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Ukrainische Griwna an der Impulsschwelle

Ukrainische Griwna – es wird eng!

 

Ein Blick auf die Entwicklung des Wechselkurses der ukrainischen Griwna und des US-Dollars zeigt schnell: Die Währung der Ukraine, die seit 1996 gilt, steht seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland und dem Krieg in der Ostukraine unter permanentem Abwertungsdruck. Im Zuge der politischen Eskalation sanken die Devisenreserven der Nationalbank der Ukraine im Jahresverlauf 2015 von fast 16 Mrd. US-Dollar Ende September 2014 auf nur noch 6 Mrd. US-Dollar. Auf dem ukrainischen Markt existierten Anfang 2014 fast 190 Banken, von denen der ganz überwiegende Teil zahlungsunfähig war.

Die ökonomischen Belastungen des Krieges wie auch die typischen soziokulturellen Strukturprobleme des ,,Transformationsstaates‘‘ Ukraine drücken dabei weiter auf den Außenwert der Griwna.

Dies allein zeigt die Herkules-Aufgabe der Ukraine: Denn in dieser Situation standen die ukrainische Regierung und die ukrainische Nationalbank (NBU) vor großen Herausforderungen, etwa der Stabilisierung der nationalen Währung, der Bereinigung des Bankensystems sowie dem Aufbau der Devisenreserven der Nationalbank.

 

 

Die NBU hatte seit 2014 sehr strikte Devisenbeschränkungen eingeführt, um den Abfluss des Kapitals aus der Ukraine zu verhindern. Davon waren sowohl natürliche als auch juristische Personen sehr stark betroffen. Die Devisenbeschränkungen waren jedoch erforderlich, um die Währungssituation im Land zu verbessern. So waren Devisenkäufe für den Devisentransfer ins Ausland sowie Devisenüberweisungen natürlicher Personen ins Ausland aus Bankkonten in Fremdwährung beschränkt, und Unternehmen mussten einen Teil des Devisenerlöses zwangsweise in Griwna umtauschen. Zudem waren Devisenkäufe für Dividendenüberweisungen ins Ausland verboten. Seit 2016 hat sich die Situation jedoch schrittweise wieder stabilisiert, im Dezember 2019 betrugen die Devisenreserven wieder mehr als 25 Mrd. US-Dollar.

 

Und dann kam die Corona-Pandemie.

 

 

Aber: Es gibt auch Positives, was die Landeswährung zumindest indirekt stabilisiert. Das Budgetdefizit des Staates ist bislang kleiner als erwartet. Und der Leistungsbilanz-Überschuss könnte möglicherweise mehr als 3 % des BIP betragen. Die Inflation ist ebenfalls weiter auf dem Rückzug, sie betrug im Juni 2020 2,4 %.

Die Ukraine schaffte des zudem, ein Stand-by Kredit des IWF in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar zu erhalten.

Innenpolitisch bleibt die Lage aber weiter instabil. Die jüngsten Ereignisse haben Sorgen vergrößert, dass die Geldpolitik der Zentralbank wie auch der Anti-Korruptionskampf geschwächt und damit einige der Errungenschaften seit 2015 wieder rückgängig gemacht werden könnten. Die aktuelle Corona-Infektionslage lastet ebenfalls auf dem Land.

Der Druck auf das Anlagesentiment durch die wieder aufgeflammten Konflikte im Kaukasus, neue Sanktionen gegen Russland und wieder stärker werdenden Druck durch sich verschlechternde Terms-of-Trade, insbesondere durch den abwertenden russischen Rubel, dürften zudem den Gegenwind für die Griwna weiterhin spürbar halten.

 

Fazit

 

Die ukrainische Griwna spiegelt derzeit das Risiko einer neuen Abwertungsbewegung sowie die Gegenmaßnahmen und Abwehrpotenziale in Form von Devisenreserven. Die großen Unbekannten der Stabilisierungsgleichung sind das Corona-Virus und die direkten und indirekten ökonomischen, militärischen, politischen und sozialen Kollateralschäden aus der Beziehung zu Russland. Dies alles macht die Griwna auch weiterhin fragil, was die Bedeutung der bisher erreichten ,,nachholenden‘‘ Transformation nicht geringschätzt!

 

14.10.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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