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Frankreich vs. Deutschland - Ablösung eines (Ex-)Europameisters

Das Börsenduell

 

In der letzten Woche dürften die Champagner-Korken an der Pariser Börse ordentlich geknallt haben, gelang dem CAC 40-Index mit einem Sprung bis auf fast 5700 Punkte nun doch erstmals eine deutlichere Überwindung der bereits seit Mai 2018 bestehenden Widerstandszone auf ein neues Rekordhoch.

Mit diesem Ausbruch ist der französische Aktienmarkt auch die erste Börse der Eurozone, der im aktuell unsicheren globalen Wirtschaftsumfeld dieser geschichtsträchtige Sprung gelungen ist und was bisher in Gesamteuropa auch nur der Schweizer Aktienmarkt vorzuweisen hatte.

Gleichzeitig manifestiert Frankreich mit dieser Rekordmarke des CAC 40 natürlich auch einmal mehr, dass das Land in dem bereits seit Anfang 2015 währenden kontinuierlichen Performanceausbau nunmehr auch die unangefochtene Führungsposition im STOXX 600 Europa ex UK- Index einnimmt (aktuelles Indexgewicht knapp 24 %) und damit die Schweiz (knapp über 20 %) und Deutschland (rund 19 %) bereits längst auf die Plätze 2 und 3 verdrängt hat.

Grund genug, in diesem Börsenduell einmal näher zu analysieren, wie diese zunehmende Erfolgsgeschichte des französischen Wirtschafts- und Finanzwesens zu erklären ist, und was die zunehmende Zurückstufung des „Ex-Europameisters“ Deutschland nun sogar auch schon gegenüber der Schweiz für Konsequenzen einer künftig optimalen Aktien-Portfoliozusammenstellung mit sich bringt.

 

Kursindex-Chart: CAC 40 (blaue Linie) gegenüber SPI in Euro (orange Linie) und DAX 30 (grüne Linie)

 

SPI vs. DAX30

 

Deutschlands Dilemma Nr. 1: Nachteilige Wirtschaftsstruktur und Unternehmensprofitabilität

 

Ein wesentlicher Nachteil Deutschlands gegenüber Frankreich ist sicher bereits in der Struktur der akademischen Weiterbildungsmöglichkeiten nach Absolvierung des Abiturs zu sehen. Beide Länder verfügen zwar gleich stark über rd. 100 öffentliche Universitäten. Jedoch gehen bereits hier die landesweit größten Universitätskomplexe in Paris und Lyon in Sachen weltweiter Forschungsstandards und Abschlussanerkennungen deutlich über die Reputation deutscher Universitätsabschlüsse hinaus. Zusätzlich ist in Frankreich für systematisch ausgefilterte „hochbegabte“ Schüler mit gezielten Fachneigungen bereits vor der Abiturprüfung die Möglichkeit gegeben, sich in schon „kasernierungsartigen“ 2-jährigen Vorbereitungs- und Testverfahren für die Aufnahme in sog. „Grandes Écoles“ zu qualifizieren, ein nochmals höher gestelltes System landesweiter Elite-Spezialuniversitäten, deren Wissenschaftsausbildungen internationalen Weltruf genießen. Hierdurch wird bereits erklärlich, warum in vielen Bereichen wissenschaftlicher Forschungsqualifikationen Frankreich (und im Übrigen auch der Schweiz!) tendenziell ein besserer internationaler Ruf vorauseilt, als dies für Deutschland gilt.

Ein weiterer eklatanter Unterschied besteht auch in Fragen deutscher vs. französischer Unternehmenskultur, und zwar insbesondere hinsichtlich der Organisationsstruktur ihrer zugehörigen Gewerkschaften. Während diese in Deutschland nämlich branchenspezifisch organisiert sind, und bereits hierdurch aufgrund dieser Verbandsstärke starken Druck auf Arbeitgeber ausüben können, existieren in Frankreich Gewerkschaften nur auf politischer Ebene, sind also von entsprechendem innerparteilichem Konsens und einer entsprechenden Aktionsplanung abhängig. Schon allein durch dieses politisch orientierte System sind Gewerkschaften in Frankreich relativ durchschlags- und handlungsarm, hinzu kommt auch, dass in Frankreich in Streikzeiten keinerlei Lohnansprüche bestehen. Dies erklärt auch insgesamt nur zu gut, warum in Frankreich derzeit nur etwa 8 % aller Arbeitnehmer (den relativ machtlosen) Gewerkschaften angeschlossen sind, in Deutschland jedoch rd. 17 %. Frankreich „schützt“ somit seine Unternehmen also weit mehr vor seinen Arbeitnehmern, als die deutsche Politik dies tut, und dies ist natürlich insgesamt mit einem sofortigen tendenziellen Produktivitäts- und Profitabilitäts-Vorteil französischer gegenüber deutschen Unternehmen verbunden.

In puncto des allgemeinen volkswirtschaftlichen Arbeitsproduktivitätskoeffizienten rangiert Frankreich daher auch aktuell europaweit auf einem völlig durchschnittlichen mittleren Rang, während Deutschland hier aktuell jedoch sogar den zweitschlechtesten Rang aller europäischen Länder, nur noch gefolgt von Griechenland einnimmt – ein denkbar starkes Alarmsignal!

