Mit KI-Chips und Chancen bei humanoiden Robotern tröstet Infineon die Anleger über maue Zahlen aus dem Automotive-Bereich hinweg
Die Infineon-Aktie schreibt Rekorde
Nüchtern betrachtet hat Infineon schon mal bessere Tage erlebt. Die Krise der Autobranche macht sich im Unternehmen klar bemerkbar und in diesem Segment kündigt sich derzeit auch keinerlei Besserung an. Dennoch entwickelt die Aktie sich stark und erst in der letzten Woche konnte ein neuer Höchststand erreicht werden. Das Management kann die Anleger mit seinen Zukunftsplänen voll und ganz begeistern.
Gesprochen hat Infineon (DE0006231004) darüber bei der jüngsten Hauptversammlung am 19. Februar. Bei dieser Gelegenheit klopfte man sich auch ein wenig selbst auf die Schulter. Der Börsenwert habe sich erstmals überhaupt auf über 60 Milliarden Euro steigern lassen, wie Finanzvorstand Sven Schneider am Rande des Termins mitteilen ließe. Seit Jahresbeginn ging es bereits um über 20 Prozent aufwärts und solche Höhen konnten seit mindestens 20 Jahren nicht mehr erklommen werden.
Auslöser für die anhaltende Kauflaune ist das rasante Wachstum im Geschäft mit KI-Chips, was bei Infineon auch als Leistungshalbleiter bezeichnet wird. Das Management ist sich sehr bewusst darüber, welche Rolle diese Einheit in den Augen der Anleger spielt. Daher wurde das Ganze auch klar in den Vordergrund gestellt. Abgegeben wurde das Versprechen, dass die Nachfrage in den nächsten Jahren weiter ansteigen werde.
Infineon hat große Pläne
Im laufenden Geschäftsjahr will Infineon den Umsatz bei Leistungshalbleitern auf 1,5 Milliarden Euro steigen und damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Ein Jahr später sollen dann schon 2,5 Milliarden Euro erreicht werden, was annähernd einem Fünftel der Konzernumsätze entsprechen würde. Von dort aus soll das Wachstum munter weitergehen. KI-Chips drängen sich mehr und mehr in den Vordergrund, seht zur Freude der Anteilseigner. Das Volumen des Marktes schätzt Infineon auf acht bis zwölf Milliarden Euro.
Damit rechtfertigt der Konzern dann auch seine derzeitigen Ausbauvorhaben. In Dresen entsteht aktuell ein neues Werk, das zur Jahresmitte die Produktion aufnehmen soll. Fünf Milliarden Euro werden dort investiert, was auch von Analysten als der richtige Schritt angesehen wird. Solange sich an der Nachfragesituation im Segment nichts ändert, und genau davon geht Infineon aus, wird jede weitere Produktionsstätte die Bilanz stärken. Die Anleger lassen sich überzeugen, auch mit Blick auf weitere Zukunftsvisionen.
Denn auf KI-Chips will Infineon sich nicht ausruhen. Stattdessen hat der Konzern in humanoiden Robotern schon den nächsten wichtigen Wachstumsmarkt erkannt. Die eigenen Chips ließen sich dort ohnehin ohne größere Veränderungen nutzen, ließ CEO Jochen Hanebeck wissen. In den kommenden Jahren soll ein Milliardenmarkt entstehen, dazu passen die großen Ambitionen von Unternehmen wie Tesla, bei denen Robotik längst die erste Geige spielt.
Der Aufsichtsrat ist zufrieden
Ob all diese Pläne auch aufgehen werden, das lässt sich selbstverständlich nur abwarten. Große Zufriedenheit macht sich allerdings schon heute beim Aufsichtsrat bemerkbar. Der verlängerte bereits kurz vor der Hauptversammlung die Verträge von CEO Hanebeck sowie Finanzchef Sven Schneider. Beide werden dem Unternehmen damit noch bis zum Jahr 2032 erhalten bleiben. Die vorherigen Verträge wären im Frühjahr 2027 ausgelaufen. Eine Verlängerung mit einer derart langen Vorlaufzeit zeugt von Vertrauen in die führenden Köpfe.
Als Hardware-Hersteller ist Infineon aktuell nicht von latenten Sorgen um die Zukunft von Software-Unternehmen und vielleicht etwas zu hohen Ausgaben im KI-Segment betroffen. Letzteres verleiht der Aktie sogar potenziell weiteren Rückenwind. Denn für Nachfrage bei der Hardware ist bis auf Weiteres gesorgt. Die Betreiber von großen Rechenzentren können davon momentan gar nicht genug bekommen und die daraus resultierende Knappheit verspricht neben hohen Absatzzahlen auch fürstliche Margen. Es scheint also, als könnte bei Infineon gar nichts mehr schiefgehen. Als Risiko verbleibt einzig eine grundsätzliche Änderung der Marktdynamik, was aber freilich immer und bei jeder Aktie vorkommen kann.
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23.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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