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PayPal: VERKAUFEN – Crash in wachsender Fragwürdigkeit der Strategiekonzepte und Perspektiven völlig angemessen

Vorstandspräsentation zum 4. Quartal sehr bedenklich

NTG24 - PayPal: VERKAUFEN – Crash in wachsender Fragwürdigkeit der Strategiekonzepte und Perspektiven völlig angemessen

 

Nach ihrer schlichtweg desaströsen gestrigen nachbörslichen Präsentation des enttäuschenden Zahlenwerks zum 4. Quartal sowie ihrer damit verbundenen Absenkung des Ausblicks für das Gesamtjahr 2022 wie aber selbst auch der Streichung ihres bisherigen 2025er Langfristziels der aktiven Kontenanzahl kollabiert die Aktie des weltgrößten Online-Zahlungsdienstleisters PAYPAL begleitet von Serie massiver Analysten-Downgradings heute an der Nasdaq völlig zu Recht um rd. - 25 % auf nur noch rd. 132 USD.

Die Aktie von PAYPAL (US70450Y1038) dürfte damit nach unserer Erwartung kurzfristig nun im mindesten Fall weiter ihre derzeitige seit April 2017 etablierte Aufwärtstrendunterstützung bei nur noch rd. 110 USD in Angriff nehmen, so dass sich unsere bereits im Oktober 2021 getroffene Entscheidung, die Aktie entgegen dem damals noch weit positiveren Analystenkonsens nach dem wesentlichsten Aufwärtstrendbruch und einer sich zunehmend abzeichnenden Geschäftsabflachung noch zu einem damaligen Kurs von 242 USD aus all unseren Strategie-/Themendepots zu veräußern, im Nachhinein als goldrichtig erwies.

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Werbebanner ClaudemusIm 4. Quartal erreichte PayPal mit einem Umsatzanstieg um + 13 % gegenüber dem Vorjahr auf 6,92 Mrd. USD sowie einem nur knapp + 3 %igen Non GAAP-Nettogewinnanstieg auf 1,11 USD je Aktie zwar gerade so eben noch die Analystenkonsensschätzungen, jedoch wurde der klare, vor allem marketingbedingte Margendruck des 4. Quartals auch noch von einer überaus enttäuschenden Anzahl nur 9,5 Mio. aktiven Netto-Neukonteneröffnungen im 4. Quartal begleitet, was damit einen gewaltigen Rückgang um fast - 30 % gegenüber dem 3. Quartal darstellte.

Hierbei schloss PayPal allein im 4. Quartal auch noch zu jeglicher Negativüberraschung nicht weniger als 4,5 Mio. offenbar allein in betrügerischer Internetmanipulations-Absicht von Roboter-Systemen (Bots) eröffnete „Fake-Konten“ ohne jeglichen realen Kundentransaktionsbezug, was ebenfalls ein mehr als schlechtes Licht auf die tatsächlichen realen Neukundengewinnungs-Erfolge von PayPal warf.

 

Konjunkturelle Gründe für verfehlte Erwartungen nachvollziehbar, aber Politikversagen?

 

Darüber hinaus war es zwar nachvollziehbar, dass der Vorstand von PayPal in seiner mehr als bescheidenen Ergebnispräsentation durch CEO Schulman und CFO Rainey für die Verfehlung auch der eigenen internen Kundengewinnungsziele vor allem das durch die Omikron-Verstärkung der Corona-Pandemie wie auch den explosionsartigen Inflationsanstieg rückläufige Ausgabe- und Kontenneueröffnungsverhalten von Privatkunden anführte, ebenso wie die Tatsache, dass vor allem anhaltende Lieferkettenstörungen gleichzeitig das gewerbliche eCommerce-Kontengeschäft von PayPal stärker dämpften als dies der Konzern zuvor erwartet hatte.

