Ein mauer Ausblick verhagelt Salesforce den großen Auftritt bei eigentlich guten Quartalszahlen und die Sorgen der Anleger verschwinden nicht
Droht Salesforce die SaaSpocalypse?
Seit einer Weile schon wird an den Märkten über die sogenannte „SaaScopalypse“ orakelt. Darunter wird ein Szenario verstanden, in dem sich Kunden von Software-as-a-Service-Anbietern wie Salesforce die bisher teuer bezahlte Software mit KI-Agenten selbst zusammenschustern. Die nun vorgelegten Quartalszahlen geben dem zwar kein Futter. Ein schwacher Ausblick aber umso mehr.
Abschließen konnte Salesforce (US79466L3024) das erste Quartal mit einem um 50 Prozent auf 3,88 US-Dollar je Aktie gestiegenen Gewinn. Hauptsächlich verantwortlich dafür war eine rasant steigende Nachfrage nach KI-Anwendungen. Bislang scheint das Unternehmen also eher zu den Profiteuren der KI-Revolution zu gehören.
Die Aktionäre stellen sich jedoch die Frage, ob es dabei auch bleiben wird. Mit dem Ausblick konnte Salesforce nicht überzeugen. Im zweiten Quartal werden Umsätze von bestenfalls 11,35 Milliarden Dollar erwartet. Damit liegt man knapp unter der Konsensschätzung der Analysten. Finanzchefin Robin Washington verspricht, dass das Wachstum sich im zweiten Halbjahr beschleunigen werde. CEO Marc Benioff sprach derweil munter über Rekorde bei Umsätzen, Vertragsabschlüssen und Cashflow.
Doch beruhigen ließen die Anleger sich von alledem nicht. Im KI-Segment reicht es eben schon lange nicht mehr, Prognosen zu erfüllen. Die Anleger erwarten, dass die Analystenschätzungen überflügelt werden. Der Ausblick von Salesforce wurde als klares Warnsignal interpretiert. Der Kurs gab nachbörslich zeitweise um mehr als drei Prozent nach.
Salesforce im Schatten von Claude und Co.
Solange Salesforce bei Umsätzen und Gewinnen keine monumentalen Sprünge hinlegen kann, werden die Sorgen der Börsianer nicht einfach verschwinden. Das gilt besonders mit Blick auf die teils großen Fortschritte, welche Sprachmodelle wie Claude von Anthropic in der jüngeren Vergangenheit machen konnten. Nicht selten erledigen KI-Agenten und Zusatzmodule Aufgaben, für die es bisher große und teure Software-Suiten brauchte. Auch wenn eher nicht mit einem großen Crash über Nacht zu rechnen ist, so reicht die Ungewissheit doch bereits aus, um die Bullen in Deckung gehen zu lassen.
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28.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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