Nach einem mauen ersten Halbjahr senkt Beiersdorf die Jahresprognose und lässt den Aktienkurs weiter taumeln
Beiersdorf lässt Fortschritte weiter vermissen
Hohe Lebenshaltungskosten stellen die Bevölkerung vor so manche Herausforderung. Schon seit Längerem lassen sich die Konsequenzen daraus im Einzelhandel beobachten. Die Verbraucher schauen bei ihren Einkäufen immer stärker auf den Preis und greifen deshalb auch immer öfter zu günstigen Alternativen zu Markenartikeln. Genau diese Entwicklung machte dem Nivea-Hersteller Beiersdorf im ersten Halbjahr weiter zu schaffen.
Die jüngst vorgestellten Zahlen ließen leider noch kein Zeichen der Besserung erkennen. Die Umsätze von Beiersdorf (DE0005200000) gingen konzernweit von 5,19 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf noch 4,95 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 zurück. Besonders die Consumer-Sparte zeigte sich schwach, während die Umsätze bei tesa organisch um noch einigermaßen vertretbare 0,9 Prozent zurückgingen. Freilich hätten die Anleger aber auch hier sehr viel lieber ein Wachstum gesehen.
Abwärts ging es auch mit der Ebit-Marge, die von Beiersdorf noch auf 15,5 Prozent nach 16,1 Prozent ein Jahr zuvor beziffert wurde. Noch weitaus mehr schmerzt die Anleger allerdings, dass der Konzern keine schnelle Besserung erkennt. Bereits im Frühjahr warnte CEO Vincent Warnery vor einem unsicheren Marktumfeld. Dieser Eindruck bestätigt sich nun und wirkt sich auf die weitere Prognose aus. Beiersdorf setzt für das Gesamtjahr niedriger an.
Beiersdorf: Nivea schwächelt weiter
Erwartet wird ein Umsatzminus im niedrigen einstelligen Prozentbereich bei der Consumersparte, zu der mit Nivea die wohl bekannteste Marke im Unternehmen gehört. Die Ebit-Marge soll im Gesamtjahr bei mindestens 11,8 Prozent liegen. Zuvor wurde noch in Aussicht gestellt, die 14 Prozent aus 2025 nur leicht zu unterbieten. Doch die Krise scheint noch ausgeprägter als gedacht auszufallen und eine Erholung beim Geschäft mit Nivea lässt auf sich warten.
Die Anleger reagierten verschnupft auf die Prognosesenkung. In einer ersten Reaktion stürzte die Beiersdorf-Aktie am Montagmittag um über sechs Prozent in die Tiefe und unterschritt unterhalb von 77 Euro dabei den gleitenden Durchschnitt der letzten 50 Tage. Diesen nicht unwichtigen Indikator wollten die Bullen sich aber dann doch nicht nehmen lassen. Bis Handelsschluss ging es immerhin auf 79,16 Euro, sodass der Tagesverlust auf 1,9 Prozent eingegrenzt werden konnte. Die Beiersdorf-Aktie zeigt sich damit einigermaßen stabil, dies aber auf einem niedrigen Niveau.
Es bleibt bei einem Abschlag von knapp 15 Prozent seit Jahresbeginn. Ohne neue Wachstumssignale wird diese Lücke sich sehr wahrscheinlich nicht schließen lassen. Die geringere Prognose ist zwar nicht die allergrößte Überraschung, da über ein genau solches Szenario schon seit Wochen an den Märkten gemunkelt wurde. Schmerzlich ist es dennoch, dass Beiersdorf nicht noch für eine positive Überraschung sorgen konnte.
Beiersdorf unter Druck
An den Belastungsfaktoren für Beiersdorf hat sich leider nur wenig geändert. Eine schwache Konsumlaune in Verbindung mit tendenziell steigenden Kosten sind Gift fürs Geschäft. Der Konzern hat momentan im Prinzip die Wahl, mit günstigeren Preisen die Marge abstürzen zu lassen und Absatzzahlen zu stabilisieren, oder höhere Kosten weiterzureichen und damit die Absätze zu gefährden. Beides ist aus Sicht der Investoren wenig angenehm. Ein dritter Weg zeichnet sich aber kaum ab, solange die Konjunkturflaute anhält und die Ölpreise aufgrund des Irankonflikts Achterbahn fahren.
Etwas Zuversicht verbreiten immerhin die Analysten von Bernstein Research. Jene sprachen zwar von einer Gewinnwarnung enormen Ausmaßes, was die Bewertungen eher nach unten ziehen dürfte. Am eigenen Kursziel in Höhe von 95 Euro hat sich aber nichts geändert und die Empfehlung lautet unverändert auf „Outperform“. Damit wird ein recht hübsches Aufwärtspotenzial suggeriert und vielleicht wurden die größten Widerstände mittlerweile schon eingepreist. Verlassen können und sollten Anleger sich aber nicht darauf, dass es in Zukunft keine weiteren Rückschläge geben wird.
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04.08.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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