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Kasachstan, das Öl, und Russland

Kasachischer Tenge kann sich nicht vom Rubel lösen

 

Die Ölpreise tendierten in den vergangenen Wochen wieder seitwärts / abwärts. Die Märkte scheinen die Wahrscheinlichkeit, mit der eine zweite Corona-Infektionswelle das weltwirtschaftliche Wachstum bremst, inzwischen wieder höher einzuschätzen.

Damit ginge eine anhaltend maue Ölnachfrage einher. Inwieweit diese dann durch Maßnahmen der OPEC+ - Länder aufgefangen werden kann, ist wesentlich von deren Förderdisziplin abhängig. Und je stärker ein Land von den Einnahmen aus Öl und Gas abhängig ist, umso stärker ist die Versuchung, die fallenden Preise durch eine Mehrförderung auszugleichen. ,,Elastische‘‘ Erfüllungsregeln der OPEC+ dürften deshalb bald an ihre Wirkungsgrenze stoßen.

Ein Land, welches ganz wesentlich von den Einnahmen aus Öl und Gas abhängt, ist Russland. Aber auch der südliche Nachbar Kasachstan hat mit seinen großen Vorkommen im Nordwesten des Kaspischen Meeres eine bedeutende Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen.

Ein Blick auf Chart 1 zeigt, dass sowohl der russische Rubel als auch der kasachische Tenge mit einer Abwertung auf einen fallenden Ölpreis reagieren. Dabei fiel in der Zeit der russischen Annexion der Krim und der darauffolgenden US-Sanktionen der Rubel zuerst, der kasachische Tenge folgte zeitverzögert, aber im selben Ausmaß.

Dies führt zu der Vermutung, dass ein erneuter Fall des Ölpreises den russischen Rubel weiter abwertet und der kasachische Tenge mittelfristig erneut in gleichem Ausmaß folgt.

 

 

Der Tenge hat gegen den US-Dollar, wie Chart 2 zeigt, seit dem Corona-Schock und seiner schnellen Abwertung im Frühjahr 2020 seither eine Konsolidierung der erlittenen Verluste hinter sich gebracht. Dabei wurde das frühere Abwertungshoch vom Januar 2016 getestet, aber nicht mehr unterschritten. Damit ist der Ausbruch charttechnisch konsolidiert. Mittelfristig ist deshalb ein neues Allzeittief des Tenge gegen den US-Dollar wahrscheinlicher als eine Rückkehr in den Bereich von 360 Tenge je US-Dollar.

 

 

Fazit

 

Die Kopplung des kasachischen Tenge an den russischen Rubel ist, neben der gemeinsamen Abhängigkeit vom Öl, zum einen eine korrelative. Sie ist allerdings durch die realwirtschaftliche Verflechtung beider Länder auch eine kausale. Vor allem sind beide aber eine Erinnerung daran, dass der Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Ressourcen ein umso höherer strategischer Wert zukommt, je unabhängiger große Annehmer von diesen werden. Die Strategie der EU ist diesbezüglich ungeachtet ihrer Risiken ein Beispiel. Dies könnte allerdings auch zu einem Impuls im Strukturwandel Kasachstans werden. Man darf auf die weitere Entwicklung, auch mit Blick auf Chinas Strategie in Zentralasien, gespannt sein. Kurz- und mittelfristig dürfte sich die aktuelle Abhängigkeit allerdings erst einmal fortsetzen.

 

05.10.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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