Volkswagen kann sich Schadenersatz sparen, Amazon sieht sich Klage in Australien gegenüber, Foxconn verbreitet Optimismus und auch bei Dell herrscht weiter beste Stimmung
Wer sich nich beklagen möchte, feiert weiter munter im KI-Sektor
Klagen gehören zum Börsenalltag dazu, denn irgendwas zu Meckern gibt es bekanntlich immer. Bei den Chipherstellern allerdings bringt die Anleger momentan wenig bis gar nichts aus der Ruhe. Die Nachfrage erreicht immer neue Höhen, die Margen steigen mindestens genauso schnell und die Börsenkurse folgen diesem Beispiel auf dem Fuße.
Da kann Volkswagen (DE0007664039) wohl nur neidisch zuschauen. Der zweitgrößte Autobauer auf dem Planeten bleibt in einer handfesten Krise und sucht noch immer händeringend nach einem Ausweg. In solchen Zeiten ist es vielleicht umso wichtiger, auch kleine Erfolge zu feiern. Das Landgericht Niedersachsen wies kürzlich Klagen von zwei Mitarbeitern zurück, die sich aufgrund angeblicher Missstände benachteiligt fühlten. Allerdings konnten sie dem Gericht nicht hinreichend nachweisen, dass ihnen tatsächlich Beförderungen zugestanden hätten.
Insgesamt standen Forderungen von 7,5 Millionen Euro im Raum. Bestätigt wurde ein vorheriges Urteil des Arbeitsgerichts in Braunschweig. Der Volkswagen-Aktie wird das zwar nicht zu einem spontanen Höhenflug verhelfen. Die Stimmung an der Börse fiel zuletzt aber immerhin etwas besser aus und in den vergangenen vier Wochen ging es um knapp zehn Prozent bis auf 91,82 Euro zum Wochenende aufwärts. Hoffen dürften Anleger nun vielleicht darauf, dass die abgewiesenen Klagen mögliche Nachahmer entmutigen könnten.
Vorwürfe gegen Amazon
Der Online-Gigant Amazon (US0231351067) muss sich derweil mit neuen Vorwürfen in Australien herumschlagen. Dort beklagt die Wettbewerbsbehörde ACCC mutmaßliche Verstöße gegen das Produktsicherheitsgesetzt. Bei Rucksäcken für Kleinkinder, ausgestattet mit einem leuchtenden Einhorn-Plüschtier, sollen wohl Batterien enthalten sein, deren Verschlucken lebensgefährliche Folgen nach sich ziehen kann. Zwischen Juni und November 2022 sollen sich 41 dieser Rucksäcke verkauft haben.
Amazon teilte nüchtern mit, die Klage prüfen zu wollen. Richtlinien und Kontrollen sollen eigentlich sicherstellen, dass allen Sicherheitsvorgaben entsprochen wird. Bemerkenswert ist die Klage, da zum ersten Mal auf den Online-Marktplatz gezielt wird. Die Anleger können das Ganze dennoch ganz gut ignorieren. Der KI-Hype steht weiterhin im Vordergrund und die Amazon-Aktie ging am Freitag nur knapp unterhalb des Allzeit-Hochs mit 270,64 US-Dollar aus dem Handel.
Foxconn beerdigt Flauten
Nach wie vor die größte Euphorie herrscht momentan bei den Chipherstellern und Auftragsfertigern. Dafür scheint es auch viele gute Gründe zu geben, etwa bei Foxconn (TW0002317005). Bei der jüngsten Hauptversammlung versprühte Verwaltungsratschef Young Liu viel Optimismus und beerdigte mal eben die traditionelle Flaute zur Jahresmitte. Die enorme Nachfrage nach KI dürfte für sehr erfreuliche Monate sorgen und so nichts Unerwartetes geschehe, stehe ein hervorragendes zweites Halbjahr bevor.
Das lässt die Anleger frohlocken und die Aktie bewegt sich weiterhin in Richtung Norden. Am Montag ging es bis zum Nachmittag um 1,6 Prozent bis auf 293,50 Taiwan-Dollar in die Höhe. Allein in den letzten fünf Tagen konnte der Kurs sich um knappe zwölf Prozent verbessern. Dabei spielen allerdings auch Vorgaben aus anderen Ländern eine nicht unwichtige Rolle. Das Epizentrum des aktuellen Börsenhypes um Chips und Co. ist in den USA zu finden.
Dell steigt immer weiter
Dort verzauberte am Donnerstag nach Börsenschluss Dell (US24703L2025) die Anleger mit Quartalszahlen, die sämtliche Erwartungen überflügelten. Eine brachial höhere Nachfrage nach KI-Systemen treibt Umsätze sowie Gewinne in unerwartete Höhen und der Prognose zufolge wird es in Zukunft nur noch besser werden. Die Bullen ließen sämtliche Hemmungen fallen und beförderten die Aktie am Freitag um 32,8 Prozent auf 420,91 Dollar aufwärts. Die gute Laune scheint auch weiterhin anzuhalten.
Nachbörslich ging es mit der Dell-Aktie um weitere 3,3 Prozent aufwärts und der gesamte Sektor frohlockte regelrecht. Auch diverse Krisen in der ganzen Welt tun dem keinen Abbruch. Stattdessen scheint die Euphorie im KI- und Chipsegment momentan mehr oder minder die Märkte zu tragen. Ob das gut oder schlecht ist, sei dabei dahingestellt. Die Anleger von Dell jedenfalls können zufrieden sein. Die Kursgewinne seit Jahresbeginn belaufen sich nun schon auf gut 230 Prozent.
Ballungsräume
Die neue Woche startet mit den gleichen Voraussetzungen wie die vorherige. Im Irankonflikt ist weiterhin keine Lösung in Sicht und einzelne Angriffe der Konfliktparteien lassen die Waffenruhe ein wenig brüchig erscheinen. An der Börse setzt das vielen Titeln zu, im KI-Segment bleibt es aber weitgehend unbemerkt. Dort scheint sich der Optimismus derzeit regelrecht zu ballen, wohingegen in anderen Segmenten allenfalls kleine Erfolge gefeiert werden können.
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01.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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