Die Zahlen von Nestlé fallen besser als befürchtet aus und die Anleger scheinen wieder mehr an einen Turnaround glauben zu können
Ist Nestlé auf dem richtigen Weg?
Konsumunlust, hohe Kosten, ein Trend zu günstigeren Handelsmarken und zuletzt auch noch ein historischer Rückruf von Babynahrung in über 60 Ländern lasteten schwer auf dem Lebensmittelgiganten Nestlé. Nun stellte das Unternehmen die Zahlen für das vergangene Jahr vor, die hier und dort für etwas Erleichterung sorgen konnten.
Wirklich gut fielen die Zahlen von Nestlé (US6410694060) eher nicht aus. Der weltweit größte Lebensmittelhersteller hat zweifellos schon bessere Tage erlebt und mit den Umsätzen ging es letztlich abwärts. Dafür sorgte unter anderem der starke Schweizer Franken. Es musste ein Minus von zwei Prozent vermeldet werden, was den Jahresumsatz umgerechnet auf 98,4 Milliarden Euro beförderte. Auch an anderen Stellen musste ein Schrumpfkurs ausgewiesen werden.
Die operative Gewinnmarge fiel im Jahr 2025 von 17,2 auf nur noch 16,1 Prozent. Damit hatten Unternehmen und Anleger allerdings auch schon gerechnet. Umso mehr konnte man sich darüber freuen, dass das organische Wachstum bei 3,5 Prozent landete. Getrübt wird diese Kennziffer allerdings dadurch, dass der allergrößte Teil auf Preissteigerungen zurückzuführen ist. Auf das Mengenwachstum entfielen lediglich 0,8 Prozent. Unter dem Strich bleibt Nestlé damit gefühlt in der Stagnation hängen. Allerdings gilt für die Zukunft das Versprechen, mit einer Neuaufstellung genau das auch wieder ändern zu können.
Nestlé blickt nach vorn
Nestlé-CEO Philipp Navratil sprach von einem Wachstum, das im zweiten Halbjahr angezogen habe. Die Maßnahmen des Konzerns würden Wirkung zeigen, wenngleich noch einiges zu tun bleibe. Auch die Analysten zeigten sich nicht unbedingt euphorisch, aber zumindest erleichtert. Die (niedrigen) Erwartungen der Märkte konnten bei allen relevanten Kennzahlen übertroffen werden. Es scheint bei Nestlé also in die richtige Richtung zu gehen. Ein Verschlankung des Konzerns soll die Kosten senken und damit positive Entwicklungen verstärken.
Geplant ist unter anderem, dass Nestlé in Zukunft in die vier Produktgruppen Kaffee, Heimtierprodukte, Ernährung und Lebensmittel sowie Snacks aufgeteilt wird. Außerdem ist eine Zusammenführung der Bereiche Ernährung und Health Science angedacht, um dort Strukturen abbauen zu können. Im Zuge dessen entfällt künftig der Posten von Nestlé-Health-Science-Chefin Anna Mohl. Die Veränderungen sollen auch dabei helfen, das Portfolio zu entschlacken und damit den aufgeblasenen Kosten beikommen zu können. An den Märkten kommen die Pläne gut an.
Erleichtern will sich Nestlé zudem um die Sparten Eiscreme und Mineralwasser. Der Verkauf noch verbliebener Anteile aus dem Eiscreme-Joint-Venture soll sich wohl bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befinden. Der Verkauf oder zumindest die Auslagerung des Geschäfts mit Mineralwasser soll spätestens bis Jahresende über die Bühne gebracht werden. Auch solche Pläne helfen an der Börse dabei, wieder etwas optimistischer nach vorn blicken zu können. Mit leichterem Gepäck und schnellerer Reaktionsfähigkeit will Nestlé endlich zurück auf den Wachstumspfad finden.
Steigende Kurse
Noch handelt es sich dabei aber um eine eher vage Zukunftsvision. Um den Anlegern die Zeit bis dahin etwas zu versüßen, kündigte Nestlé eine Erhöhung der Dividende auf 3,10 Franken je Aktie an. Zusammen mit den etwas konkreteren Zukunftsplänen reichte das aus, um der Nestlé-Aktie am Donnerstag eine spürbare Erholung zu verschaffen. Der Kurs legte um 3,9 Prozent auf 81,43 Schweizer Franken zu. Die Ende Januar gestartete Erholung erhält damit noch etwas mehr Schwung.
Über den Berg ist Nestlé noch lange nicht und die eingangs erwähnten Faktoren bleiben weiterhin eine Belastung für den Konzern. Gelungen ist es jedoch, den Aktionären einen nachvollziehbaren Weg für die Zukunft zu vermitteln. Solange der Glauben darauf besteht, dass damit früher oder später eine Wende eingeläutet werden kann, steht dem Weg gen Norden an der Börse erstmal nichts im Weg. Doch das Potenzial für Rückschläge darf als nicht eben gering angesehen werden.
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20.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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