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Infineon muss den KI-Vorschuss jetzt bestätigen

Einen Tag vor den Quartalszahlen steigt die Aktie weiter – doch neben dem Boom bei Rechenzentren bleibt das Autogeschäft der entscheidende Gegenpol

NTG24 - Infineon muss den KI-Vorschuss jetzt bestätigen

 

Infineon geht mit ungewöhnlich viel Rückenwind in den nächsten Zahlenbericht. Die Aktie hat sich zuletzt deutlich erholt, die Nachfrage nach Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren entwickelt sich kräftig und mit der neuen Fabrik in Dresden stehen zusätzliche Kapazitäten bereit. Damit hat sich allerdings auch die Erwartungshaltung verändert: Gute Zahlen allein dürften am Mittwoch kaum reichen.

Für Infineon Technologies (DE0006231004) wird der 5. August zum nächsten Belastungstest der neuen Börsengeschichte. Am Dienstag bewegte sich die Aktie zeitweise im Bereich von rund 63 Euro und setzte damit die Erholung der vergangenen Handelstage fort. Entscheidend ist weniger diese Momentaufnahme als die Richtung: Anleger preisen zunehmend ein, dass der KI-Boom einen schwächeren klassischen Halbleiterzyklus stärker als bisher kompensieren kann.

 

Der Markt wartet nicht mehr nur auf Erholung

 

Noch zu Beginn des Geschäftsjahres war Infineon vor allem eine Geschichte über Lagerabbau, schwache Industrienachfrage und einen schwierigen Automarkt. Inzwischen hat sich der Schwerpunkt verschoben. Leistungselektronik für KI-Rechenzentren entwickelt sich zu einem eigenständigen Wachstumstreiber, während gleichzeitig der Auftragseingang im Automotive-Geschäft zuletzt Anzeichen einer Stabilisierung zeigte.

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Im zweiten Geschäftsquartal erzielte Infineon 3,812 Mrd. Euro Umsatz und ein Segmentergebnis von 653 Mio. Euro. Die Segmentergebnis-Marge lag bei 17,1 %. Gleichzeitig hob das Management die Jahresprognose an: Der Umsatz soll im Geschäftsjahr 2026 nun deutlich gegenüber dem Vorjahr steigen, die Segmentergebnis-Marge rund 20 % erreichen. Der Ausblick von Infineon stellte für das dritte Quartal zuletzt rund 4,1 Mrd. Euro Umsatz sowie eine Marge im hohen Zehner-Prozentbereich in Aussicht.

Genau diese Vorgabe macht die kommenden Zahlen interessant. Die Börse will nicht mehr hören, dass sich das Umfeld irgendwann erholt. Sie will sehen, ob die Beschleunigung bereits in Umsatz und Marge sichtbar wird.

Das verändert auch die Bewertung der KI-Fantasie. Infineon erwartet im laufenden Geschäftsjahr inzwischen rund 1,5 Mrd. Euro Umsatz mit Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren. Für 2027 stehen bereits rund 2,5 Mrd. Euro im Raum. Aus einem Zusatzgeschäft wird damit zunehmend ein relevanter Konzernbaustein.

 

Dresden kommt zum richtigen Zeitpunkt

 

Passend dazu eröffnete Infineon Anfang Juli die neue Smart Power Fab in Dresden. Rund 5 Mrd. Euro investiert der Konzern in den Standort, an dem vor allem Leistungshalbleiter sowie Analog- und Mixed-Signal-Produkte gefertigt werden sollen. Die Kapazitäten können laut Unternehmen bei entsprechender Nachfrage schneller hochgefahren werden.

Die Eröffnung der Smart Power Fab ist deshalb mehr als industriepolitische Symbolik. Infineon schafft Kapazität ausgerechnet in jenen Bereichen, die von höheren Stromanforderungen in Rechenzentren, Netzinfrastruktur, Elektrifizierung und softwaredefinierten Fahrzeugen profitieren sollen.

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Das birgt allerdings ein klassisches Halbleiterrisiko. Neue Fabriken sind wertvoll, wenn die Auslastung folgt. Bleibt die Nachfrage außerhalb des KI-Geschäfts schwach, können hohe Investitionen und Abschreibungen die Ergebnisentwicklung bremsen. Der Konzern braucht deshalb eine möglichst breite Erholung und nicht ausschließlich einen außergewöhnlich starken Rechenzentrumsmarkt.

 

Automotive bleibt der Gegenpol zur KI-Euphorie

 

Genau dort liegt die wichtigste offene Frage. Das Automotive-Geschäft bleibt für Infineon erheblich größer als die junge KI-Story. Zwar berichtete das Management zuletzt von verbessertem Auftragseingang und weiteren Marktanteilsgewinnen, gleichzeitig blieb insbesondere das Hochvoltgeschäft für Elektromobilität anspruchsvoll.

Damit unterscheidet sich Infineon von reinen KI-Halbleiterwerten. Der Konzern profitiert vom Ausbau der Rechenzentren, hängt aber weiterhin stark an Fahrzeugproduktion, Industrieinvestitionen und Elektrifizierung. Das kann die Entwicklung stabilisieren, wenn mehrere Märkte gleichzeitig drehen. Es kann den KI-Effekt aber auch verwässern, solange Automotive und Industrie nicht stärker nachziehen.

 

 

 

Die Zahlen treffen auf einen deutlich höheren Anspruch

 

Der jüngste Kursanstieg macht den morgigen Bericht anspruchsvoller. Nach einer kräftigen Neubewertung genügt es nicht, die bereits angehobene Prognose lediglich zu wiederholen. Interessant werden insbesondere die Entwicklung der Segmentmarge, Aussagen zur Nachfrage nach KI-Stromversorgung und Hinweise darauf, ob sich Automotive und Industrie tatsächlich aus der Talsohle lösen.

Infineon hat derzeit eine attraktive Kombination: ein etabliertes Geschäft mit Automotive- und Industriehalbleitern sowie einen schnell wachsenden Zugang zur KI-Infrastruktur. Die neue Fabrik in Dresden verschafft dem Konzern zusätzlich die Möglichkeit, auf steigende Nachfrage zu reagieren. Doch genau diese Kombination ist inzwischen im Kurs stärker sichtbar. Der Mittwoch entscheidet deshalb nicht darüber, ob Infineon eine KI-Story besitzt. Er zeigt, ob diese Story bereits schnell genug wächst, um die höheren Erwartungen der Börse zu tragen.

 

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04.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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