Novo Nordisk hofft auf Erleichterung, auch für LVMH könnte es leichter werden, Entspannungen könnten SAP helfen, doch Porsche und Co. müssen weiter zittern
Donald Trump schäumt vor Wut und in Europa werden sich schon Chancen ausgerechnet
Der mehrheitlich konservative US Supreme Court sorgte am Wochenende für einen waschechten Paukenschlag. Die meisten der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle wurden für illegal erklärt, da Trump seine Befugnisse in den Augen der Richter wohl schwer überstrapaziert hat. Während das für große Verärgerung im Weißen Haus sorgt, feiert die Opposition die (noch) funktionale Gewaltenteilung und in Europa rechnen sich einige Unternehmen schon neue Chancen aus.
Profitieren könnten all jene, die besonders viel in die USA exportieren und vor Ort nur überschaubare oder gar keine Produktionskapazitäten vorweisen können. Dazu gehört unter anderem Novo Nordisk (DK0062498333), welches unter US-Zöllen bisher merklich zu leiden hatte. Euphorie kam bei den Anlegern aber noch nicht auf und die Aktie ging am Freitag 2,1 Prozent tiefer aus dem Handel. Zu Handelsschluss an den hiesigen Börsen konnte das Thema auch noch nicht vollständig verdaut werden.
Es ist eher nicht davon auszugehen, dass sich heute plötzlich große Kauflaune breitmacht. Denn die Entscheidung des Supreme Court sowie bereits aufflammende Forderungen für Rückzahlungen sind mit Vorsicht zu genießen. Donald Trump schäumt vor Wut und kündigte prompt neue weltweite Zölle an; zunächst in Höhe von zehn, später in Höhe von 15 Prozent. Die kann er allerdings nur für kurze Zeit aufrechterhalten, ehe der Senat darüber entscheiden muss. Was bleibt, ist vor allem viel Unsicherheit.
Befreiungsschlag für LVMH?
Das gilt gleichermaßen für die Aktie von LVMH (FR0000121014), doch dort scheinen die Anleger optimistischer mit der Lage umzugehen. Das mag auch daran liegen, dass der Luxuskonzern für viele seiner Produkte überhaupt keine Produktionskapazitäten in den USA vorweisen kann. Es wäre auch herrlich sinnbefreit, Champagner in den Rocky Mountains herstellen zu wollen. Ohne Zölle könnten auch die US-Amerikaner wieder etwas mehr Geld in der Tasche haben, was das Interesse für Luxus natürlich potenziell steigert.
Die Aktie des französischen Unternehmens konnte sich am Freitag um über vier Prozent in Richtung Norden kämpfen und damit nach einer längeren Durststrecke endlich wieder positive Signale hinterlassen. Fraglich ist allerdings, wie lange die gute Laune anhalten mag. Denn an Trumps Fetisch für Zölle hat sich nichts geändert und er wird in den kommenden Wochen wahrscheinlich sämtliche Möglichkeiten ausschöpfen, um solche doch noch durchsetzen zu können – vielleicht sogar noch rabiater als zuvor.
SAP: Endlich Ruhe?
Als Software-Hersteller ist SAP (DE0007164600) von Zöllen bestenfalls indirekt betroffen. Helfen würde es dem Unternehmen aber allemal, sollte auf der politischen Bühne wieder etwas mehr Ruhe herrschen. In Europa bemüht man sich, nach der Entscheidung des Supreme Court keine Schadenfreude erkennen zu lasse, würde dies Trump doch nur noch mehr provozieren. Stattdessen gibt es Aufrufe zu Dialog und mehr Zusammenarbeit.
Genau das würde auch den Anteilseignern von SAP gut schmecken. Denn mehr Für- und weniger Gegeneinander würde endlich für ein entspannteres Verhältnis und weniger Unsicherheiten sorgen. Gut möglich, dass damit weitere Chancen auf dem wichtigsten Wachstumsmarkt des Softwarekonzerns ausgeschöpft werden könnten. Darauf scheint der eine oder andere zu setzen, sodass die SAP-Aktie um 1,8 Prozent auf 173,80 Euro zulegen konnte. Allerdings sollten auch hier noch nicht vorschnell die Sektkorken knallen.
Porsche AG und Co. bleiben außen vor
Für große Erleichterung sorgte die Aussicht auf wegfallende Zölle unter den Autobauern. Insbesondere Hersteller, die nicht in den USA produzieren, marschierten in den grünen Bereich. Die Aktie der Porsche AG (DE000PAG9113) legte beispielsweise um 1,8 Prozent auf 42,34 Euro zu. Doch die Vorfreude kommt hier deutlich verfrüht, denn tatsächlich hat sich für den Autosektor erstaunlich wenig geändert. Es bleibt bei den zuletzt zwischen den USA und der EU vereinbarten Zölle in Höhe von 15 Prozent.
Einige Akteure in der europäischen Politik sehen für das Abkommen zwar keine Grundlage mehr und fordern daher Nachverhandlungen. Festzuhalten ist für den Moment aber, dass die Zölle gegen Autobauer von der Entscheidung des Supreme Court nicht tangiert werden. Denn für jene berief sich Trump auf die Section 232 des Trade Expansion Act, nicht auf den vom obersten Gericht beanstandeten International Emergency Eceonomic Powers Act. Darauf weist das „Handelsblatt“ in einem Artikel hin. Porsche muss also weiter Zölle zahlen und kann auf keine schnelle Entspannung auf dem US-Markt hoffen.
Unberechenbar
Der Supreme Court hat Donald Trump eine klare Niederlage eingebrockt. Doch bleibt weiterhin unvorhersehbar, wie es nun weitergehen mag. Dabei stellt sich leider auch die Frage, wie weit Trump sich an Gesetze zu halten gedenkt und welche Ideen ihm noch einfallen mögen. Im Weißen Haus scheint wieder einmal Chaos zu herrschen. Von den neuerlichen Zöllen zeigten sich selbst einige Regierungsmitarbeiter laut Medienberichten überrascht. Anleger können sich nur auf wenig verlassen und sollten vielleicht vorsichtig mit (vor-)schnellen Reaktionen sein.
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23.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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