SAP gerät noch mehr unter Druck, DHL rutscht trotz hoher Paketzahlen in den roten Bereich, die Erholung von Siemens kommt etwas ins Stocken und Spotify kämpft mit eigenen Ärgernissen
Die US-Regierung droht Europa unverhohlen mit Gegenmaßnahmen
Weil Elon Musks sogenanntes „soziales Netzwerk“ X sich nicht an europäische Spielregeln halten wollte und nach Ansicht der EU-Kommission die Nutzer mit käuflichen blauen Häkchen in die Irre führte, wurde der Plattform eine millionenschwere Strafe aufgedrückt. Das sorgte sofort für Unmut jenseits des Atlantiks und könnte noch unschönere Folgen haben. Es scheint sich schon die nächste Episode im Handelsstreit anzukündigen.
Gegenüber der EU erhob das Büro des US-Handelsbeauftragten am Dienstag den Vorwurf, diskriminierend und schikanös gegen X vorgegangen zu sein. Das soll wohl nicht unbeantwortet bleiben. Es solle „jedes zur Verfügung stehende Mittel“ genutzt werden, um auf die angebliche Benachteiligung zu reagieren. Als mögliche Ziele wurden konkrete europäische Unternehmen genannt, darunter auch der Softwareanbieter SAP (DE0007164600).
Sofern nötig, erlaube das US-Gesetz die Einführung von Beschränkungen für ausländische Dienstleistungen oder die Einführung von Gebühren. Konkrete Schritte wurden zwar (noch) nicht angekündigt. Doch der drohende Tonfall hinterlässt bereits Eindruck an den Märkten. Für SAP kommt das zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, da das Unternehmen ohnehin schon länger mit Gegenwind zu kämpfen hat. Am Dienstag gab die Aktie nun um weitere 1,4 Prozent auf 206,75 Euro nach.
Auch bei der DHL Group herrscht Zurückhaltung
Als weiteres mögliches Ziel nannten die USA die DHL Group (DE0005552004), welche gute Geschäfte in den USA macht und auch zwischenzeitliche Zollprobleme wieder lösen konnte. Die ausgesprochene Warnung nehmen die Anteilseigner so ernst, dass trotz Rekordmengen an Paketzustellungen im Weihnachtsgeschäft der Kurs gestern nicht weiter in die Höhe klettern konnte. Stattdessen ging es um 1,2 Prozent auf 46,54 Euro zurück.
Der positive Trend im Chart bleibt erhalten und das Geschäft zum Jahresende entwickelt sich prächtig, was auf hervorragende Q4-Zahlen hoffen lässt. Sollten die USA ihre Drohungen aber wahrmachen, könnte das an der Prognose nagen und die ist für den Kurs weitaus wichtiger. Den Anlegern ist dabei auch bewusst, dass der gegenwärtigen US-Administration so ziemlich alle rationalen und auch irrationalen Entscheidungen zuzutrauen sind.
Siemens wird in Mitleidenschaft gezogen
Genau dieselben Sorgen lasteten gestern auch auf der Aktie von Siemens (DE0007236101), welche mit Abschlägen von 0,5 Prozent noch eher glimpflich davonkam. Etwas Tempo wurde aus der im November gestarteten Erholung genommen, welche bisher einen vorherigen Kurssturz noch nicht vollständig ausgleichen konnte. Allgemein trauen die Märkte Siemens noch einiges zu, blicken aber skeptisch auf die Konjunktur, und das nicht nur in Deutschland und Europa.
Sollten nun die Geschäfte in den USA aufgrund von Handelsstreitigkeiten einen Dämpfer erhalten, würde es der Aktie freilich nicht weiterhelfen. Auch hier bleibt es erst einmal bei bösen Vorahnungen. Das reicht aber vollkommen aus, um die Bullen zumindest in die Deckung zu schicken. Eine direkte Reaktion seitens der EU scheint übrigens noch nicht vorzuliegen. Mit den Amerikanern möchte man es sich in Brüssel wahrscheinlich nicht verscherzen, gleichzeitig aber auch nicht wie ein Papiertiger daherkommen.
KI-Betrug bei Spotify
Auch Spotify (LU1778762911) steht auf der Liste der Amerikaner, kämpft nebenbei aber auch noch mit anderen Ärgernissen. Nachdem CEO Daniel Ek im Sommer in die Rüstungsfirma Helsing investierte, löste dies eine Welle von Protest aus. Als Reaktion darauf entschied sich unter anderem die Band King Gizzard & the Lizard Wizard, ihr sämtliches Portfolio von der Plattform zu entfernen. Aufgetaucht ist im Anschluss allerdings ein Künstler namens „King Lizard Wizard“, welcher KI-Kopien von sämtlichen Songs der Rockband bei Spotify hochlud und auch noch als Empfehlung im leeren Profil der eigentlichen Urheber auftrat.
Die betreffenden Songs wurden mittlerweile entfernt. Dennoch zeigt sich, dass Spotify die KI-Problematik noch immer nicht im Griff hat. Bei populären Künstlern fallen derartige Dinge recht schnell auf. Weniger bekannte Nischenkünstler hingegen dürften es schwerer haben. Sollte Spotify der Lage nicht irgendwann Herr werden, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis unangenehme Klagen folgen. Die Aktie gab am Dienstag um 1,1 Prozent bis auf 487,60 Euro nach.
Ärgerlich
Die politische Bühne gleicht heute leider oftmals einem Kindergarten, bei dem manche Staaten auf eine legitime Rechtsprechung eingeschnappt reagieren und mit Drohgebärden um sich werfen. Das sorgt immer wieder für unvorhergesehen Entwicklung und letztlich vor allem für viel Unsicherheit. Erinnert wurden die Börsianer beim aktuellen Vorfall, dass darunter auch Unternehmen leiden können, die mit der Sache an sich gar nichts zu tun haben.
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17.12.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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