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Gazprom streicht die Dividende und läst damit einen Massenexodus der Anleger aus

Das ist kein gutes Zeichen

NTG24 - Gazprom streicht die Dividende und läst damit einen Massenexodus der Anleger aus

 

Trotz Krieg in der Ukraine und zunehmender Isolation von der Weltgemeinschaft war der russische Versorger Gazprom bis zuletzt ein recht sicherer Umsatzbringer sowohl für den russischen Staatsapparat als auch die Anleger. Letztere verließen sich nicht zuletzt auf stattliche Dividenden, die schon seit Jahren zuverlässig ausgezahlt wurden und angesichts der explodierten Gaspreise eigentlich so üppig wie nie hätten ausfallen sollen. Daraus wird aber leider nichts.

Stattdessen berichtete der „Spiegel“ darüber, dass Gazprom (RU0007661625) die Dividende kurzerhand verringert hat, und zwar auf exakt 0 Rubel. Anleger erhalten für ihre Anteilsscheine also im laufenden Jahr schlicht überhaupt keine Gewinnbeteiligung. Das sorgte im gestrigen Handel für einen Sturm der Entrüstung unter den Aktionären und die Gazprom-Aktie stürzte zeitweise um mehr als 30 Prozent (!) in die Tiefe. Dabei war es um das Papier schon zuvor nicht besonders gut bestellt.

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Werbebanner WikifolioDie Enttäuschung und Verwunderung ist angesichts der geschäftlichen Entwicklungen bei Gazprom verständlich. Schließlich gaben hohe Tiere des russischen Staatskonzerns vor gar nicht allzu langer Zeit noch damit an, dass der Versorger so viel Geld wie nie zuvor verdiene und westliche Sanktionen ihm nichts anhaben könnte. Solche Töne sind momentan überhaupt nicht mehr zu hören, stattdessen wird vor einer ungewissen Zukunft gewarnt, auf die Gazprom sich anscheinend mit Sparmaßnahmen wie der wegfallenden Dividende einzustellen versucht.

Klar ist, dass auf diese Weise bei den Anlegern kaum neues Vertrauen geschaffen werden kann. Stattdessen wachsen nun Sorgen heran, dass Gazprom vielleicht doch noch ordentlich in die Bredouille geraten könnte. Etwa durch einen möglichen vollständigen Gasstopp nach Europa, durch welchen dem Konzern Milliardeneinnahmen durch die Lappen gehen könnten. Aufgrund der Schwierigkeit beim Transport ließe sich dies auch so gut wie unmöglich durch den Verkauf an andere Abnehmer kompensieren, sofern diese nicht zufällig eine voll funktionsfähige Gas-Pipeline nach Russland herumstehen haben.

 

War es das?

 

Bei Handelsschluss kam die Gazprom-Aktie gestern bei nur noch 207 Rubeln an und ist damit von einem waschechten Absturz nicht mehr weit entfernt. Spätestens unterhalb von 200 Rubel dürfte auch bei den größten Optimisten die Zuversicht ins Wanken kommen und eine Befreiung aus dem durchd en Ukraine-Krieg ausgelösten Abwärtstrend bekommen die Bullen letztlich weiterhin nicht auf die Beine gestellt.

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Zwar sah es im Mai und die meiste Zeitzt im Juni für Gazprom dank der sprudelnden Geschäfte mit Europa und diversen Ausnahmen bei westlichen Sanktionen noch gut aus. Selbst am Höhepunkt der dadurch ausgelösten Rallye schaffte das Papier es aber nicht, an das Kursniveau von vor dem Krieg anzuschließen. Im Januar noch wurden die Anteilssscheine zu rund 350 Rubel gehandelt, Ende vergangenen Jahres kratzte die Gazprom-Aktie zeitweise sogar an der Linie von 400 Rubel. Davon könnten die Aktionäre dieser Tage bestenfalls noch träumen.

 

Die Zukunft von Gazprom liegt im Ungewissen

 

Unter dem Strich war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Gazprom-Aktie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Schließlich mussten sich Lieferstopps an einige europäische Länder früher oder später auswirken und auch die Drosselungen bei den Exporten nach Deutschland sorgen dafür, dass dem Versorger enorme Summen durch die Lappen gehen. Doch wenn der Kreml ensprechende Vorgaben macht, sind Gazprom diesbezüglich die Hände gebunden.

Anzeige:

Werbebanner ISIN-WatchlistAuch in Zukunft wird die Aktie von Gazprom weitgehend der Politik im Kreml ausgeliefert sein. Da die zunehmen weniger nachvollziehbar und willkürlich erscheint, kann es jeden Tag (unangenhme) Überraschungen geben. Ein Investment gleicht daher einer Wundertüte. Hiesigen Anlegern kann das aber natürlich herzlich egal sein, denn die dürfen ohnehin noch immer keine Investments in Gazprom tätigen. Schon seit Anfang März spielt die einst schwer gefeierte Gazprom-Aktie an den westlichen Börsen faktisch keine Rolle mehr und eine Rückkehr an die hiesigen Märkte erscheint unwahrscheinlich.

 

01.07.2022 - Andreas Göttling-Daxenbichler

Unterschrift - Andreas Göttling-Daxenbichler

 

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