Da verwundert es natürlich nicht, dass auch die Unternehmensprofitabilität in Deutschland eine ähnliche Konstellation aufweist: Nämlich ein Reingewinnmargen-Niveau von aktuell nur rd. 6 %, während dies in Frankreich wenigstens bei 8 % liegt (wobei hier die USA mit 12 % weiterhin an der Weltspitze steht). Und zuletzt spiegeln auch die BIP-Wachstumsschätzungen der Wirtschaftsinstitute eine entsprechende Konsensmeinung wider, zu der die hohe Investitionsgüter-und Exportabhängigkeit Deutschlands noch verschärfend hinzukommt. 2019 ist nämlich in Deutschland hiernach nur noch ein reales BIP-Wachstum von rd. 0,5 % zu erwarten, in der Schweiz wenigstens noch 0,8 % und Frankreich dagegen wohl ca. 1,3 %. Schon allein in dieser Konstellation ist es natürlich bereits völlig einleuchtend, warum Frankreich Deutschland nun auch in puncto Aktienperformance seit Jahren zunehmend den Rang abläuft.

 

Deutschlands Dilemma Nr. 2: Nachteilige Aktienindexstruktur DAX- vs. CAC- Indizes

 

Geprägt durch den relativ hohen (akademischen) Ausbildungsstand ihrer Führungskräfte ist die französische Wirtschaft seit jeher tendenziell eher forschungs- und weniger investitionsorientiert ausgerichtet, als dies für die deutsche Unternehmenskultur gilt. Durch dieses Profil ist z. B. der Pharmaforschungs-Sektor in Frankreich weit prominenter besetzt als in Deutschland, wenn man nur Unternehmen wie den internationalen Pharmagiganten Sanofi (nach damaliger Übernahme der deutschen Aventis), den weltgrößten Kontaktlinsen-Hersteller Essilor (nach Übernahme der italienischen Luxottica) oder den Biotech-Ausrüster Sartorius Stedim (auf den nicht weniger als 80 % des deutschen Mutterkonzernumsatzes von Sartorius entfällt), herausgreift.

Eine weitere starke Forschungsdomäne weltführender französischer Unternehmen ist vor allem das breite Feld aller denkbaren Segmente von Verkehrstechnologien, das in Deutschland in dieser Breite in keiner Weise existiert. Beispiele hierfür sind Airbus (der mittlerweile größtenteils in Toulouse produziert wird), die Rüstungsgroßkonzerne Safran und Thales, der global führende Schienentransportausrüster Alstom oder größte Chipausrüster für effizienzsteigernde Verkehrs- und Prozesssteuerungen ST Microelectronics.

Und eine unverzichtbare tragende Säule der französischen Wirtschaft ist natürlich neben Konsumklassikern wie Danone und L’Oréal die ebenfalls sehr prominent vertretene Luxusgüter- und Spirituosenindustrie, angeführt von Weltmarken wie LVMH, Christian Dior, Hermès und Pernod Ricard.

In diesem zunehmenden Sprung gerade französischer Konsumgüter- und Forschungskonzerne an die internationale Weltspitze ist es natürlich außerdem stichhaltig, dass dieser wachsende Wirtschaftsvorsprung Frankreichs vor Deutschland längst auch das staatstragende Banken- und Vermögensverwaltungswesen erreicht hat. Passend hierzu sind auch die ehemaligen Spekulationen eines gesteigerten Übernahmeinteresses der BNP an der Deutschen Bank, das mit dem Börsengang der DWS jedoch nun wohl vom Tisch sein dürfte.

 

Chart: Relative Stärke BNP vs. Deutsche Bank

 

BNP vs. Deutsche Bank

 

Frankreich: Eine Vorzugsposition unter europäischen Aktienanlagen

 

Die oben dargestellten sektoralen Unterschiede zwischen den CAC- und DAX-Indizes wie auch generell der französischen und deutschen Unternehmenslandschaft signalisieren somit, dass Erstere sowohl wegen ihrer stärkeren Forschungs- und Konsumorientierung, wie aber auch wegen der unternehmensfreundlicheren Politikstrukturen in Frankreich künftig auch weiter als wesentlich konjunkturstabiler einzustufen sind als dies im Allgemeinen für die deutschen Unternehmen und Aktienmärkte gilt.

Diese langfristig insgesamt klar wachstumsorientiertere Ausrichtung französischer Großkonzerne lässt uns auch unter Einbeziehung der aktuellen weltweiten Konjunkturabschwächung weiterhin für französische Aktien eher positiver eingestellt sein, als für deutsche. Denn auch den aktuellen KGV-Bewertungsaufschlag des MSCI France von nur rd. 8 % gegenüber dem MSCI Germany stufen wir angesichts der überlegenen Unternehmensstabilität wie -profitabilität Frankreichs immer noch als zu niedrig ein.

 

Als unsere Favoriten französischer Aktienanlagen stellen wir aktuell folgende heraus:

 

  • SAFRAN (FR0000073272)
  • LVMH (FR0000121014)
  • PERNOD RICARD (FR0000120693)
  • L’ORÉAL (FR0000120321)
  • ST MICROELECTRONICS (NL0000226223)
  • PEUGEOT (FR0000121501)
  • VINCI (FR0000125486) / international führender Baukonzern
  • TELEPERFORMANCE (FR0000051807) / weltgrößter Betreiber von Callcentern

 

 

22.09.2019 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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