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Nintendo macht aus höheren Preisen einen Belastungstest

Switch 2 verkauft sich im zweiten Jahr solide, Software und digitale Erlöse ziehen an – doch der spektakuläre Gewinnsprung im ersten Quartal ist nicht so sauber, wie er zunächst wirkt

NTG24 - Nintendo macht aus höheren Preisen einen Belastungstest

 

Nintendo steht in einer ungewöhnlichen Phase seines Konsolenzyklus. Die Switch 2 ist längst kein Launch-Phänomen mehr, verkauft sich aber weiterhin stark genug, um den Übergang zur neuen Plattform zu tragen. Gleichzeitig erhöht der Konzern die Hardwarepreise und verdient immer stärker an Software, digitalen Verkäufen und seinen bekannten Marken. An der Börse entsteht daraus eine interessante Mischung: operative Erholung auf der einen Seite, steigende Kosten und ein anspruchsvoller Bewertungsrahmen auf der anderen.

Nintendo (JP3756600007) lieferte Anfang August Zahlen, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen. Der Quartalsumsatz sank um 9,5 % auf 517,8 Mrd. Yen, während das operative Ergebnis um 150,5 % auf 142,5 Mrd. Yen sprang. Die operative Marge erreichte damit außergewöhnliche 27,5 %. Genau diese Diskrepanz ist für Anleger wichtiger als die Schlagzeile über den Gewinnsprung.

Denn ein beträchtlicher Teil der Verbesserung stammt nicht aus einem plötzlich explodierenden Kerngeschäft. Nintendo verbuchte im Quartal rund 300 Mio. US-Dollar als Reduzierung der Umsatzkosten, nachdem zuvor gezahlte US-Zölle zurückerstattet worden waren. Zusätzlich half der schwache Yen dem operativen Ergebnis nach Unternehmensangaben mit rund 22,2 Mrd. Yen. Das Quartal war stark – aber seine Marge sollte nicht einfach in die Zukunft fortgeschrieben werden.

Auch der Aktienkurs spiegelt diese kompliziertere Lage wider. Nach den Zahlen setzte in Tokio eine deutliche Erholung ein. Am Freitag schloss der Titel allerdings bei 8.599 Yen und verlor gegenüber dem Vortag gut 2 %. Damit liegt Nintendo zwar deutlich über den Tiefständen vom Juni, aber weiterhin klar unter den hohen Kursniveaus zu Jahresbeginn. Der Markt beginnt also wieder, Switch 2 mehr zuzutrauen, ist aber noch weit von alter Euphorie entfernt.

 

Die wichtigste Zahl ist nicht der Gewinnsprung

 

Interessanter als die 150 % beim operativen Ergebnis ist die Veränderung im Umsatzmix. Switch-2-Hardware wurde im ersten Quartal 3,82 Mio. Mal ausgeliefert. Das waren erwartungsgemäß weniger als die 5,82 Mio. Geräte im außergewöhnlichen Launchquartal des Vorjahres. Nintendo selbst betont jedoch, dass die Entwicklung für das zweite Jahr einer Plattform weiterhin deutlich über dem damaligen Einführungspfad der ersten Switch liegt.

Zum 30. Juni waren weltweit bereits 23,68 Mio. Switch-2-Konsolen verkauft. Entscheidend ist nun, was Nintendo mit dieser installierten Basis verdient. Genau dort sehen die Zahlen besser aus: Die Switch-2-Softwareverkäufe stiegen im Quartal auf 9,46 Mio. Einheiten. Gleichzeitig verkaufte sich selbst Software für die alte Switch mit 33,81 Mio. Einheiten weiterhin überraschend stark.

Der ausführliche Q1-Bericht von Nintendo zeigt damit eine wichtige Entwicklung des Geschäftsmodells. Die neue Konsole muss nicht allein über immer höhere Stückzahlen funktionieren. Nintendo kann parallel die enorme installierte Basis der ersten Switch monetarisieren und Kunden schrittweise auf die neue Generation ziehen.

