Dell zündet die Kursrakete, Micron strebt weiter nach Norden, Rheinmetall wieder gefragtet und Nel ASA geht in den Rallyemodus
Die Bullen stürzen sich auf KI, Rüstung und Wasserstoff
Die Hoffnung auf einen Frieden im Nahen Osten wurde in dieser Woche zwar nicht erfüllt. Dennoch herrschte an den Märkten zumindest partiell gute Stimmung und angesichts eher mauer Konjunkturdaten schlugen die Börsen sich recht wacker. Getragen wurden sie dabei von mehreren Sektoren, die aktuell die Fantasie der Anleger blühen lassen.
Vollends den Vogel abgeschossen hat der US-Computerbauer Dell (US24703L2025), der am Donnerstag nach Börsenschluss mit fulminanten Zahlen und einer noch besseren Prognose punkten konnte. Die Umsätze im ersten Quartal kletterten um 88 Prozent auf 43,84 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf mit 4,86 Dollar die Konsensschätzung von 2,94 Dollar mehr als deutlich. Auch beim Ausblick staunten die Analysten nicht schlecht. Statt zuvor 138 bis 142 Milliarden Dollar werden nun 165 bis 169 Milliarden Dollar erwartet.
Die Geschäfte mit KI-Servern laufen blendend und höhere Speicherpreise scheinen dem überhaupt keinen Abbruch zu tun. Leise Zweifel verschwinden und die Dell-Aktie trieb es allein am Freitag um satte 32,8 Prozent bis auf 420,91 Dollar aufwärts. Auf Wochensicht legte die Aktie um knapp 67 Prozent zu. Es erübrigt sich vermutlich zu erwähnen, dass Dell damit neue Kursrekorde feiern konnte.
Micron: Rallye ohne Ende?
Die guten Geschäfte von Dell sind natürlich auch eine erfreuliche Nachricht für die Speicherhersteller. Denn kein Server auf diesem Planeten kommt ohne entsprechende Chips aus. Schon seit einer ganzen Weile ist Speicher rar und teuer, was die Margen von Micron (US5951121038) in zuvor unvorstellbare Höhen trieb. Der Aktienkurs folgt diesem Beispiel und scheint einfach nicht aufhören zu wollen. In der ausgelaufenen Handelswoche ging es um weitere 27 Prozent bis auf 971 Dollar zum Wochenende aufwärts. Die Aufschläge in den letzten zwölf Monaten summieren sich auf etwas mehr als 900 Prozent.
Mancher Analyst sieht hier noch immer sehr viel mehr Aufwärtspotenzial. Die Kauflaune wurde kürzlich durch eine neue Einschätzung der UBS angestachelt. Dort wird als Kursziel 1.625 Dollar genannt und passend dazu gibt es eine klare Kaufempfehlung. Gerechnet wird damit, dass die Nachfrage nach Speicherchips in den kommenden Jahren nur noch weiter ansteigen wird, was Umsätze und Gewinne weiter ankurbeln dürfte. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass zwischendurch keine KI-Blase platzt.
Rheinmetall zeigt sich fester
Im Rüstungssegment herrscht noch immer Optimismus, wenngleich der ganz große Hype etwas verflogen ist. Rheinmetall (DE0007030009) konnte die Bullen kürzlich aber wieder etwas auf die eigene Seite ziehen. Gemeldet wurde ein frischer Großauftrag der Bundeswehr zur Lieferung von über 2.000 militärischen Transportfahrzeugen. Das Volumen des Auftrags soll sich auf über eine Milliarde Euro belaufen und bereits im laufenden Quartal eingebucht werden.
Für Aufmerksamkeit sorgte auch eine von Rheinmetall platzierte Anleihe. So etwas gab es seit 2010 nicht mehr zu sehen und der Andrang war enorm. Laut einem Bericht von „finanzen.net“ war die Anleihe mit dem Faktor 7,8 überzeichnet. Die Aktie musste sich auf Wochensicht mit einem Plus von 5,2 Prozent zufriedengeben, womit aber immerhin die vorherige Korrektur zu einem Ende zu finden scheint.
Nel ASA hebt ab
In Sachen Wasserstoff schien bis vor Kurzem noch jeder Hype verflogen zu sein. Doch an der Börse kann dank einer Kombination aus Strombedarf für KI-Rechenzentren und anhaltend hoher Ölpreise ein kleines Comeback gefeiert werden. Zu den größten Profiteuren zählen Bloom Energy und Ceres Power. Nel ASA (NO0010081235) allerdings muss sich nicht unbedingt verstecken. Die Norweger brachten im Mai ihre neue Generation von Elektrolyseuren auf den Markt, welche Investitionskosten deutlich senken soll.
Auch den einen oder anderen Auftragseingang konnte Nel verzeichnen, was die Bilanzen allerdings noch nicht aus dem roten Bereich heben kann. Darüber sehen die Anteilseigner großzügig hinweg. Die Zukunft scheint mehr Chancen denn je zu bieten und die Aktie legte seit Jahresbeginn um respektable 85 Prozent bis auf 0,35 Euro zu Handelsschluss am Freitag zu. Damit konnten nach langer Durststrecke endlich auch einige charttechnische Widerstände überwunden werden.
Das macht Laune
An Sorgen mangelt es den Börsen zwar weiterhin nicht. Doch der KI-Boom und dessen Ausläufer bescheren den Anlegern weiterhin ansehnliche Zugewinne. Weder steigende Energiepreise noch gestörte Lieferketten scheinen dem ernsthaft etwas entgegensetzen zu können und auch die Mahnungen der Skeptiker bezüglich Überbewertungen verhallen dieser Tage weitgehend. Der Hunger der Hyperscaler nach Hardware scheint schlicht nicht stillbar zu sein.
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30.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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