als .pdf Datei herunterladen

Palladium bleibt im Edelmetall-Schub zurück

Der schwächere Dollar stützt den Preis, doch hohe Langfristrenditen und ein entspannterer fundamentaler Ausblick begrenzen den Hebel gegenüber Gold und Platin

NTG24 - Palladium bleibt im Edelmetall-Schub zurück

 

Die stärkste Aussage des Freitags steckt nicht im Pluszeichen, sondern im Abstand zu den übrigen Edelmetallen. Während Gold, Silber und vor allem Platin deutlich zulegten, fiel der Anstieg bei Palladium vergleichsweise klein aus. Der gemeinsame Rückenwind aus dem schwächeren US-Dollar erreicht den Markt – er trifft dort jedoch auf eine wesentlich schwerere fundamentale Ausgangslage.

Für Palladium (TVC:PALLADIUM) nannte Reuters am US-Vormittag einen Spotpreis von 1.342,30 US-Dollar je Feinunze und ein Tagesplus von 0,6 Prozent. Gleichzeitig lag Gold rund 1,6 Prozent höher, Silber gewann annähernd zwei Prozent und Platin sogar 3,8 Prozent. Alle vier Metalle steuerten zwar auf einen Wochengewinn zu, innerhalb dieses gemeinsamen Aufwärtsimpulses blieb Palladium jedoch klar zurück.

Auch die späteren Kursanzeigen mahnen dazu, bei Palladium nicht mit einer einzigen scheinbar exakten Spotnotierung zu arbeiten. Kitco zeigte um 11:41 Uhr New Yorker Zeit einen Geldkurs von 1.319 US-Dollar und einen Briefkurs von 1.359 US-Dollar. Die dort ausgewiesene Tagesspanne reichte von 1.305 bis 1.389 US-Dollar. Der ungewöhnlich breite Abstand zwischen Geld- und Briefseite erklärt zugleich, warum einzelne Spotquellen am selben Vormittag deutlich voneinander abweichende Werte zeigen können.

 

Ein schwacher Dollar reicht diesmal nicht

 

Normalerweise liefert eine deutliche Dollarabwertung den in US-Dollar gehandelten Edelmetallen einen gut sichtbaren Impuls. Genau dieser Effekt war am Freitag vorhanden. Der Dollarindex fiel nach Angaben von Reuters zum Devisenmarkt bis auf 98,79 Punkte und bewegte sich damit nahe einem Dreimonatstief. Hintergrund sind Zweifel daran, ob die ausgeweiteten Rückkäufe länger laufender US-Staatsanleihen das Problem steigender Finanzierungskosten tatsächlich lösen oder stattdessen das Vertrauen in die US-Währung zusätzlich belasten.

Anzeige:

Werbebanner EMH PM TradeFür Palladium besitzt die andere Seite dieser Entwicklung allerdings mehr Gewicht als für Gold. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte zeitweise etwa 5,34 Prozent und damit ein Niveau, das zuletzt 2007 gesehen worden war. Hohe langfristige Finanzierungskosten wirken nicht nur über die Opportunitätskosten von Edelmetallen. Sie treffen zugleich Autokredite, Herstellerfinanzierung und Investitionen in einer Branche, aus der noch immer der größte Teil der Palladiumnachfrage stammt. Ein schwächerer Dollar und steigende Finanzierungskosten senden deshalb für dieses Metall gegensätzliche Signale.

 

Im Terminmarkt bleibt der September-Kontrakt der relevante kurzfristige Referenzpunkt. Die CME Group führt den Palladiumhandel an der NYMEX; dynamische und verzögerte Datenfeeds zeigten während des späten europäischen Nachmittags Notierungen im oberen Bereich der 1.340er US-Dollar. Da die abrufbaren Futures-Daten unterschiedliche Zeitstempel aufwiesen, wird bewusst kein einzelner Intradaywert als verbindlicher Schluss- oder Settlementkurs dargestellt.

 

 

 

Knappere Minenproduktion bedeutet noch keinen knappen Markt

 

Genau hier unterscheidet sich Palladium derzeit deutlich von Platin. Der aktuelle PGM-Marktausblick von Johnson Matthey rechnet 2026 mit einem Rückgang der gesamten Palladiumnachfrage um neun Prozent. Belastend wirken vor allem eine geringere Produktion benzinbetriebener Fahrzeuge und negative ETF-Nachfrage zu Jahresbeginn. Gleichzeitig erholt sich das Autokatalysator-Recycling, weil die höheren PGM-Preise wieder mehr Altmaterial in die Verarbeitung bringen. Nach vielen Jahren struktureller Defizite hält Johnson Matthey deshalb erstmals einen kleinen Palladiumüberschuss für möglich.