Dass darüber hinaus CFO Rainey für die enttäuschende Geschäftsentwicklung aber ausgerechnet auch noch den völlig absurden und eher gegenteilig zutreffenden politischen Hintergrund anführt, auch ein “Defizit von Konjunkturstimulierungsmaßnahmen durch die US-Regierung“ habe im 4. Quartal zu der Verfehlung der konzerneigenen Geschäftserwartungen beigetragen, ist an Peinlichkeit und Disqualifikation dieser Vorstandsäußerungen von PayPal unseres Erachtens kaum noch zu überbieten, und dass daraufhin die Aktie wohl gerade von professionellen US-Investoren heute sicher noch extra mit weiteren Positionsauflösungen sowie Preisabschlägen bedacht wurde, dürfte sehr nahe liegen.

War also diese Ergebnispräsentation von PayPal zum 4. Quartal nicht schon bedenklich genug, so setzte die hieran auch gleich anschließende Absenkung der Konzernerwartungen für das Gesamtjahr 2022 und selbst auch die komplette Streichung der langfristigen Kontenanzahl-Projektion für 2025 dieser Quartalsergebnisvorlage in negativer Hinsicht nun jedoch die absolute Krone auf.

 

Absenkung des Ausblicks für 2022, Streichung des Kundenkonten-Ziels für 2025

 

So erwartet PayPal für das Gesamtjahr 2022 vor allem in noch längerfristig erwartetem Fortbestand des vor allem durch anhaltend hohe Inflationsraten wie auch fortgesetzter Lieferkettenstörungen beeinträchtigen Geschäftsumfelds nun in diesem Jahr gerade noch einmal lediglich eine Nettogewinnung von nur ca. 15 – 20 Mio. Neukunden, was gegenüber den noch im November 2021 in Aussicht gestellten und auch von den Analysten daher bisher veranschlagten Nettogewinnungen von ca. 50 (!) Mio. Neukunden schon als ein regelrechter Offenbarungseid anzusehen ist.

Völlig folgerichtig stutzte PayPal ihre Ergebnisprognosen für das laufende 1. Quartal 2022 daher im Umsatz nun gleichfalls auf eine voraussichtliche Wachstumsrate von nur noch ca. + 6 % gegenüber dem Vorjahr zurück (bisheriger Analystenkonsens: ca. + 11,8 %), begleitet von einem voraussichtlich erheblichen Non GAAP-Nettogewinnrückgang um knapp - 30 % auf nur noch 0,87 USD je Aktie (bisheriger Analystenkonsens: 1,16 USD je Aktie).

Und auch ihre Projektionen für das Gesamtjahr 2022 passt PayPal nun in entsprechendem Ausmaß nach unten an. So wird für 2022 nun ein Umsatzwachstum nur noch in einer Spanne von ca. 15 – 17 % erwartet (bisheriger Analystenkonsens ca. + 18 %), während bei völlig unverändert stark fortbestehendem Margendruck der mögliche Nettogewinnanstieg nun nur noch bestenfalls auf ca. + 3,5 %, nämlich auf eine Spanne von ca. 4,60 – 4,75 USD je Aktie veranschlagt wird (bisheriger Analystenkonsens: 5,25 USD je Aktie).

Und sogar auch für 2025 streicht PayPal nun ihr Langfristziel, einen Bestand von 750 Mio. aktiven Kundenkonten zu erreichen vollständig und ohne bisher eine alternative Projektion hierfür abzugeben, was bei einer Ende 2021 erreichten Anzahl von erst 426 Mio. aktiven Kundenkonten sicher auch durchaus angebracht ist.

