Erneut schraubt Microsoft bei Office und Microsoft 365 an der Preisschraube und begründet dies mit einem gesteigerten Funktionsumfang
Microsoft greift tiefer in die Taschen der Kundschaft
Als Microsoft im Jahr 2011 erstmals sein Abo-Modell Office 365 einführte, wollte der Softwarekonzern nicht zuletzt mit günstigen Preisen punkten. Mehr als ein Jahrzehnt lang blieben die Preise sowohl für Privat- als auch Unternehmenskunden stabil. 2022 kam es dann zum ersten Mal zu einer Preiserhöhung und seither gibt es erstaunlich regelmäßig neue Aufschläge. 2023 wurden die Preise in der Euro-Zone um rund elf Prozent erhöht.
Nun langt Microsoft (US5949181045) wohl einmal mehr zu, wie bei „CNBC“ zu lesen ist. Ab Juli des kommenden Jahres steigen die Preise sowohl für Office 365 als auch Microsoft 365 für Geschäftskunden sowie Kunden aus dem öffentlichen Sektor. Je nach Art eines Abonnements werden dann zwischen fünf und 33 Prozent mehr fällig. Da viele Unternehmen eine Vielzahl an Abos abschließen, kann sich das recht deutlich bemerkbar machen.
Interessant ist bei solchen Preiserhöhungen auch, wie sehr Microsoft seine dominierende Stellung ausgebaut hat. Vor Kurzem erst machten Berichte die Runde, laut denen Airbus sich schon längst von Microsoft-Software hätte trennen wollen, dies aber in der Praxis einfach nicht umgesetzt bekommt. Derweil soll in Bayern im großen Stil in den Microsoft-Kosmos eingestiegen werden. Ob die Verantwortlichen dabei künftige Preiserhöhungen auf dem Schirm haben, ist nicht überliefert. Bestehende Verträge bleiben zunächst bei der alten Bepreisung, bei neuen Abschlüssen kommen in Zukunft aber die höheren Tarife zum Einsatz.
Microsoft bietet mehr
Wie hoch die Preiserhöhung ausfällt, hängt vom jeweiligen Abo ab. Das Paket Microsoft 365 E5 verteuert sich lediglich um fünf Prozent auf 60 US-Dollar monatlich. Bei Microsoft 365 F1, welches vor allem im Einzelhandel und in der Logistik verbreitet ist, steigt der Preis hingegen von 2,30 auf 3 Dollar und damit um ganze 33 Prozent. Business Standard verteuert sich um zwölf Prozent und für Business Basic werden in Zukunft 17 Prozent mehr verlangt.
Microsoft begründet die Preiserhöhungen mit massiven Investitionen sowie einer Vielzahl an neuen Funktionen. Tatsächlich gibt es in Zukunft unter anderem die Verwaltung digitaler Zertifikate oder den Schutz von E-Mails gleich im Paket dazu. Wer dafür bisher einzeln zahlte, könnte sogar profitieren. Wer solche Funktionen allerdings überhaupt nicht benötigt, wird dennoch genötigt, dafür zu zahlen.
Der KI-Assistent Co-Pilot gehört zum Paket nicht dazu und schlägt noch einmal mit 28 Dollar monatlich zu Buche. Allerdings bietet Microsoft seit Herbst eine abgespeckte Variante namens Copilot Chat an, welche beispielsweise Texte umschreiben kann. Auch das wird vom Unternehmen als Rechtfertigung für Preiserhöhungen herangezogen. Ob ein Unternehmer aus der Logistikbranche nun besonders oft Hilfe bei der Formulierung oder Zusammenfassung literarischer Ergüsse benötigt, sei dahingestellt. Für die Funktion darf in Zukunft aber in jedem Fall gezahlt werden.
Microsoft greift zu
Wie das „Handelsblatt“ vorrechnet, steigen die Kosten für ein mittelständisches Unternehmen mit 1.000 Arbeitsplätzen, die mit Microsoft 365 E3 ausgestattet sind, in Zukunft um 36.000 auf dann 468.000 Dollar. Da Microsoft über etliche solcher Kunden verfügt, dürften die Umsätze einen hübschen Sprung machen. Der Softwarekonzern spielt damit seine Vorteile voll aus und folgt seiner klassischen Linie. Zuerst werden Marktanteile erobert und die Kunden an das Produkt gewöhnt, ehe die Preise munter ansteigen.
Aus Anlegersicht ist das im ersten Moment eine angenehme Angelegenheit, da Microsoft die eigenen Umsätze stärkt und damit auch die massiven Investitionen in KI besser rechtfertigen kann. Ungemütlich könnte es lediglich werden, sollten die Kartellbehörden genauer hinsehen oder die Kundschaft sich doch nach Alternativen umsehen. Für beides gibt es bislang aber keinerlei Anzeichen. Die Microsoft-Aktie legte am Freitag um 0,5 Prozent bis auf 483,16 Dollar zu.
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08.12.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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