfolge aus den Corona-Jahren verblasst sind. Heute kämpft die Kundschaft mit einer hohen Inflation und einer mauen Konjunktur. Da wird weiterhing gespart und die Belieferung mit Speisen steht vielleicht nicht ganz oben auf der Prioritätenliste. Da entsprechende Entwicklungen sich rund um den Globus zeigen, wird Delivery Hero die geforderte Steigerung der Ertragskraft auch nicht eben leicht gemacht.
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19.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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