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Was wurde aus den großen Emerging Markets der 1990er Jahre?

Russland, Südafrika, Indien, Brasilien und China – ein Blick in den Rückspiegel

NTG24 - Was wurde aus den großen Emerging Markets der 1990er Jahre?

 

Ein Vergleich der Währungsentwicklung der früheren 5 großen Emerging Markets Russland, Indien, Brasilien, China und Südafrika zeigt, dass die erfolgreiche Transformation von Volkswirtschaften nicht primär von seiner Faktorausstattung mit natürlichen Ressourcen abhängt. Die Lösung von Zielkonflikten ist dabei ebenso wichtig wie eine Effizienzsteigerung.

 

Wiederholt sich die Geschichte?

 

Die Lehrbücher der Volkswirtschaftslehre sind voll mit Beschreibungen von ökonomischen Krisen. Bei den meisten von ihnen ist eine Währungskrise inklusive.

Denn eine binnenwirtschaftliche Destabilisierung geht oft mit einer Krise der Zahlungsbilanz einher. Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten die Bretton-Woods-Institutionen der kurz- wie langfristigen Stabilisierung der Zahlungsbilanz dienen. Die Weltbank finanziert in grober Arbeitsteilung ein Wachstumsmodell einer Volkswirtschaft, welches zu einer diversifizierten schockresistenten Binnenwirtschaft führt, und der Internationale Währungsfonds stellt die finanzielle Pufferkapazität bei außenwirtschaftlichen Krisen bereit und drängt auf eine Umgestaltung institutioneller Arrangements.

Dies kann funktionieren, muss es aber nicht, wie die fatale Entscheidung der heutigen EZB-Chefin Lagarde in ihrer Zeit als IWF-Chefin im Falle Argentiniens zeigt. Damals vergab der IWF den größten Kredit seiner Geschichte mit aufgeweichten Kriterien. Heute ist Argentinien eine strategisch fehlgeleitete Volkswirtschaft ohne nachhaltiges Wachstumsmodell und schlicht überschuldet, wie die Verhandlungen mit den staatlichen und privaten Gläubigern unter der sozialistischen und neo-peronistischen Regierung zeigen.

Die Probleme, nachhaltiges Wachstum zu schaffen, ohne dem Ressourcen-Fluch (dutch desease) zu erliegen, und dies auch noch mit einer hinreichenden sozialen Ausgeglichenheit zu erreichen, ist die zentrale Aufgabe der Entwicklungsländer. Die Erfolge und Misserfolge bei der Lösung dieser Aufgabe spiegeln sich nicht zuletzt in der Währung betreffenden Staaten.

Dies macht einen Vergleich so spannend. Denn er offenbart den relativen Erfolg im Kampf gegen Korruption, Ressourcenfluch, soziale Ungleichheit (Chancengerechtigkeit) und bei der Erhöhung der Innovationskraft der Volkswirtschaft im Sinne eines ökonomischen Lernens.

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Werbebanner DenkworkChart 1 zeigt die relative Entwicklung der großen (früheren) Emerging Markets – Währungen gegen den Währungsanker des Bretton Woods – Systems, den US-Dollar seit dem letzten Wendepunkt im langfristigen Rohstoffzyklus 2014/2015: des chinesischen Yuan, der indischen Rupie, des russischen Rubels, des brasilianischen Reals und des südafrikanischen Rands.

Dabei fällt zum einen eine relativ hohe Stabilität des chinesischen Yuan, aber auch der indischen Rupie auf. Der russische Rubel, insbesondere verstärkt durch die US-Sanktionen nach der Annexion der Krim und der Krise in der Ostukraine, aber auch der brasilianischen Real verloren deutlich stärker an Wert. Der südafrikanische Rand bewegt sich in etwa auf dem halben Abwertungsniveau dazwischen.

 

 

Dieser Vergleich hinkt natürlich an der Stelle, wo man frei konvertierbare Währungen mit Währungen vergleicht, die faktisch nicht vollständig konvertierbar sind, wie etwa der chinesische Yuan. Gleichwohl zeigt er eine relative Schockanfälligkeit an. Nimmt man die diesbezügliche Volatilität zum Vergleich, so ist der russische Rubel am risikoreichsten seit 2014 gewesen, gefolgt vom brasilianischen Real.

