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Steht der japanische Yen vor einem Bärenmarkt?

Japans Währung könnte schon bald deutlich abwerten

 

Der japanische Yen hat in den vergangenen Jahren eine Phase relativer Ruhe in seinem Wechselkurs-Verhältnis zum Euro, aber auch zur Weltreservewährung US-Dollar hinter sich. Dabei hat sich der Euro, wie Chart 1 zeigt, besser gehalten als der in Chart 2 und 3 abgebildete US-Dollar.

Dabei befindet sich der Yen in seiner Beziehung zum Euro durchaus nicht in einer spannungsfreien Situation! Auf der Suche nach den Bestimmungsgründen muss man allerdings ein bisschen weiter schauen als nur auf den Devisenmarkt. Denn dieser ist zum einen durch eine seit Jahren andauernde extreme Niedrig- und Nullzinspolitik geprägt, wobei die Zinsdifferenz zum Euro seit dessen ,,Flatline-Moment‘‘ 2015 eher weniger Einfluss haben dürfte.

 

 

Als externer Schock spielt neben den Ölpreisen aber auch das Reaktorunglück in Fukushima am 11.03.2011 eine Rolle, da es die Energiestrategie des Landes beeinflusste. Denn in der Folge des Unglücks und der (temporären) Abschaltung von japanischen Kernkraftwerken kam es zu einem signifikanten Anstieg von Ölimporten durch Japan, welche den sonst gewöhnlich signifikanten Leistungsbilanzüberschuss des Landes in die Nähe der Nulllinie drückten. Lag dieser ab 1984 bis 2010 im Schnitt bei rund 2,5 % - 4 %, fiel er von 3,9 % im Jahr 2010 auf 2,1 % im Jahr 2011, lag 2012 bei 1 % und 2013 bei 0,9 %. Ab 2015 stieg er dann wieder an, nicht zuletzt deshalb, weil ab 2015 die ersten, zuvor abgeschalteten Kernkraftwerke wieder hochgefahren wurden und dadurch der Energieimport sank.

Anzeige:

Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDie Antwort auf die Frage nach der weiteren Tendenz des Yen gegen den Euro könnte aber neben geld- und energiepolitischen Aspekten auch eine charttechnische Dimension haben. Ausgehend von der Relevanz von Chartmustern für die weitere Entwicklung ergibt sich für den Yen gegen den Euro, dass die Hypothese einer ausgedehnten Bodenbildung des Euros im Raum steht. Diese Bodenbildung hat die Form eines Doppelbodens, der seinerseits fraktal ist. Längere Trendlinien geben derzeit keine eindeutigen Signale, wie die jeweils gebrochene langfristige Aufwärtstrendlinie, aber auch Abwärtstrendlinie, verdeutlichen.

 

Wie sieht es aber mit der charttechnischen Beziehung des Yen mit dem US-Dollar aus?

 

Der Wechselkurs des Yen zum US-Dollar ist von je her ein Politikum, weshalb entsprechende Interventionen der japanischen Notenbank wenig überraschen.

Chart 2 zeigt, dass der US-Dollar nach einer deutlichen Aufwertungsphase zwischen Anfang 2013 und Mitte 2015, die einer Abwertung des Yen entspricht, diese Gewinne seither konsolidiert hat. Wie auch beim Euro hat der Yen hier einen Doppelboden gebildet, wobei der zweite Teilboden oberhalb des ersten liegt.

 

 

Neben der Perspektive der letzten Jahre ist auch ein Blick auf den längerfristigen Verlauf interessant, der in Chart 3 abgebildet ist. Die Entwicklung seit der Asienkrise 1997 und dem Staatsbankrott Russlands 1998 zeigt, dass der Dollar gegen den Yen möglicherweise eine über 25-jährige Umkehrformation gebildet hat, die die Form einer umgekehrten und verschachtelten Schulter-Kopf-Schulter-Formation besitzt. Folgt man dieser Hypothese, ist der Yen gerade dabei, in einer seiner letzten Aufwertungsimpulse den zweiten Teilboden in der rechten Schulter zu bilden.

Dafür spricht, dass das Niveau von rund 100 Yen je Dollar sowohl der Boden der linken als auch bislang der rechten Schulter ist. Die Tiefs der rechten Schulter liegen mustergültig tiefer und erfüllen damit das Bild einer ,,hängenden Schulter.

 

 

Dagegen spricht, dass auf den ersten Blick nicht klar ist, woher die relative Stärke des US-Dollars auf einmal kommen sollte.

Wie aber ein Blick in die Währungsgeschichte des Plaza- und Louvre-Abkommens zeigt, ist die politische Akzeptanz bestimmter Wechselkurse eine Bedingung ihrer Stabilität. Ist diese nicht gegeben, wird durch Eingriffe in den Devisenmarkt, aber auch durch Handelseinschränkungen das Mögliche getan, um den Kurs in eine politisch gewünschte Richtung zu lenken.

Dies versuchte die Clinton-Regierung etwa durch die Politik des ,,Managed Trade‘‘ gegenüber Japan. Währungsseitig folgte der Schulterschluss gemeinsamer Interventionen, welche die Wirkung derselben deutlich steigen ließen. Dies zeigt auch die Nullzinspolitik, deren Wirkung eben gerade von der ,,Alternativlosigkeit‘‘ anderer Währungen abhängt.

Ein weiterer Faktor ist, wie bereits erwähnt, ist die Zinsdifferenz. Sollte es also zu einem Anstieg der US-Zinsen kommen, dem die japanischen Zinsen nicht hinreichend folgen, dürfte dies Kapitalströme in den US-Dollar und damit den Aufwertungsdruck auf den US-Dollar verstärken.

 

Fazit

 

Die Entwicklung des japanischen Yen gegen den Euro wie auch gegen den US-Dollar zeigt, dass die langfristigen Chartmuster nicht zwingend für einen stärkeren Yen sprechen. Im Gegenteil: Es gibt plausible Annahmen, welche mittelfristig für einen schwächeren Yen sprechen, allen voran die Zinsdifferenz und langfristige Chartmuster. Wir empfehlen deshalb, die Entwicklung des Yen gegenüber Euro und US-Dollar insbesondere daraufhin im Blick zu behalten, ob es zu einem signifikanten Unterschreiten der erwähnten Unterstützung von etwa 100 Yen je Dollar auf Monatsschlusskurs-Basis kommt. Dies würde die Mustervermutung vorläufig falsifizieren. Ein Ausbruch des Dollar über den in Chart 3 markierten mittelfristigen Abwärtstrend wäre hingegen eine vorläufige Bestätigung der Muster-Hypothese.

 

16.02.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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