Nvidia: Q2-Prognose entscheidet, nicht das 1. Fiskalquartal
Nvidias Ausblick aufs 2. Fiskalquartal entscheidet, nicht der Bericht selbst
Nvidia legt am Mittwochabend nach US-Börsenschluss den Bericht zum 1. Fiskalquartal 2027 vor. Das Unternehmen hat selbst einen Umsatz von 78 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt - einen Rekord, der vom Konsens an der Wall Street (natürlich) übertroffen wird. Die eigentliche Hürde liegt jedoch nicht im Quartalsausweis, sondern in der Prognose für das laufende 2. Fiskalquartal. Liegt sie unter 86 Mrd. US-Dollar, drohen Gewinnmitnahmen - auch wenn die aktuellen Zahlen für sich genommen makellos wären.
Nvidia ist Opfer des eigenen Erfolgs. In den vergangenen vier Quartalen hat Jensen Huang die Erwartungen der Analysten jedes Mal übertroffen - und in drei dieser vier Fälle wurden die Aktien dennoch unmittelbar nach den Zahlen verkauft. Der Grund ist immer derselbe: Die offiziellen Konsensschätzungen sind nicht mehr das, woran sich die grossen Adressen orientieren. Ihre internen Erwartungen liegen über dem veröffentlichten Konsens, und an dieser Lücke entscheidet sich der Kurs in der Mittwochnacht.
Werfen wir einen Blick auf die Ausgangslage. Im abgeschlossenen 4. Fiskalquartal 2026 hatte Nvidia (US67066G1040) einen Umsatz von 68,13 Mrd. US-Dollar gemeldet - ein Plus von 73 % gegenüber dem Vorjahresquartal und 20 % sequenziell. Der „bereinigte" Gewinn je Aktie lag bei 1,62 US-Dollar. Die Rechenzentren-Sparte allein erlöste 62,31 Mrd. US-Dollar und macht damit über 91 % des Konzernumsatzes aus. Für den anstehenden Bericht zum 1. Fiskalquartal 2027 hatte Nvidia einen Umsatz von 78,0 Mrd. US-Dollar (plus/minus 2 %) prognostiziert und dabei explizit jeden Beitrag aus dem chinesischen Rechenzentrengeschäft ausgeschlossen. Der offizielle Konsens liegt bei 78,8 Mrd. US-Dollar, also bereits am oberen Rand der Unternehmensprognose. Goldman Sachs (US38141G1040) taxiert sogar 80 Mrd. US-Dollar. Die Aktien spiegeln diese Erwartungshaltung wider und kletterten in den vergangenen zwölf Monaten um 77 %, allein im laufenden Monat um 20 % auf zuletzt rund 236 US-Dollar.
Die Q2-Prognose entscheidet, nicht das 1. Fiskalquartal
Genau hier liegt der wunde Punkt, der die Kursreaktion bereits am Mittwochabend dominieren wird. Eine Umsatzzahl von 79 oder 80 Mrd. US-Dollar im 1. Fiskalquartal - und damit ein Übertreffen sowohl der eigenen Prognose als auch des Konsenses - ist nach drei Jahren AI-Boom nicht mehr die Sensation, die sie einmal war. Die Börse erwartet sie. Was die Wall Street braucht, ist eine angehobene Prognose für das 2. Fiskalquartal deutlich oberhalb von 86 Mrd. US-Dollar. Liegt die Prognose darunter, liest der Markt das als beginnende Verlangsamung - auch wenn das Wachstum in absoluten Zahlen weiterhin gigantisch wäre. Doch: Die Bullen haben gute Argumente. Die Hyperscaler - Alphabet (US02079K1079), Microsoft (US5949181045), Amazon (US0231351067) und Meta Platforms (US30303M1027) - haben für 2026 Investitionszusagen von mehr als 700 Mrd. US-Dollar in den Markt kommuniziert. Hinzu kommt: Microsoft, Alphabet und Meta haben ihre Jahresprognosen sogar nach oben revidiert. Der Auftragstrichter ist gut gefüllt; die Frage ist nur, wie schnell Nvidia diesen Trichter in tatsächlich gebuchten Umsatz übersetzen kann.
Wer auf den freien Cashflow schaut - und das sollte man immer - sieht ein Unternehmen, das seine Erträge nahezu vollständig in Bargeld umsetzt. Eine operative Marge von über 60 %, eine „bereinigte" Bruttomarge von rund 75 % und eine Nettokasse von 51 Mrd. US-Dollar sprechen für sich. Das ist nicht die Bilanz eines Konzerns am Ende eines Zyklus, sondern eines, das gerade die zweite Generation seiner Architektur ausrollt. Die Blackwell-Plattform trug zuletzt rund 70 % des Rechenzentren-Umsatzes bei, der GB300 Ultra wechselt im laufenden Quartal von der Mustererprobung in die Serienproduktion, und für das zweite Kalenderhalbjahr 2026 steht der Übergang auf die Rubin-Generation an, die Jensen Huang mit einer bis zu zehnfachen Effizienzsteigerung gegenüber Blackwell bewirbt. Risiken gibt es dennoch zur Genüge. Der China-Vorbehalt bleibt; das Rechenzentrengeschäft mit der Volksrepublik wurde durch die Exportkontrollen vom April 2025 faktisch auf null gestellt, und eine geordnete Rückkehr ist nicht in Sicht. Hinzu kommt die wachsende Konkurrenz durch Broadcom (US11135F1012) mit kundenspezifischen Chip-Lösungen und der schleichende Versuch der grossen Hyperscaler, sich mit eigenem Silizium unabhängiger zu machen. All das ist im Kurs eingepreist - aber eben nicht mehr als das.
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19.05.2026 - Mikey Fritz

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