 

Forcierter Kundengewinnungs-Wettbewerb immer maßloser und margenzehrender

 

Zu dieser Vorsicht, was die Aussicht auf weitere Kundengewinnungen angeht, mag PayPal neben dem von ihr weiterhin als geschäftsabträglich eingeschätzten Lieferketten- und Konsumausgabe/-Verhaltens-Umfeld, sicher auch die Tatsache veranlasst haben, dass gerade in den USA unter fast allen Online-Zahlungsabwicklern seit Monaten immer mehr die Marketingmasche grassiert, Neukunden möglichst stark durch immer aggressivere sog. „Buy Now Pay Later (BNPL)“-Kontoangebote zu ködern, also von Vorneherein möglichst stark zu Kreditkäufen zu animieren, was in den USA nun bereits die nationale Verbraucher- und Finanzschutzaufsicht (CFPB) mit der massiven Drohung auf den Plan gerufen hat, diesem aus ihrer Sicht mittlerweile immer stärker „wettbewerbsmissbräuchlichen und verbraucherfeindlichen“ Treiben der jeweiligen Online-Zahlungsabwickler künftig konsequent einen Riegel vorschieben oder dies auch notfalls ganz verbieten zu wollen.

Auch die weitere zuletzt geäußerte Absicht von PayPal, neben ihrer mittlerweile auch flächendeckenden Akzeptanz von allen geläufigsten Kryptowährungen gegebenenfalls selbst auch die künftige Auflegung einer eigenen Kryptowährung „Stablecoin“ (mit direkter Kopplung an den US-Dollar) ins Auge zu fassen und damit auch in direkte Konkurrenz zu den bisher etablierten Kryptowährungen zu treten (siehe hierzu unseren jüngsten Bericht), stufen wir - nicht weniger auch als die vorgenannte immer stärker ausufernde BNPL-Angebots-Hype unter den US-Zahlungsabwicklern - als untrügliche Indizien dafür ein, dass zumindest in den USA mittlerweile längst eine regelrechte und immer abstruser werdende „Schlacht“ um möglichst starke Onlinezahlungs-Kundengewinnungen entbrannt ist, die sich für PayPal unseres Erachtens auch weiterhin zunehmend margenschädlich auswirken dürfte, sollte sie derart forciert weiter fortgesetzt werden.

Ganz abgesehen davon stufen wir natürlich die Idee von PayPal, künftig eine eigene Kryptowährung „Stablecoin“ mit Kopplung / Peg an den US-Dollar (!!) einführen zu wollen, als eine absolut unausgegorene und sicherlich völlig illusorische Phantasie des derzeitigen Vorstands an, die wie auch die gestrige Ergebnispräsentation unseren Eindruck von dessen zunehmender strategischer Konzeptionslosigkeit, um nicht zu sagen Panik, nur nochmals unterstreicht. Denn es steht für uns völlig außer Frage, dass die FED als oberster Währungshüter der USA die Entwicklung einer auch noch fest an den US-Dollar gekoppelten Kryptowährung, damit also den faktischen Aufbau eines direkten Krypto-Parallelwährungssystems zum US-Dollar, das diesen damit sofort unübersehbaren Schwankungsrisiken aussetzen könnte, fraglos „bis in alle Ewigkeit“ rundweg verbieten und unterbinden wird.

 

FAZIT: Aktie weiterhin überbewertet und verkaufenswert

 

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Werbebanner ISIN-WatchlistDie kurz- wie längerfristigen weiteren Geschäftsperspektiven von PayPal strotzen daher aus unserer Sicht mittlerweile schon von konjunktur- wie auch wettbewerbsbedingten Unwägbarkeiten, womit wir die Aktie auf ihrem nach aktuellen Konsensschätzungen immer noch bei 21 liegenden KGV (2023e) selbst nach ihrem heutigen Crash weiterhin als klar überbewertet einstufen.

Wie eingangs angeführt, sehen wir daher ein künftiges weiteres Abrutschen der Aktie zumindest auf nur noch rd. 110 USD (= seit April 2017 etablierte Aufwärtstrendunterstützung) schon fast als vorgezeichnet an und begründen so unsere Empfehlung, die Aktie auch weiterhin zu VERKAUFEN.

 

Chart: PAYPAL (in US-Dollar)

 

 

03.02.2022 - Matthias Reiner

Unterschrift - Matthias Reiner

 

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