Neues Jahrestief für SAP, Salesforce kann die Anleger nicht beruhigen, Microsoft bekommt Konkurrenz in Europa und Oracle bleibt unter besonderer Beobachtung
Software-Aktien werden von den Anlegern weiterhin links liegen gelassen
In der vergangenen Woche haben die Börsen in den Krisenmodus umgeschaltet. Die immer neuen Eskalationen im Nahen Osten und die dadurch entstandene Energiekrise setzt den Märkten schwer zu. Doch das ist längst nicht der einzige Belastungsfaktor. Speziell Titel aus dem Software-Segment stehen schon seit einer ganzen Weile unter Druck, was sich nun weiter verstärkt.
So landete etwa die Aktie von SAP (DE0007164600) am Freitag ein weiteres Mal auf der Seite der Verlierer mit Kursverlusten von 1,4 Prozent. Zu Handelsschluss reichte es nur noch für 142,56 Euro, was auf Schlusskursbasis einem neuen Zwei-Jahres-Tief entspricht. Die Skepsis rührt nicht zuletzt daher, dass die Anteilseigner besorgt auf die zunehmende Bedeutung von KI-Agenten blicken. Denn solche könnten im ungünstigsten Fall das Geschäftsmodell von SAP in Frage stellen.
Das Unternehmen gibt sich diesbezüglich eher zuversichtlich und will mit KI weiterhin Wachstum erreichen sowie Chancen nutzen. Doch es will einfach nicht gelingen, die Anleger für dieses Narrativ begeistern zu können. Selbst diverse Kaufempfehlung mit teils üppigen Kurszielen von Seiten der Analysten helfen momentan nicht weiter. Die Befürchtungen der Marktakteure mögen eher vage sein. Doch die vorstellbaren Implikationen sind derart weitreichend, dass die Risiken gescheut werden.
Salesforce kann das Ruder nicht drehen
Von entsprechenden Sorgen ist SAP nicht allein betroffen. Auch der US-Konkurrent Salesforce (US79466L3024) ist gewaltig unter Verkaufsdruck geraten. Um etwas gegenzusteuern, startete das Unternehmen im März ein breites Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von 50 Milliarden US-Dollar. Zudem kann das Management auf ein zweistelliges Wachstum im KI-Segment verweisen. Auf fundamentaler Ebene scheint also alles bestens zu laufen.
Doch auch in diesem Fall werden Risiken derzeit offenbar höher bewertet, denn mit dem Aktienkurs ging es vor dem Wochenende um weitere 3,4 Prozent bis auf 179,31 Dollar in die Tiefe. Seit Jahresbeginn hat der Wert der Salesforce-Aktie sich damit um rund ein Drittel reduziert. Der Weg nach oben scheint versperrt zu bleiben und die drohende Energiekrise verschärft die Lage zusätzlich. Schließlich brauchen Rechenzentren Unmengen an Energie, die auch abseits von Öl und Gas im Preis zunimmt.
Europa wehrt sich gegen Microsoft
Als wären die massiven Sorgen im Segment nicht schon genug, bekommt Microsoft (US5949181045) es auch noch mit Gegenwind aus Europa zu tun. Dort schickt sich eine Allianz aus Unternehmen wie Nextcloud und IONOS an, mit einer eigenen, vollständig Microsoft-kompatiblen Office-Lösung auf Angriffskurs zu sehen. Organisationen steht es bereits frei, die browserbasierte Software zu testen. Im Sommer soll dann eine erste stabile Version folgen, die auch von der Allgemeinheit genutzt werden kann.
Welcher Erfolg dem Projekt beschert sein mag, bleibt natürlich offen. Doch gerade im aktuellen politischen Klima, bei dem die USA ihre Verbündeten gerne hart angehen, dürften Alternativen zur Software der US-Tech-Giganten in Europa durchaus gefragt sein. So mancher Anleger bekommt es da mit zusätzlichen Sorgen zu tun und die Microsoft-Aktie verlor am Freitag mit 2,5 Prozent überdurchschnittlich an Wert. Der Kurs setzte auf 356,77 Dollar zurück und ist weit entfernt vom Allzeit-Hoch bei 555,45 Dollar.
Systemrisiko Oracle?
Am kritischsten beäugt wird jedoch vermutlich Oracle (US68389X1054). Auch dort steht KI-Wachstum derzeit über allem anderen. In einem lesenswerten Artikel schlüsselt das „Handelsblatt“ auf, welche enormen Risiken dafür in Kauf genommen werden. Kurz zusammengefasst nimmt Oracle enorme Schulden sowie Kapitalerhöhungen in Kauf, um Rechenkapazitäten aufzubauen. Die letzten Zahlen fielen zwar erfreulich gut aus. In der absehbaren Zukunft übersteigen die Investitionen den Cashflow aber bei Weitem.
Das Kartenhaus könnte insbesondere dann zusammenbrechen, sollten die Rating-Agenturen an der Bewertung von Oracle rütteln. Das könnte nicht nur das Unternehmen selbst, sondern die gesamte Branche ins Wanken bringen. Zugegebenermaßen ist es dazu noch immer nicht gekommen, trotz aller warnenden Worte. Doch Risiken wollen die Anleger auch hier derzeit nicht eingehen. Die Oracle-Aktie stürzte am Freitag um 2,2 Prozent auf 139,66 Dollar zurück und blickt auf Abschläge von 28 Prozent im gerade auslaufenden ersten Quartal.
Sorgenfalten
Vielleicht bleibt uns der große Crash bei Software und/oder KI letztlich erspart. In einem solchen Szenario würden sich momentan hochinteressante Einstiegschancen bieten. Doch Verlass ist leider nur auf wenig und die allgemeine Krise an den Märkten verschärft die Lage für Software-Aktien zusätzlich. Ein Comeback bleibt ein denkbares Szenario. Darauf zu wetten, ist aber mit nicht zu unterschätzenden Risiken verbunden.
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30.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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