Henkel: Short Seller nehmen Gewinne mit
Henkel zieht vor den Zahlen die Erwartungen hoch - Short Seller ziehen sich zurück
Henkel war in den letzten Jahren eine enttäuschende Aktie, da das Management regelrecht am Steuer eingeschlafen ist. Aktuell tut sich jedoch etwas. Die Düsseldorfer haben das neue Jahr mit einer Akquisitionswelle begonnen, die den Umsatz 2026 um rund 1 Mrd. Euro heben wird.
Der Verlauf der Henkel Vorzüge (DE0006048432) in den vergangenen Jahren war alles andere als erfolgreich. Die Aktien kämpfen seit dem Sommer 2021, um wieder Oberwasser zu bekommen, werden aber regelmässig zurückgeworfen. Das Tief in dieser Dekade haben wir nach den Geschäftszahlen für das Jahr 2021 gesehen. Die Bullen versuchten danach, einen optimistischen Blick auf den früheren Dauerbrenner zu werfen, was auch bis Anfang 2025 gelang. Dann enttäuschten die Geschäftszahlen für 2024 und der Ausblick für 2025. Aktuell haben die Bären die Short-Positionen geschlossen und ihre Gewinne vom Tisch genommen. Kein Wunder, denn:
Am 11. März bekommen wir die Zahlen für 2025 und vor allem den Ausblick für das laufende Jahr. Und zuletzt ist Henkel etwas aus seinem Tiefschlaf erwacht und beginnt vorsichtig aggressiver zu werden. Dazu gehörte Anfang des Jahres insbesondere die Akquisition des niederländischen Spezialbeschichtungsunternehmens Stahl. Henkel zahlt 2,1 Mrd. Euro für einen Jahresumsatz von rund 725 Mrd. Euro. Das dürfte in diesem Jahr den Umsatz von Henkel akquisitionsbedingt etwa um 3 % heben. Die Akquisition wird das „bereinigte“ Ergebnis um voraussichtlich 180 Mio. Euro unterfüttern. Stahl ist eine komplementäre Ergänzung zum Klebstoff- und Beschichtungsgeschäft von Henkel, wobei die Niederländer sich vor allem auf die hochwertigen Produkte konzentrieren. Stahl gilt in der Branche als sehr gut geführt.
Short Seller nehmen Gewinne mit
Die Übernahme passt thematisch auch zur Akquisition von ATP Adhesive Systems. Wie auch Stahl hat sich ATP auf wasserbasierte Klebelösungen spezialisiert und sammelt somit im ESG-Spektrum Pluspunkte. Die Schweizer ATP fokussiert sich auf einseitige und doppelseitige Klebebänder, womit man sich einen guten Stand erarbeitet hat. Der Jahresumsatz liegt bei knapp unter 300 Mio. Euro. Zusammen mit Stahl kommt Henkel damit automatisch im laufenden Jahr auf rund 1 Mrd. Euro mehr Umsatz.
Ob der ESG-Fokus von Henkel in Zukunft angesichts der jüngst Entwicklung in den USA noch viel wert sein wird, ist fraglich. Die Trump Administration hat gerade erst eine umfassende Deregulierung des Klimaschutzes begonnen, was nichts anderes bedeutet als eine Absenkung der Anforderungen an die Produzenten. Und Sie können darauf wetten, dass die amerikanischen Konkurrenten von Henkel im Klebstoff- und Beschichtungsgeschäft umgehend kostenintensive ESG-Massnahmen intern über Bord werfen werden, wenn die US-Regierung diese nicht mehr vorschreibt. Denn dieses Geschäft tanzt mit dünnen Margen und jeder Kostenblock, den man loswerden kann, wird abgestossen. Insofern ist es zwar löblich, dass Henkel bei den Akquisitionen so grossen Fokus auf deren ESG-Konformität legt, doch dieser teuer eingekaufte Vorteil kann schon bald seinen Wert im globalen Handel verlieren.
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18.02.2026 - Mikey Fritz

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