Samsung im Zeichen der Angst, SK Hynix wird mit in die Tiefe gerissen, ExxonMobil steigt nach Sprung beim Ölpreis und Volkswagen muss sich auf Gegenwind einstellen
Nach der jüngsten Rekordjagd scheinen die Börsianer wieder vorsichtiger zu werden
In den letzten Tagen konnte der Dax munter neue Rekorde schreiben. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt, nachdem zuletzt Industriedaten freundlicher als befürchtet ausfielen. Doch am Dienstag rückte der Tech-Sektor wieder in den Vordergrund, und das nicht in positiver Weise. Die Sorge vor Korrekturen zog große Kreise, welche rund um den Globus zu spüren waren.
Das Epizentrum dieser Entwicklung bildete ausgerechnet Samsung (US7960502018), obschon der südkoreanische Tech-Gigant vorläufige Zahlen in Rekordhöhe meldete. Der für das zweite Quartal erwartete Betriebsgewinn liegt mehr als doppelt so hoch wie der Betriebsgewinn aus dem gesamten Vorjahr. Bemerkbar machen sich hier die deutlich höheren Speicherpreise bei einer gleichzeitig anhaltend hohen Nachfrage.
Bessere Neuigkeiten könnte es auf fundamentaler Ebene eigentlich kaum geben. Dennoch geriet die Aktie schwer unter Druck und gab um knapp sieben Prozent nach, was den Kurs knapp unter die Marke von 300.000 Won drückte. Zeitweise waren sogar weniger als 290.000 Won zu sehen, ehe das Papier sich zu Handelsschluss bei 296.000 Won einpendelte. Der Grund für die Gewinnmitnahmen im großen Stil waren schlicht böse Vorahnungen.
SK Hynix: Potenzial ausgereizt?
Immer mehr scheint sich an der Börse die Ansicht durchzusetzen, dass bei den Speicherherstellern nach oben kaum noch Luft vorhanden sein dürfte und die Bewertungen schon jetzt aus dem Ruder gelaufen sein könnten. Dazu gesellt sich eine allgemeine KI-Müdigkeit. In der Sorge davor, dass die Kurse nicht doch eines Tages heftig nachgeben werden, sammelten viele Anleger schlicht erst einmal Gewinne ein. Das bekam auch SK Hynix (US78392B1070) zu spüren, wo es um 6,1 Prozent auf 2,2 Millionen Won in Richtung Süden ging.
Konkrete Anzeichen für ein Ende des Booms gibt es freilich nicht. Gerüchten zufolge befindet Samsung sich sogar aktuell in Gesprächen, um die Speicherpreise noch einmal anzuheben. Doch das konnte an den Märkten niemanden recht trösten. Dominierend war die vage Sorge davor, dass mittlerweile selbst die allerbesten Szenarien mehr als eingepreist sind und im Zuge steigender Kapazitäten irgendwann Sättigungseffekte zu sehen sein werden. Selbst sensationelle Zahlen scheinen nicht mehr genug zu sein, um die Rallye weiter eskalieren zu lassen.
ExxonMobil wieder stärker
Ungute Vorahnungen gibt es auch mit Blick auf den Irankonflikt, der sich wieder zu verschärfen scheint. Nach Berichten auf drei Tanker im Persischen Golf setzten die USA Ölsanktionen gegen Teheran wieder in Kraft und klagten über das „inakzeptable“ Verhalten der iranischen Regierung. Zuvor sah eine Ausnahmeregelung vor, dass Iran bis Mitte August Rohöl sowie damit verwandte Produkte fördern und verkaufen durfte.
Die Reaktion an den Märkten ließ nicht lange auf sich warten. Der Ölpreis sprang gestern Abend um etwas mehr als fünf Prozent in die Höhe und ein Barrel der Nordseesorte Brent landete dadurch bei 75,77 Euro. Das hilft niemandem weiter, mit Ausnahme vielleicht der Ölkonzerne. Genau die wurden an der Börse auch prompt als mögliche Profiteure identifiziert. Dadurch gelang der Aktie von ExxonMobil (US30231G1022) ein Kursplus von 3,9 Prozent auf 141,69 US-Dollar.
Bei Volkswagen wird es ungemütlich
Volkswagen (DE0007664039) kann steigende Ölpreise eher weniger gebrauchen, hat aktuelle aber noch mit ganz anderen Baustellen zu kämpfen. Der zweitgrößte Autobauer der Welt steht vor einem historischen Sparprogramm, welches am Ende rund 100.000 Stellen kosten könnte. Am Donnerstag wird genau das auch Thema bei einer Aufsichtsratssitzung sein. Im Vorfeld regt sich Widerstand bei der Gewerkschaft IG Metall.
Letztere rief bereits zu Protesten gegen Mercedes-Benz auf und will nun auch gegen die Sparpläne von VW Sturm laufen. Für morgen ist ein bundesweiter Aktionstag geplant, wie die Gewerkschaft ankündigte. Ob das Management sich davon weiter beeindrucken lassen wird, darf bezweifelt werden. Eingebrochene Absatzzahlen in China und mittlerweile schon fast bemitleidenswerte Margen zwingen die Verantwortlichen zu immer härteren Maßnahmen. Denn ein anderes Kraut scheint gegen die derzeitige Krise nicht gewachsen zu sein.
Stimmungsschwankungen
Es scheint momentan kaum noch ruhige Tage an der Börse zu geben. Entweder die Bullen kaufen sich in eine regelrechte Euphorie, oder die Sorge vor Einschnitten sorgt für einen veritablen Ausverkauf. Was uns als nächstes erwarten mag, lässt sich kaum absehen. Genau das ist aber umso mehr ein guter Grund, um das Geschehen stets genau im Auge zu behalten.
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08.07.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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