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Das funktioniert auch deshalb, weil Nintendo die Rückwärtskompatibilität strategisch nutzt. Rund 130 Mio. Spieler waren in den zwölf Monaten bis Ende Juni auf einer Switch oder Switch 2 aktiv. Diese Nutzerbasis ist der eigentliche Burggraben des Konsolenzyklus. Nintendo muss nicht jedes Gerät an einen neuen Kunden verkaufen, sondern möglichst viele bestehende Spieler im eigenen Ökosystem halten.

 

Digital wird für Nintendo finanziell immer wichtiger

 

Noch deutlicher wird die Verschiebung bei den digitalen Erlösen. Sie sprangen im Quartal um 90 % auf 132,7 Mrd. Yen. Ihr Anteil an den gesamten Softwareumsätzen der Spieleplattformen erreichte 61,5 %. Dazu gehören digitale Versionen klassischer Spiele, Download-Titel, Zusatzinhalte und Nintendo Switch Online.

Dieser Mix ist für die Profitabilität entscheidend. Hardware bleibt notwendig, um das Ökosystem zu vergrößern. Ökonomisch attraktiver wird eine Konsole aber erst durch Software, digitale Inhalte und wiederkehrende Nutzerbeziehungen. Genau deshalb ist es für Nintendo nicht zwangsläufig problematisch, wenn die Hardwareverkäufe im zweiten Switch-2-Jahr unter dem Launchniveau liegen.

Hinzu kommt ein Geschäftsbereich, der früher kaum ins Gewicht fiel. Die Erlöse aus IP-bezogenen Aktivitäten verdoppelten sich auf 34,8 Mrd. Yen. Ein wichtiger Treiber war der im April gestartete Super Mario Galaxy Movie, dessen weltweites Einspielergebnis laut Nintendo inzwischen die Marke von 1 Mrd. US-Dollar überschritten hat. Spiele bleiben das Zentrum des Konzerns, doch Mario, Zelda und andere Marken werden zunehmend auch außerhalb der Konsole monetarisiert.

 

Die Preiserhöhung ist keine Nebensache

 

Ausgerechnet in dieser Phase erhöht Nintendo die Preise. In Japan kostet die dortige Switch-2-Version seit Ende Mai 59.980 statt 49.980 Yen. Zum 1. September soll der Preis in den USA von 449,99 auf 499,99 US-Dollar steigen, in Europa im eigenen Nintendo Store von 469,99 auf 499,99 Euro.

Die angekündigte Preisanpassung ist deshalb ein wichtiger Test für die Stärke der Plattform. Nintendo berichtet bislang, dass sich die Hardware in Japan auch nach der Erhöhung solide verkauft. Für Europa und Nordamerika wird die Frage ab September noch relevanter: Bleibt die Nachfrage stabil, obwohl die Konsole teurer wird?

Hinter dem Schritt steckt nicht nur Preissetzungsmacht. Nintendo kalkuliert für das laufende Geschäftsjahr mit einer Belastung von rund 100 Mrd. Yen durch steigende Komponentenpreise, insbesondere Speicher, sowie Zölle. Der Konzern versucht damit, Teile des Kostendrucks abzufangen, ohne die Verbreitung der Switch 2 zu stark auszubremsen.

Das ist ein schmaler Grat. Eine Konsole lebt von ihrer installierten Basis. Zu hohe Preise können Hardwareverkäufe dämpfen und damit später auch Softwareumsätze kosten. Umgekehrt würde eine dauerhafte Subventionierung steigender Speicher- und Produktionskosten die Marge belasten. Nintendo muss deshalb nicht einfach möglichst viele Switch 2 verkaufen, sondern die wirtschaftlich richtige Balance finden.

