Zuckerberg sucht Ausweg aus dem AI-Dilemma
Zuckerberg unter Druck - kann ein AI-Cloud-Geschäft die Stimmung drehen?
Zuckerberg gerät in Erklärungsnot. Wie beim Metaversum beginnt die Wall Street immer skeptischer auf die steigenden Investitionssummen zu reagieren. Die Sorge ist, dass am Ende alles abgeschrieben wird. Umso freundlicher reagiert die Börse auf die neuesten Gerüchte.
Meta (US30303M1027) arbeitet an Plänen für ein Cloud-Infrastruktur-Geschäft, das Zugang zu AI-Rechenleistung und Modellen verkaufen soll. Damit würde das Unternehmen in direkten Wettbewerb zu Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud treten. Zwei Ansätze werden intern diskutiert: Entweder hostet Meta eigene und fremde AI-Modelle auf eigener Infrastruktur - analog zu AWS Bedrock. Oder das Unternehmen vermietet schlicht Datacenter-Kapazität ohne Modell-Layer, wie es CoreWeave (US21873S1087) macht. Die Initiative läuft unter dem Namen Meta Compute und wird von Santosh Janardhan, Daniel Gross und Dina Powell McCormick geleitet.

Die Nachricht kommt nicht überraschend. Mark Zuckerberg hatte bereits im Mai 2026 signalisiert, dass der Verkauf von Rechenkapazität und API-Services „definitiv auf dem Tisch" liege, falls Meta Überkapazitäten feststelle. Nach den Hunderten Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen in AI-Infrastruktur gesteckt hat, sind Investoren zunehmend nervös. Die Frage, wann und wie Meta diese Investitionen zurückverdienen will, ist drängender geworden.
Das Kernproblem bleibt ungelöst
Meta verdient nahezu ausschliesslich mit klassischer Online-Werbung Geld. Im abgeschlossenen 1. Quartal 2026 hat sich diese Struktur nicht verändert. Der Umsatz wuchs um 33 % auf 56,31 Mrd. US-Dollar, wo die Anzahl der Werbe-Impressionen um 19 % und die Preise um 12 % stiegen. Die operative Marge blieb bei 41 % - unverändert zum Vorjahr. Das bedeutet: Das gesamte Umsatzwachstum versickert operativ, statt in Margensteigerung zu münden.
Dazu kommt: Meta hat die Capex-Prognose für 2026 von maximal 135 auf maximal 145 Mrd. US-Dollar angehoben. Die Begründung: höhere Komponentenpreise, zusätzliche Rechencenter-Kosten. Die Kosten wachsen damit schneller als der Umsatz - 35 % Kostenplus stehen 33 % Umsatzplus gegenüber. Zuckerberg verbrennt also noch aggressiver Geld als befürchtet, während neue Geschäftszweige wie Threads und WhatsApp Status Ads „nicht materiell zum Umsatz beitragen" werden - Zitat CFO Susan Li im Follow-Up Call zum Q1. Threads hat 150 Millionen Daily Active Users, WhatsApp erreicht „hundreds of millions" mit Status Ads. Beide werden aber frühestens in Jahren relevante Umsätze liefern.
Strategische Antwort, aber mit Haken
Die Cloud-Initiative ist Zuckerbergs strategische Antwort auf dieses Dilemma. Wenn die eigenen AI-Modelle schwach sind - und sie tauchen in den einschlägigen Vergleichen der weltweit Besten nicht mehr auf - , dann wird Meta eben zur Infrastruktur-Plattform für fremde Modelle. Man umgeht das Problem, indem man Anthropic, OpenAI, DeepSeek oder andere hostet und an der Vermietung verdient.
Das Problem: Der chinesische Preisdruck bleibt bestehen. DeepSeek V4 Pro bietet vergleichbare Leistung zu Claude Opus zu 0,87 US-Dollar pro Million Token. Anthropic nimmt 25 US-Dollar — ein Discount von 75 %. Wenn die Endkunden-Preise für AI-Inferenz wegen chinesischer Konkurrenz implodieren, kann Meta bei der Infrastruktur-Vermietung kaum genug Marge erzielen, um die 145 Mrd. US-Dollar Investitionen zu rechtfertigen.
xAI zeigt allerdings, dass das Geschäftsmodell funktionieren kann. Elon Musks xAI vermietet sein Memphis-Datacenter an Anthropic und Google. Die Schätzung ist, dass xAI daraus bis 2028 über 50 Mrd. US-Dollar, bis 2030 über 100 Mrd. US-Dollar Umsatz generieren könnte. Meta hat mit seiner deutlich grösseren Infrastruktur ein vergleichbares oder höheres Potenzial — falls die Strategie aufgeht.
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02.06.2026 - Mikey Fritz

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