Meta droht Verbot von Smart Glasses in Deutschland, Fielmann dämpft Erwartungen an eben solche Geräte, Apple experimentiert mit Gesundheitsdaten und Samsung bleibt auf Abstand
Bleibt die erhoffte Revolution letzten Endes aus?
In der Tech-Branche träumen viele beim Thema Smart Glasses schon von der nächsten großen Revolution. Geht es nach einigen Anbietern, werden solche Geräte eines Tages das Smartphone vollständig ersetzen können, selbstverständlich mit ganz viel KI im Hintergrund. Doch in der Praxis zeigt sich derzeit eher Gegenwind, ganz besonders in Deutschland.
Dort haben Datenschützer Zahnschmerzen mit Datenbrillen, deren Ruf aber auch anderswo leidet. Immer mehr stehen Träger solcher Brillen im Verdacht, ungefragt Fotos von Menschen in ihrer Umgebung zu machen. In den App Stores trenden sogar bereits Apps, welche vor Smart-Glasses-Trägern in der Nähe warnen. In Deutschland halten Experten nun sogar ein Verbot von Geräten wie den AI Glasses von Meta (US30303M1027) grundsätzlich für möglich, wie unter anderem „Der Standard“ berichtet.
Meta beruft sich zwar gerne darauf, dass bei einer Aufnahme ein Warnlicht angezeigt wird. Kritiker halten das aber noch nicht für eine ausreichende Warnung. Die Hamburger Datenschutzbehörde hat sich mit dem Thema an die Datenschutzaufsicht gewendet. Die Bundesnetzagentur beschäftigt sich nun wohl schon mit der Frage, ob Vertrieb und Besitz solcher Brillen tatsächlich verboten werden könnte. Die Meta-Aktie brachte das nicht in Bedrängnis. Am Montag nutzte das Papier die gute Stimmung an den Märkten, um sich um sechs Prozent auf 590,24 US-Dollar zu verbessern.
Fielmann bleibt nüchtern
Die Optikerkette Fielmann (DE0005772206) berichtet derweil von einem ohnehin überschaubaren Interesse an Smart Glasses in den eigenen Filialen. Milliardenschwere Investments sind für CEO Marc Fielmann zwar ein klares Signal dafür, dass einige Anbieter das Smartphone abzulösen versuchen. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur ließ Fielmann jedoch wissen, dass aktuell nur in rund 200 von weltweit 1.300 eigenen Filialen Smart Glasses angeboten würden.
Bei einer bombastischen Nachfrage würde Fielmann die Geräte auch in mehr Filialen anbieten. Tendenziell stellt das Unternehmen eine höhere Nachfrage aber lediglich im Ausland fest. In den USA und Spanien scheinen Smart Glasses beliebter zu sein als in Deutschland. Jüngst angekündigte Expansionspläne klammerten die smarten Brillen vollständig aus. Das störte die Anteilseigner nicht, welche den Aktienkurs gestern um 2,1 Prozent bis auf 41,50 Euro hievten.
Apple plant groß
Der iPhone-Hersteller Apple (US0378331005) hat bisher noch keine Smart Glasses auf den Markt gebracht. Insidern zufolge könnte sich das aber Ende 2027 ändern und für den eigenen Vorstoß in dieser Kategorie scheint der Konzern bereits an Gesundheitsfunktionen zu basteln. Die Geräte sollen wohl in der Lage sein, Funktionen anzubieten, die bisher der Apple Watch vorbehalten waren. Allerdings soll es das Ganze nicht zum Erscheinungstermin, sondern erst etwas später geben, wie der Bloomberg-Journalist und Apple-Experte Mark Gurman behauptet.
Die Börse wettet bei Apple zwar recht gerne mal auf die Zukunft, hat dabei allerdings Smart Glasses eher weniger im Visier. Der Fokus liegt weiterhin klar auf dem iPhone. Nachdem bei der Vorlage der Quartalszahlen vor Schwierigkeiten in den Lieferketten gewarnt wurde, zogen die Bullen sich erst einmal zurück. Dieser Trend setzte sich gestern mit Abschlägen in Höhe von 1,8 Prozent fort, was den Kurs auf 303,42 Dollar per Handelsschluss beförderte.
Samsung lässt EU-Kunden wohl warten
Samsung (KR7005930003) ist bereits einen Schritt weiter und stellte bei seinem jüngsten Galaxy Unpacked Event gleich zwei neue Varianten von Smart Glasses vor, die in Zusammenarbeit mit Google entwickelt wurden. Der Marktstart ist für den Herbst angedacht. Allerdings erfolgt die Veröffentlichung zunächst ausschließlich außerhalb der EU. Einen Grund dafür nennt das Unternehmen nicht. Es scheint jedoch zumindest denkbar, dass vergleichsweise strenge Vorgaben in Sachen Datenschutz und KI eine Rolle spielen.
Das ist auch hier nicht die größte Sorge der Anleger. Sehr viel mehr treibt die Börsianer die Frage um, ob die Samsung-Aktie nicht schon viel zu hoch bewertet ist. Nach einer Erholung am Freitag ging es für den Titel am Montag schon wieder abwärts und auch heute hält der Verkaufsdruck an. Zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels notierte das Papier bei 230.000 Won und damit weit entfernt vom Rekordhoch bei 374.500 Won.
Produktoffensive mit Tücken
Neben Datenschutz und möglichen Verboten ist beim Thema Smart Glasses auch die öffentliche Wahrnehmung ein nicht zu unterschätzender Faktor. Der ganz große Begeisterungssturm scheint auszubleiben. Stattdessen werden die Geräte im Netz schon gerne als „Perversling-Brillen“ bezeichnet. Das ist nicht die beste Voraussetzung für eine Revolution im großen Stil. Gleichwohl schlug auch Smartphones in ihrer Anfangszeit teils heftige Skepsis entgegen, was letzten Endes überwunden werden konnte. Dass solche Geräte in Zukunft durch Brillen vollständig ersetzt werden, darf dennoch dezent angezweifelt werden.
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04.08.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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