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Brent-Öl mit Trendbruch

Rohöl kommt ins Schlingern

 

Der Ölpreis fällt. Das tut er zwar schon seit einigen Tagen, aber nun hat er auch noch seinen mittelfristigen Aufwärtstrend gebrochen. Und zwar auf Tagesbasis schon am 27.01.2020. Sollte der Schlusskurs heute unterhalb der Marke von ziemlich genau 58,90 Dollar liegen, hat Rohöl der Sorte Brent ein mittelfristiges Verkaufssignal gegeben.

Ein Blick auf den Kursverlauf zeigt zudem, dass der Ölpreis bi seinem Korrekturtief am 26.12.2018 keine genaue Punktlandung auf dem 61,8 % Fibonacci-Retracement hingelegt hat. Wenn man die Bewegung im Dezember 2019 nun aber als Fehlsignal bewertet, ist der Ölpreis wieder zurück unter seine seit Mitte 2019 laufenden Abwärtstrendlinie gefallen. Vielleicht war der Einfluss der OPEC+ und des Börsenganges von Aramco nur ein Strohfeuer?

 

Brentöl

 

Auch wenn bislang ein Vergleich mit dem schnellen Wiederanstieg der Märkte nach dem kurzen Schreck der SARS-Epidemie 2002 bemühen, so ist doch noch völlig offen, ob sich die Entwicklungsdynamik beider Viren ähneln.

Die Botschaft ist dabei klar die Botschaft der Rohstoffmärkte. Sie preisen ein Szenario ein, in dem die Auswirkungen des Corona-Virus deutlich stärker sind und länger anhalten als bislang prognostiziert.

Daneben leidet der Ölpreis auch unter der geringen Nachfrage angesichts des milden Winters. Die in dieser Woche bekannt gegebenen offiziellen Daten zu den Lagerbeständen für Rohöl in den USA zeigten denn auch, dass es anders als erwartet zu einem Aufbau der Lagerbestände um 3,5 Mio. Barrel auf nunmehr 431,7 Mio. Barrel Rohöl kam. Der Markt hatte einen leichten Anstieg um 0,5 Mio. Barrel erwartet.

 

Is the trend your friend?

 

Und da wäre dann noch das Überangebot an Öl, welches nicht nur saisonal bedingt ist. Denn im weiten Übergangsfeld von strategischen Überlegungen und taktischen Zwängen zeigt die aktuelle Prognose der Internationalen Energieagentur, dass die globale Ölnachfrage bis 2025 im Jahr zwar um 1 Mio. Barrel (159 Liter) pro Tag zulegt, dann aber sein Wachstum verlangsamen wird und Anfang des nächsten Jahrzehnts faktisch zum Stillstand kommen dürfte. Neben steigender Energieeffizienz ist auch die zunehmende Elektromobilität ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung.

Das dürfte die Ölproduzenten, und hier vor allem jene, die über wenig alternative Einnahmen in ihren Staatshaushalten verfügen, besonders umtreiben. Der Strukturwandel Saudi-Arabiens ist ein Beispiel dieser Entwicklung und der damit verbundenen ökonomischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen.

Bleibt man aber beim Kursverlauf des Ölpreises, so erscheint das Chartmuster wenig Symmetrie aufzuweisen. Eine Möglichkeit der weiteren Entwicklung ist ein erneuter Test des 61,8 %-Fibonacci-Niveaus, was zu einer anhaltenden Unsicherheit über den wirklichen Verlauf der Ausbreitung des Corona-Virus sprechen würde. Dies impliziert einen weiteren Rückgang des Ölpreises bis auf 50 Dollar.

 

Fazit

 

Der Ölpreis hat aktuell einen Knacks bekommen. Sollte das Abwärts-Momentum anhalten, sind auch schon bis Mitte Februar Kurse um 50 Dollar möglich.

 

31.01.2020 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 






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