 

Der Kurs handelt inzwischen wieder mehr Zukunft

 

Die Erholung seit den Quartalszahlen zeigt, dass Anleger diese Balance wieder etwas optimistischer beurteilen. Der Gewinnsprung hat Aufmerksamkeit geschaffen, wichtiger dürfte aber die Erkenntnis sein, dass der Switch-2-Zyklus trotz des schwächeren Hardwarevergleichs intakt ist.

Nach dem kräftigen Anstieg der vergangenen Wochen wird die Bewertung allerdings wieder anspruchsvoller. Wer Nintendo jetzt kauft, setzt nicht nur auf gute Spiele. Der Markt unterstellt zunehmend, dass Softwaremix, digitale Erlöse, Preiserhöhungen und IP-Geschäft den Margendruck aus höheren Hardwarekosten kompensieren können.

 

 

 

Die Prognose bleibt auffallend vorsichtig

 

Trotz des starken ersten Quartals hob Nintendo seine Jahresziele nicht an. Für das bis März 2027 laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern weiterhin 2,05 Bio. Yen Umsatz und 370 Mrd. Yen operativen Gewinn. Bei Switch 2 bleibt das Ziel bei 16,5 Mio. Hardwareeinheiten und 60 Mio. Softwareeinheiten.

Diese Zurückhaltung ist wichtig, weil sie den Quartalsgewinn relativiert. Nintendo weiß, dass die Tarifrückerstattung nicht wiederkehrend ist und dass höhere Speicherpreise sowie handelspolitische Belastungen die kommenden Quartale treffen können. Die Jahresprognose enthält diesen Gegenwind bereits teilweise.

Gleichzeitig hat Nintendo nach dem ersten Quartal bereits mehr als ein Fünftel des Hardwareziels erreicht. Die Verkaufsgeschwindigkeit ist deshalb nicht das unmittelbare Problem. Wichtiger wird die zweite Jahreshälfte mit dem Weihnachtsgeschäft und einem Spielekalender, der die neue Hardware dauerhaft attraktiv halten muss.

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Werbebanner EMH PM TradeHier hat Nintendo mehrere eigene Titel angekündigt. Fire Emblem: Fortune's Weave soll am 17. September erscheinen, Nintendo Switch Sports Resort folgt am 22. Oktober. Zudem ist eine neue Version von The Legend of Zelda: Ocarina of Time für dieses Jahr vorgesehen. Der Konzern versucht damit bewusst, die Veröffentlichungen über das Jahr zu verteilen, statt die Nachfrage an wenige große Launch-Titel zu hängen.

 

Nintendo wird weniger an Konsolen und mehr am Ökosystem gemessen

 

Der Switch-2-Zyklus ist nach dem ersten Jahr nicht zusammengebrochen. Das ist die wichtigste Botschaft der aktuellen Zahlen. Hardwareverkäufe normalisieren sich nach dem Launch, während Software, digitale Umsätze und IP-Erlöse an Bedeutung gewinnen. Genau diese Verschiebung kann Nintendo robuster machen als in früheren Konsolengenerationen.

Der extreme Gewinnanstieg des ersten Quartals sollte trotzdem nicht zum falschen Maßstab werden. Tarifrückerstattung und Wechselkurse haben das Ergebnis erheblich unterstützt, während steigende Speicherpreise bereits die nächste Belastung ankündigen. Die eigentliche Qualität des Geschäfts wird sich deshalb daran zeigen, wie gut Nintendo seine höheren Gerätepreise durchsetzt und gleichzeitig die Nutzerbasis groß hält.

Damit ist die Aktie nach ihrer Erholung wieder interessanter, aber nicht billig geworden. Nintendo muss keinen zweiten Launch-Hype erzeugen. Wertvoller wäre etwas Unspektakuläreres: ein mehrjähriger Switch-2-Zyklus, in dem Software, digitale Erlöse und die eigenen Marken schneller wachsen als die Kosten der Hardware. Genau darauf beginnt der Markt nach dem jüngsten Quartal wieder zu setzen.

 

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21.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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