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Iran: Schauen Sie über den Tellerrand hinaus

Die Amerikaner rasseln mit dem Säbel - doch was wären die Konsequenzen, wenn Teheran fällt?

NTG24 - Iran: Schauen Sie über den Tellerrand hinaus

 

Wer nur missbilligend auf das Säbelrasseln der Amerikaner im Nahen Osten schaut, übersieht die potenziellen Veränderungen für die Weltwirtschaft. In Venezuela deutet sich bereits an, dass die Öl- und Gasförderung viel schneller als erwartet steigen wird. Wie sähe die Welt aus, wenn gleichzeitig noch das volle iranische Angebot an die Märkte kommen würde?

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Die Vorgehensweise der Trump-Administration im Hinblick auf die Neuordnung der Energiemärkte ist ausgesprochen interessant und kann einen der grössten Inflationsfaktoren für die westliche Welt über Dekaden hinweg positiv beeinflussen. Fakt ist, dass sich mit Venezuela und dem Iran zwei der wichtigsten erdölfördernden Länder der Welt in der Hand von totalitären Regimen befinden bzw. im Fall von Venezuela befanden. Maduro führte eine autoritäre Kleptokratie, die sich den Anstrich eines populistischen Sozialismus leistete, während die Volkswirtschaft im Iran seit inzwischen 47 Jahren von einem theokratischen Autoritarismus in Grund und Boden gestampft wird. Vom schönen Persien ist heute nichts mehr übrig, weil wie in Venezuela eine kleine Elite den vorhandenen Reichtum gestohlen hat, und das Volk unterdrückt. Beide Länder haben zudem die Quelle ihres Reichtums, die Ölförderung, massiv vernachlässigt. Der Export in den Rest der Welt strömte nicht, sondern war in den vergangenen Jahren nur noch ein Rinnsal.

In Venezuela beginnt sich nun abzuzeichnen, dass die Ölexporte viel schneller als von den Skeptikern erwartet wieder zu sprudeln beginnen werden. Am 18. Februar hat die Trump-Administration eine Generallizenz (50A) erstellt, die konkret sechs verschiedenen Ölkonzernen weitreichende Genehmigungen erteilt, um Öl- und Gas in Venezuela zu fördern. Interessant: Es ist nur ein amerikanischer Konzern (Chevron) darunter. Genehmigungen erhielten noch zwei britische Konzerne (BP und Shell), ein italienischer Konzern (ENI), ein spanischer (Repsol) und ein französischer Konzern (Maurel & Prom). Weitere globale Konzerne haben Genehmigungen beantragt. Chevron (US1667641005) und Repsol (ES0173516115) sind am weitesten vor Ort in den Verhandlungen mit der derzeitigen Regierung. Chevron hat quasi Heimvorteil und Repsol hat ein grosses Interesse daran, seine aufgelaufenen Forderungen gegenüber dem Land in Form von verstärkter Öl- und Gasförderung wieder hereinzubekommen. Analog zu Chevron gehen auch die Spanier davon aus, dass man die Förderung in Venezuela in den ersten 12 Monaten um 50 % steigern kann. Doch das ist nur der Anfang: Innerhalb von drei Jahren will Repsol die Förderung verdreifachen. 

 

Kommen Venezuela und der Iran wieder vollständig an den Ölmarkt zurück?

 

Analog zu Venezuela ist auch die Ölproduktion im Iran in den letzten Jahren auf ein Minimum eingebrochen. Beteiligt ist dort kein westliches Unternehmen mehr. Seit der Machtübernahme durch die Islamische Revolution im Jahr 1979 ist die iranische Ölförderung offiziell verstaatlicht worden. Zuvor gab es unter der Regierung des Schahs ein breit gefächertes Konsortium aus im Wesentlichen acht Ölkonzernen, die im Iran das Öl fördern und verkaufen durften. Ursprünglich genoss British Petroleum von 1908 bis 1951 mehr oder weniger ein Monopol im iranischen Ölmarkt, das jäh mit der Verstaatlichung durch Premierminister Mossadegh beendet wurde. Drei Jahre später, mit dem Sturz von Mossadegh und der Machtübernahme durch den Schah, kam dann ein breites Konsortium aus BP (GB0007980591), Royal Dutch Shell (heute Shell (GB00BP6MXD84)), CFP (heute TotalEnergies (FR0000120271)) und fünf amerikanischen Ölkonzernen, die im Wesentlichen in Chevron und ExxonMobil (US30231G1022) aufgegangen sind. 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeInteresse am Aufbau einer neuen iranischen Ölinfrastruktur wäre sofort vorhanden. Nicht nur die Amerikaner, sondern traditionell auch die Europäer wären sofort mit dabei, sobald sich politisch stabile Verhältnisse ergeben würden. Die iranischen Ölreserven sind ausgesprochen interessant. Noch interessanter als die venezolanischen, denn der Iran verfügt vor allem über leichtes, wenngleich saures Öl, da es einen hohen Schwefelgehalt hat. Obendrein sind sehr grosse Gaskondensatreserven vorhanden, für die sich vor allem die Chemie bzw. Kunststoffindustrie interessiert. Das leichte Öl lässt sich sehr preiswert fördern und problemlos zu Benzin und Diesel weiterverarbeiten, ohne aufwendige Vorbehandlungen, wenn man von der Entschwefelung einmal absieht. Die wichtigsten Absatzmärkte liegen inzwischen in Asien, die sich um höhere Exporte aus dem Iran reissen würden.

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21.02.2026 - Mikey Fritz

Unterschrift - Mikey Fritz

 

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