 

 

Ein Blick auf die Entwicklung derselben Währungen seit der Asienkrise 1997 und dem Staatsbankrott Russlands bei seinen inländischen Schuldverschreibungen im Sommer 1998 in Chart 2 zeigt ein ähnliches Bild, akzentuiert es aber.

Dabei zeigt sich der relative Stabilisierungserfolg beim russischen Rubel in den 2000er-Jahren, die durch steigende Rohstoffpreise und einem damit einhergehenden Anstieg der Terms of Trade zu einem Windfall-Profit für Russland führte, welches aber dabei dem Ressourcen-Fluch erlag und die gewonnen Finanzmittel und die gewonnene Zeit nicht hinreichend für einen nachhaltigen Umbau seiner Volkswirtschaft nutze, wie ein kurzer Blick auf die Wachstumstreiber der russischen BIP zeigt.

Brasilien hatte in den 2000er-Jahren unter seinen sozialistischen Regierungen Lula da Silva und Roussef ein ähnliches Problem. Hier wirkte der Ressourcenfluch ebenfalls struktur- und risikobildend. Gleichwohl verfügt Brasilien aufgrund seiner anderen Faktorausstattung noch über andere Treiber seines BIP und damit über volkswirtschaftliche Stabilisatoren als Russland, insbesondere den Tourismus. Die Corona-Krise hat das Land jedoch wieder stärker in Mitleidenschaft getroffen. Hinzu kam der steigende Klimastress, der zusätzlich auf den Außenbeitrag zum BIP drückt.

Südafrika profitierte hingegen überdurchschnittlich von einer Hinwendung zur Elektromobilität und einem Anstieg der Edelmetallpreise. In der Folge verbesserten sich die Terms of Trade Südafrikas überproportional und stützten damit das anhaltend ineffiziente Regierungssystem, das zusätzlich durch eine ungelöste Energiekrise in Mitleidenschaft gezogen wird. Hier kompensierte also die Faktorausstattung die schwache Governance und die Blockaden eines dysfunktional eingeführten ,,Black Empowerments‘‘.

Indien hielt sich insgesamt im Vergleich zu Russland, Brasilien und Südafrika relativ gut, hat aber ebenfalls mit eigenen Effizienz-Problemen zu kämpfen. Zudem schwelt in Indien ein anhaltender Religionskonflikt, der durch die regierende Hindupartei von Premier Modi nicht überzeugend verringert wurde. Dass dies auch zu außenwirtschaftlichen Problemen führt, zeigt ein Blick auf die indisch-chinesische Konkurrenz im Westen in Richtung Pakistan und Iran.

Am stabilsten erwies sich im Vergleich der nicht frei konvertierbare chinesische Yuan. Allerdings sollte dies nicht die Erfolge Chinas beim Strukturwandel ausblenden. Denn wie ein Vergleich bei der Entwicklung pro Kopf verdeutlicht, hat China enorme Wachstumserfolge zu verzeichnen.

Ob dieses Wachstum, was mit einer explodierenden Verschuldung einherging, auch nach einer Überregulierungs-Krise auch bei einem sich zuspitzenden Konflikt zwischen China und den USA Bestand hat, muss sich allerdings erst noch zeigen.

 

Und was ist das Fazit?

 

Ein Vergleich der Währungen der früheren Emerging Marktes Russland, Brasilien, Südafrika, Indien und China zeigt, dass China die größten Fortschritte bei der Transformation seiner Volkswirtschaft gemacht hat. Einer der Gründe dürfte in der relativ schwachen Faktorausstattung bei natürlichen Ressourcen liegen, die half, einen Ressourcen-Fluch zu vermeiden, wie er sich etwa in Russland zeigte. Der Verzicht vieler Chinesen auf individuelle Freiheit im Tausch für ökonomisches Wachstum wirkte dabei systemstabilisierend und wachstumsfördernd. Aber gerade deshalb sollte die bisherige ökonomische ,,Performance‘‘ Chinas nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden. Denn dies würde die Probleme ausblenden, welche nun vor China stehen. Dagegen bleibt in Indien nach wie vor das große Effizienz-Problem, und in Russland steht eine erfolgreiche Transformation zu einer nachhaltigen Volkswirtschaft noch aus. Brasilien verfügt zwar über überdurchschnittlich ausgewogene Wachstumsfaktoren, hat aber kein nachhaltiges Wirtschafts- und Sozialmodell. Gleiches gilt auch für Südafrika.

 

31.08.2021 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 






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