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Moderna erlebt eine radikale Neubewertung

Positive Phase-3-Daten beim Melanom lassen die Aktie explodieren – doch nach dem Kurssprung muss die personalisierte Krebstherapie erst ihren kommerziellen Wert beweisen

NTG24 - Moderna erlebt eine radikale Neubewertung

 

Moderna hat innerhalb weniger Stunden eine neue Börsengeschichte bekommen. Nicht Covid, RSV oder der gerade zugelassene Grippeimpfstoff bestimmen plötzlich die Bewertung, sondern Krebs. Positive Phase-3-Daten für die gemeinsam mit Merck entwickelte individualisierte mRNA-Therapie Intismeran lösten einen der heftigsten Kurssprünge aus, den ein großer US-Biotechwert seit Jahren gesehen hat. Genau diese Euphorie macht den Titel nun aber schwieriger statt einfacher.

Moderna (US60770K1079) sprang am Mittwoch um rund 177 % nach oben. Einen Tag später folgte bereits eine kräftige Gegenbewegung. Das ist mehr als gewöhnliche Biotech-Volatilität: Die Börse versucht innerhalb weniger Handelstage einzupreisen, wie viel ein möglicher Durchbruch der mRNA-Technologie in der Krebsmedizin tatsächlich wert sein könnte.

 

Intismeran verändert die Moderna-Story

 

Der Auslöser ist die Phase-3-Studie INTerpath-001. Intismeran autogene wurde zusammen mit Mercks Keytruda bei Patienten mit vollständig entferntem Melanom der Stadien IIB bis IV getestet. Die Kombination erreichte sowohl den primären Endpunkt des rezidivfreien Überlebens als auch den wichtigen sekundären Endpunkt des fernmetastasenfreien Überlebens.

Damit hat die Therapie erstmals in einer großen zulassungsrelevanten Studie gezeigt, dass der personalisierte mRNA-Ansatz über Keytruda allein hinaus einen klinisch relevanten Nutzen bieten kann. Moderna bezeichnet die Ergebnisse in seiner Einordnung der Phase-3-Daten entsprechend als entscheidenden Meilenstein. Neue Sicherheitssignale wurden bislang nicht gemeldet.

Für Anleger liegt die größere Bedeutung jedoch jenseits des Melanoms. Moderna und Merck untersuchen Intismeran bereits in mehreren weiteren Tumorarten. Funktioniert das Prinzip auch dort, würde aus einem einzelnen Krebsmedikament möglicherweise eine neue therapeutische Plattform. Genau diese Option hat die Börse mit dem extremen Kurssprung vorweggenommen.

Der Haken: Die vollständigen Phase-3-Daten sind noch nicht veröffentlicht. Erst mit der detaillierten Präsentation werden Größenordnung des Vorteils, Subgruppen, Sicherheit und statistische Robustheit genauer beurteilt werden können. Nach einer Kursverdopplung reicht die Meldung „Endpunkte erreicht“ deshalb nicht dauerhaft aus.

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Das operative Geschäft bleibt deutlich schwächer als der Aktienkurs

 

Der Kontrast zur aktuellen Finanzlage könnte kaum größer sein. Im zweiten Quartal erzielte Moderna lediglich 145 Mio. US-Dollar Umsatz und verbuchte einen Nettoverlust von rund 800 Mio. US-Dollar. Ende Juni lagen Cash, liquide Mittel und Investments bei 6,9 Mrd. US-Dollar. Anschließend zahlte Moderna im Juli zusätzlich 950 Mio. US-Dollar im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit.

Der Q2-Bericht zeigt allerdings Fortschritte auf der Kostenseite. Moderna senkte seinen erwarteten operativen Aufwand für 2026 erneut und rechnet zum Jahresende mit 4,7 bis 5,2 Mrd. US-Dollar an Cash und Investments. Trotzdem bleibt klar: Die neue Milliardenbewertung der Krebsplattform trifft auf ein Unternehmen, das aktuell noch erheblich Geld verbraucht.

 

 

 

mFLUSIVA zeigt, dass die Plattform mehr als Covid kann

 

Fast untergegangen ist in der aktuellen Krebs-Euphorie ein zweiter wichtiger Fortschritt. Anfang August genehmigte die FDA mit mFLUSIVA den ersten mRNA-basierten saisonalen Grippeimpfstoff für Menschen ab 50 Jahren. Für Moderna ist es inzwischen das fünfte zugelassene Produkt.

Die FDA-Zulassung von mFLUSIVA stärkt das Argument, dass die mRNA-Plattform über Covid hinaus kommerziell einsetzbar ist. Gleichzeitig zeigt der Rückschlag beim Norovirusprogramm, dessen Phase-3-Studie bei einer Zwischenanalyse die Kriterien für einen vorzeitigen Erfolg verfehlte, wie selektiv Anleger die Pipeline bewerten müssen.

Nach dem historischen Kurssprung ist Moderna deshalb keine klassische Turnaround-Aktie mehr. Der Markt handelt jetzt die Möglichkeit, dass aus der mRNA-Technologie eine ernsthafte Onkologieplattform entsteht. Die Phase-3-Daten liefern dafür erstmals sehr starke klinische Unterstützung. Ob der jüngste Bewertungsaufschlag gerechtfertigt ist, entscheidet sich jedoch erst mit den vollständigen Daten, dem regulatorischen Weg und vor allem der Frage, ob Intismeran seinen Erfolg über Melanome hinaus wiederholen kann.

 

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21.08.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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