Diese Einschätzung ist nicht unumstritten, doch selbst die deutlich palladiumfreundlichere Analyse des weltgrößten Produzenten zeichnet keinen akuten Engpass. Nornickel erwartet für 2026 einen Rückgang der automobilen Palladiumnachfrage um zwei Prozent auf 7,4 Millionen Unzen. Gleichzeitig soll die übrige industrielle Nachfrage um fünf Prozent auf 1,6 Millionen Unzen steigen. Auf der Angebotsseite prognostiziert das Unternehmen eine globale Minenproduktion von 6,1 Millionen Unzen, zwei Prozent weniger als im Vorjahr, während das Recycling um sieben Prozent auf 3,2 Millionen Unzen steigen soll.

In Nornickels Bilanz stehen damit rund 9,4 Millionen Unzen Angebot einer industriellen Nachfrage von 9,1 Millionen Unzen gegenüber. Erst wenn zusätzlich etwa 0,3 Millionen Unzen Investmentbestände aufgebaut werden, nähert sich der Markt dem Gleichgewicht. Johnson Matthey kommt mit anderen Annahmen zu einem kleinen Überschuss. Die Prognosen unterscheiden sich im Umfang, nicht jedoch in ihrer Kernbotschaft: Anders als in früheren Jahren wird Palladium 2026 nicht selbstverständlich durch ein großes strukturelles Angebotsdefizit getragen.

Hinzu kommt, dass ein im Frühjahr intensiv gehandeltes Versorgungsrisiko inzwischen verschwunden ist. Das US-Handelsministerium hatte zwar sehr hohe Anti-Dumping- und Ausgleichszölle auf russisches Rohpalladium ermittelt. Die US International Trade Commission entschied am 29. Mai jedoch, dass die amerikanische Industrie durch diese Einfuhren weder materiell geschädigt noch bedroht werde. Deshalb werden die entsprechenden Zollanordnungen nicht erlassen. Ein abruptes Abschneiden russischer Lieferungen vom US-Markt, das zeitweise als möglicher Preistreiber galt, steht damit nicht mehr im Basisszenario.

Anzeige:

Banner TradingView

 

Die Tagesspanne zeigt mehr Widerstand als Ausbruch

 

Technisch hinterlässt der Freitag deshalb ein zweigeteiltes Bild. Die Erholung vom Kitco-Tagestief bei 1.305 US-Dollar belegt, dass Käufer auf niedrigeren Niveaus vorhanden sind. Gleichzeitig konnte sich der Markt trotz des ausgesprochen schwachen Dollars nicht dauerhaft in der Nähe des Tageshochs von 1.389 US-Dollar festsetzen. Die beiden Bereiche um 1.305 und knapp 1.390 US-Dollar sind damit zunächst Intraday-Referenzen und keine bestätigten mittel- oder langfristigen Unterstützungen beziehungsweise Widerstände.

Gerade der Vergleich mit Platin macht die Marktlogik sichtbar. Beide Metalle profitieren von einem schwächeren Dollar und beide verfügen über Risiken auf der Minenseite. Platin verbindet diese Faktoren derzeit jedoch mit einer klareren Defizitgeschichte. Palladium muss dagegen gegen sinkende Autonachfrage, zunehmendes Recycling und die Aussicht auf einen weitgehend ausgeglichenen Markt ansteigen. Deshalb reicht derselbe makroökonomische Impuls am Freitag nur für einen deutlich kleineren Preishebel.

Das Wochenplus bleibt damit bestehen, doch der Freitag liefert keinen überzeugenden Beleg für einen eigenständigen Palladiumausbruch. Vielmehr zeigt die relative Schwäche innerhalb eines starken Edelmetalltages, dass die Preisbildung weiterhin zwischen Währungsunterstützung und einem Marktgleichgewicht eingeklemmt ist, das wesentlich weniger knapp erscheint als noch in den langen Defizitjahren zuvor.

Stand: Freitagabend, 21.08.2026, gegen 18:05 Uhr MESZ. Der US-Terminhandel an der NYMEX war zum Zeitpunkt der Erstellung noch nicht abgeschlossen; ein endgültiger Schlusskurs beziehungsweise ein offizielles Settlement des September-Palladium-Futures lag noch nicht vor.

 

Palladium - kaufen oder verkaufen?

 

Die neuesten Entwicklungen bei Palladium sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Anleger. Lohnt sich aktuell ein Einstieg bei Palladium oder sollten Sie lieber verkaufen?

Konkrete Analysen und Empfehlungen zu Palladium - hier den Zürcher Goldbrief kostenlos downloaden...

 

21.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

Auf Twitter teilen     Auf Facebook teilen


Informiert bleiben - Wenn Sie bei weiteren Nachrichten und Analysen zu einem in diesem Artikel genannten Wert oder Unternehmen informiert werden möchten, können Sie unsere kostenfreie Aktien-Watchlist nutzen.








Ihre Bewertung, Kommentar oder Frage an den Redakteur


Bitte geben Sie die Anzahl der unten gezeigten Eurozeichen in das Feld ein.
>

 



 

 

Haftungsausschluss - Die EMH News AG übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Empfehlungen sowie für Produktbeschreibungen, Preisangaben, Druckfehler und technische Änderungen. (Ausführlicher Disclaimer)